Wer vor einigen Tagen bei der Olympia-Übertragung die Live-Berichterstattung zur Verleihung der Medaillen nach dem Dreisprung-Finale auf Eurosport sah, wird sich an das berühmtes Märchen von Andersen «Der Kaiser ist nackt, jeder weiss es – doch wehe einer sagt es» erinnert fühlen. Die beiden Kommentatoren Siegfried Heinrich und Markus Röhrig hatten es doch tatsächlich gewagt, das auszusprechen, was Millionen Zuschauern daheim ebenfalls durch den Kopf ging: Welche bizarren Verhaltensänderungen die sogenannte Pandemie mit sich bringt, wie zum Beispiel dass sich die Athleten die gewonnen Medaillen nun selbst um den Hals hängen müssen. Angesichts dieser ritualisierten Pandemie-Neuerung brach es aus den beiden Kommentatoren heraus und beide machten ihrem Unmut über die wahnhafte Corona-Manie Luft.
Dies waren erfrischend offene und unverfälschte Meinungsäusserungen, doch zweierlei hatten die alten Veteranen bei ihrer launigen Moderation vergessen: Hier hörte nicht nur eine Mehrheit (zumindest insgeheim) normal denkender Menschen zu, denen die beiden Kommentatoren sicher aus der Seele sprachen, sondern eben auch eine ganze Armada an Corona-Blockwarten, Sportfunktionären und medialen Vertreter der Pandemie-Propaganda. Jene also, die nur darauf lauern, jede Art der «Wehrkraftzersetzung» gegen das Virus als defätistischen Hochverrat zur Anklage bringen. Und prompt gerieten die Äusserungen der beiden Reporter zum Skandal: Empörte Journalisten tadelten die beiden für ihre «wirren» Aussagen, so etwa das Portal «Watson.de«. Auch andere Medien wie die «Neue Westfälische» übernahmen die Kritik an den angeblich «verantwortungslosen» Bemerkungen Heinrichs und Röhrigs. Mit dem üblichen Ergebnis, dass sich der Sender zur tätigen Reue und öffentlichkeitswirksamen Distanzeritis genötigt sah: Der Sportchef von Eurosport, Gernot Bauer, nahm vehement Abstand von den Aussagen der Kommentatoren und erklärte: «Ich werde mich der Sache annehmen. Eurosport distanziert sich deutlichst in der Sache von diesen Aussagen». Hinter den Kulissen muss es sodann unangenehm geworden sein, man scheint Heinrich und Röhrig klargemacht zu haben, dass man in deutschsprachigen Medien keinesfalls sagen darf, was man denkt – und in Corona-Zeiten schon gar nicht. Wer das nicht versteht, der fliegt üblicherweise.

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