Eine Reisegruppe aus Fernost hat Paris gebucht und bekommt Paris: Brennend, rauchend, im Tränengas. Die Reiseleiterin mit dem Trikolore-Fähnchen lächelt dazu, als wäre der Bürgerkrieg im Pauschalpreis inbegriffen. Ist er ja auch.
Erste Station: Bastille. Die Julisäule erinnert an die Revolution von 1830, doziert die Dame, während hinter der Gruppe bereits die nächste geprobt wird. Dann ein kleiner Umweg, weil die Luft drüben frischer sei. Frischer heisst in Paris inzwischen: Weniger Pfefferspray. Der Eiffelturm qualmt wie ein Fabrikschlot.
Croissant nach neuem Rezept
Die Touristen pressen sich Atemschutzmasken vors Gesicht und sind damit die einzigen Besucher Europas, die korrekt ausgerüstet anreisen. Wer hustet, gilt als begeistert, wer rennt, als sportlich. Ein Wasserwerfer liefert die erfrischende Dusche, ein brennendes Strassencafé die «intellektuellen Gespräche», für die das Viertel berühmt sei. Das Croissant kommt nach neuem Rezept, knusprig flambiert. Im Einkaufsviertel heisst es «Kopf runter», die Luxusboutique lodert heller als jede Schaufensterbeleuchtung. Die Leiterin lotst ihre Schäfchen um Barrikaden herum wie um Strassenmusikanten. Gruppenfoto vor den Flammen, alle lächeln bitte. Vom Aussichtspunkt dann das schönste Panorama der Stadt: Rauchsäulen bis zum Horizont, Postkartenmotiv der neuen Republik.
Zimmer mit Aussicht auf Ruinen
Am Hotel steigt die Gruppe aus, russgeschwärzt wie Bergleute nach der Schicht, das Namensschild noch am Hals. Ein Kriegsforscher hat Westeuropa längst den Bürgerkrieg vorausgesagt, Frankreich hat ihn bereits im Pausenhof eingeübt. Das Reisebüro hat das Unvermeidliche bloss als Erstes gebucht. Stadt der Liebe war gestern, heute ist es die Stadt der Lichter, angezündet mit Benzin. Buch früh, solange der Eiffelturm noch steht!






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