Es gibt einen Satz, der alles erklärt. Eine israelische Touristin auf Koh Phangan wird gebeten, ihre Schuhe auszuziehen, bevor sie ein thailändisches Restaurant betritt – eine Selbstverständlichkeit, eine grundlegende Respektgeste gegenüber einer Jahrtausende alten Kultur. Ihre Antwort, die viral ging und seitdem auf Tausenden Bildschirmen in Thailand und weltweit zu sehen war: «My money built your country.» Kein Kommentar nötig. Der Satz kommentiert sich selbst.

«Save Koh Phangan» – wenn Einheimische um ihre Insel kämpfen
Was auf Koh Phangan geschieht, ist kein Missverständnis zwischen Kulturen. Es ist das Ergebnis eines jahrelangen, systematischen Prozesses, der inzwischen offizielle Untersuchungen ausgelöst hat. Der Tourismus auf Koh Phangan ist in den vergangenen zwei Jahren um mehr als 200 Prozent gewachsen. 4030 israelische Staatsbürger befinden sich derzeit allein in der Provinz Surat Thani – 2548 auf Koh Phangan, 1279 auf Koh Samui.

Das wäre an sich kein Problem. Touristen kommen, Touristen gehen. Aber diese hier kommen und bleiben. Etwa 2000 israelische Staatsbürger leben derzeit auf Koh Phangan, rund 500 davon dauerhaft, viele im Immobilien-, Fahrzeugvermietungs- und Unternehmenssektor tätig. Lokale Einwohner haben eine Facebook-Seite namens «Save Koh Phangan» gegründet, weil sie befürchten, dass ihre Insel zu einem «zweiten Tel Aviv» wird. Das ist nicht Fremdenfeindlichkeit. Das ist die Verzweiflung von Menschen, die beobachten, wie ihr Lebensraum systematisch übernommen wird.

Die Methode ist dabei so simpel wie effektiv: Einige Israelis auf Koh Phangan betreiben Villen, Restaurants, Reiseunternehmen und andere Geschäfte, die überwiegend israelische Gäste bedienen – über thailändische Strohmänner, da Ausländer in Thailand kein Land besitzen dürfen. Man kauft Land, das man nicht kaufen darf. Man betreibt Firmen, die man nicht betreiben darf. Man beschäftigt burmesische Arbeiter ohne Genehmigung. Und man baut Luxusvillen im Nationalpark, begleitet von Berichten über illegale Bautätigkeiten, Abholzung und sogar Bestechung lokaler Beamter.

"Mein Geld hat euer Land aufgebaut" - Wie israelische Touristen Thailand zur Kolonie umbauen

Kriegsstress als Freibrief
Nach dem 7. Oktober 2023 strömten israelische Touristen in Rekordzahlen nach Thailand. Zwischen Januar und September 2025 besuchten rund 300’000 israelische Touristen Thailand – ein Anstieg von 57 Prozent. Viele davon sind Militärreservisten, die nach dem Dienst im Gazastreifen Erholung suchen. Auf Koh Phangan entstanden «Heilungszentren», sechs Chabad-Häuser wurden eingerichtet, exklusive Gemeinschaften für Israelis, bei denen der Zugang für Nichtisraelis verweigert wird, angeblich aus Sicherheitsgründen.

Das klingt verständlich – PTBS ist real, Kriegserfahrungen sind traumatisch. Weniger verständlich ist, was gleichzeitig geschieht. Eine viral gegangene Aufnahme zeigt eine ausschliesslich israelische Party, die angeblich dem Stressabbau vom Krieg dienen sollte – und dabei erhebliche Schäden am Gebäude verursachte, die den Eigentümer zu Renovierungsarbeiten zwangen. Und dann gab es jene Gruppen, die öffentlich das Militärgeschehen in Gaza feierten – was bei Einheimischen und anderen Touristen auf Unverständnis und Abscheu stiess.

Kriegsstress als Freifahrtschein für Sachbeschädigung, Visaverstösse und Nichtbezahlen von Restaurantrechnungen: Das ist eine bemerkenswert elastische Definition von Erholung.

Die Strafverfolgung antwortet
Die thailändischen Behörden haben reagiert – mit der Entschlossenheit von Leuten, die zu lange zugeschaut haben. Zwischen 2023 und 2025 wurden 20 Fälle auf Koh Phangan registriert, darunter Arbeiten ohne Genehmigung, Visaverstösse, unerlaubter Geschäftsbetrieb, Diebstahl, Drogendelikte, Körperverletzung, Falschgeldnutzung und Amtsmissachtung.

In den vergangenen Monaten wurden mehr als 23 Israelis wegen illegaler Aktivitäten festgenommen. Eine Sonderkommission unter dem Gouverneur von Surat Thani untersucht Landbesitz, Geschäftstätigkeiten und Gesetzeseinhaltung. Die Polizei führte koordinierte Razzien durch, bei denen Strohmänner-Konstruktionen aufgedeckt wurden. Allein im Jahr 2025 wurden 3249 Visa von Ausländern widerrufen, die Straftaten begangen oder öffentliche Unruhe verursacht hatten.

In einem besonders surrealen Kapitel dieser Geschichte wandte sich der Koh-Phangan-Hotelverband an den lokalen Chabad-Rabbiner und bat ihn, Bekanntmachungen auf Hebräisch zu veröffentlichen, die israelische Besucher daran erinnern, sich respektvoll zu verhalten und die Gesetze einzuhalten.

Man ruft einen Rabbi, damit er seinen Leuten erklärt, dass man in fremden Ländern keine Schuhe in Restaurants trägt und Rechnungen bezahlt. Das ist der Punkt, an dem Deeskalation beginnt.

Das Muster, das sich wiederholt
Was in Thailand geschieht, ist kein Einzelfall. Israelische Touristen haben weltweit einen zweifelhaften Ruf, der sich über Jahrzehnte aufgebaut hat. In Indien, besonders in Goa und Pushkar, sind Berichte über respektloses Verhalten, Drogenkonsum und Konflikte mit Einheimischen seit den 1990ern dokumentiert. In Nepal, in Südostasien, auf den griechischen Inseln – überall dasselbe Muster: Massenanwesenheit, Parallelstrukturen für die eigene Community, minimale Integration in lokale Gepflogenheiten.

Erstaunlich ist, dass man in Thailand Israelis und ihr Verhalten offen kritisieren darf. Das wäre in Europa vollkommen unmöglich. Damit ist ein strukturelles Problem benannt, das über Thailand hinausgeht. In Europa schützt die Antisemitismus-Keule jede Verhaltensweise vor Kritik. In Thailand, wo dieses Instrument nicht existiert, kann man einfach feststellen: Manche Gäste benehmen sich miserabel. Unabhängig von ihrer Nationalität, ihrer Religion, ihrem Trauma.

Respekt ist keine westliche Spezialität. Er ist auch keine Schwäche. Er ist die Grundvoraussetzung dafür, dass man in einem fremden Land willkommen ist.
«My money built your country.» Nein. Euer Geld hat Hotelzimmer bezahlt. Den Rest haben die Thais selbst gebaut. Seit Jahrtausenden…

"Mein Geld hat euer Land aufgebaut" - Wie israelische Touristen Thailand zur Kolonie umbauen


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