Es braucht manchmal einen Eishockeytrainer, damit ein Land merkt, was es verloren hat. Patrick Fischer, Nationaltrainer der Schweizer Eishockeymannschaft, hat den Bannstrahl des Verbandes zu spüren bekommen. Sein Vergehen: Er hatte während der Pandemie nicht mitgemacht. Er hatte Nein gesagt. Er hatte, in der präzisen Sprache des zivilisierten Diskurses, zivilen Ungehorsam geübt. Und dafür wird er bis heute verfolgt – während jene, die den Druck aufgebaut haben, weiter vorgeben, als sei alles richtig gewesen.
BAG-Direktorin Levy meldete sich in unangemessener Schärfe zu dem Fall. Unangemessen ist das richtige Wort. Denn die Schärfe, mit der das Establishment auf Abweichler reagiert – damals wie heute – steht in einem grotesken Missverhältnis zur wissenschaftlichen Grundlage, auf die man sich dabei beruft.
Kommen wir zu den Fakten. Die mRNA-Präparate von Pfizer und Moderna wurden in einem stark verkürzten Notfallverfahren zugelassen. Ihre Wirksamkeit, Infektionen und Ausbrüche zu verhindern, haben sie weitgehend verfehlt. Das ist keine Randmeinung von Schwurblern – das ist die nüchterne Bilanz, die sich aus den Daten ergibt, die mittlerweile vorliegen. Wer das heute noch bestreitet, hat entweder keine Zeit gehabt, die RKI-Protokolle zu lesen oder er hat sich entschieden, sie nicht zu lesen, weil das Ergebnis unbequem wäre.
Stattdessen traten die Risiken ein, vor denen Kritiker gewarnt hatten: Ungeklärte Todesfälle nach der Injektion, teils schwere Nebenwirkungen, offene Fragen zu Langzeitfolgen. Und die Gesamtmortalität von Covid? Lag über alle Altersgruppen hinweg unter jener schwerer Grippewellen. Man darf das ruhig noch einmal langsam lesen. Die Massnahmen, die das gesellschaftliche Leben für Jahre zum Erliegen brachten, richteten sich gegen eine Erkrankung, deren Gesamtmortalität unter jener schwerer Grippewellen lag.
Auf dieser Grundlage wurde eine faktische Impfpflicht eingeführt. Lockdowns. Maskenpflicht. Die systematische Diskriminierung Ungeimpfter aus dem öffentlichen Leben – aus Restaurants, Kulturveranstaltungen, Arbeitsplätzen, sozialen Strukturen. Für junge, gesunde Menschen war all das nicht nur unverhältnismässig. Es war übergriffig. Es war ein politischer Eingriff ohne wissenschaftliche Evidenz, verkleidet als Bevölkerungsschutz.
Das moralische Erpressungsinstrument der Wahl lautete: «Du tötest Oma.» Ein Satz, der in seiner schlichten Brutalität seinesgleichen sucht. Junge Menschen, für die das Virus statistisch kaum eine Gefahr darstellte, wurden mit kollektiver Schuld beladen für den Tod von Risikogruppen – die man gleichzeitig isolierte, in Pflegeheimen einsperrte und von ihren Familien fernhielt. Die Logik dieser Konstruktion kann nicht verteidigt werden. Sie lässt sich nur wiederholen, laut und oft genug, bis die Wiederholung für Wahrheit gehalten wird.
Wer nicht mitmachte, wurde «Covidiot» genannt. «Schwurbler». «Querdenker». Die Diffamierung ersetzte die Auseinandersetzung. Das Etikett ersetzte das Argument. Und wer die Verhältnismässigkeit einforderte – Ärzte, Juristen, Epidemiologen, Wissenschaftler – wurde aus dem öffentlichen Diskurs gedrängt, aus Talkshows ausgeladen, auf Wikipedia zum Randphänomen umgeschrieben. Die Maschinerie der sozialen Kontrolle lief reibungslos. Sie lief im Namen der Wissenschaft.
Die staatlichen Übergriffe, moralische Diffamierung Andersdenkender, selektiver Konformitätsdruck – alles im Namen der Wissenschaft, der Sicherheit, des Gemeinwohls. Das Muster ist bekannt. Es ist nicht neu. Die Geschichte liefert genug Beispiele dafür, wie gutmeinende Funktionäre im Namen schützenswerter Ziele die Verhältnismässigkeit aus dem Blick verlieren – und wie lange es dauert, bis eine Gesellschaft bereit ist, das zuzugeben.
Ziviler Ungehorsam war in dieser Situation nicht nur legitim. Er war moralisch geboten. Das ist kein nachträgliches Heldennarrativ – es ist die logische Schlussfolgerung aus dem, was damals geschah. Wenn der Staat Druck ausübt, der über das wissenschaftlich Begründbare hinausgeht, wenn er Bürger moralisch erpresst, sozial isoliert und beruflich bestraft – dann ist der Widerstand keine Pflichtwidrigkeit. Er ist Pflicht.
Dass Fischer dafür bis heute berufliche Konsequenzen trägt, ist kein Einzelfall. Es ist Symptom. Symptom einer Klasse von Funktionären und Institutionen, die unwillig sind, die Geschehnisse zu revidieren – weil Revision Eingeständnis bedeutet, und Eingeständnis Verantwortung. Und Verantwortung, das haben diese Jahre gezeigt, ist die seltenste aller institutionellen Ressourcen.
Die wirklich peinlichen Figuren dieser Geschichte sind nicht jene, die Nein sagten. Sie sind jene, die heute noch so tun, als sei alles richtig gewesen. Die weiter nach Bestrafung der Abweichler rufen. Die aus dieser Zeit die Lektion gezogen haben, man müsse es «nächstes Mal konsequenter machen.»
Das ist die eigentliche Gefahr. Nicht der Virus. Nicht die Ungeimpften. Nicht die Schwurbler. Sondern der vermeintlich gutmeinende Funktionär, der im Namen der Sicherheit die Verhältnismässigkeit verliert – und der aus einer Niederlage nicht Demut zieht, sondern Entschlossenheit zur Wiederholung.
Patrick Fischer hat Nein gesagt. Er trägt die Konsequenzen. Die Frage, die bleibt, lautet nicht, ob er falsch lag. Die Frage lautet: Wer zieht die Konsequenzen für die anderen? Bisher niemand…




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