Willkommen im Jahr 2025, wo der fortschrittlichste Überwachungsapparat der Menschheitsgeschichte freiwillig, begeistert und auf Ratenzahlung in jeder Hosentasche steckt. Gestapo und Stasi haben Jahrzehnte gebraucht, um Millionen Menschen zu bespitzeln – und sind dabei gescheitert, weil es schlicht nicht genug Spitzel gab. Das hat sich erledigt. Das Problem hat sich in Luft aufgelöst, weil wir das Problem jetzt selbst sind. Wir tragen es mit uns. Wir laden es auf, wenn der Akku leer ist. Wir streicheln es morgens als Erstes und abends als Letztes. Es heisst Smartphone und es liebt uns auf eine Weise, die jede gesunde Beziehung weit hinter sich lässt.

Gestapo war gestern. Heute lässt du dich per Smartphone überwachen.

Ein Rechercheteam aus Bayerischem Rundfunk, netzpolitik.org, Le Monde und weiteren Medien hat sich die Mühe gemacht, rund zehn Milliarden Standortdaten auszuwerten. Zehn Milliarden. Man muss diese Zahl kurz sacken lassen, während man dabei ist, seinen Kaffee zu trinken und sein Handy zu entsperren, das gerade den Fingerabdruck scannt, den Puls misst und die Raumtemperatur protokolliert. Das Ergebnis dieser Recherche ist so überraschend wie der nächste Marvel-Film: Die Daten, die deine Apps sammeln, landen in einem weltweiten Netzwerk aus Datenhändlern und Werbefirmen. Vermeintlich anonym natürlich. Anonym wie ein Mensch mit Namensschild, Wohnadresse, Arbeitsplatz, Bordellbesuch und psychiatrischem Klinikaufenthalt – alles im Datensatz, alles abrufbar, alles käuflich.

Bis nach Florida hat die Spur geführt, zu einem Händler, der munter Standortdaten deutscher und französischer Nutzer vertickt. Nicht an irgendjemanden natürlich – an alle, die zahlen. Stalker, Kriminelle, Geheimdienste. Eine ägyptische Exiljournalistin in Berlin wird bedroht – ihre Bewegungen sind im Datensatz. EU-Kommissionsmitarbeiter in Brüssel, ebenfalls drin. Ukrainische Soldaten an der Front, die in den Daten ihre eigenen Stellungen wiedererkennen: Natürlich auch dabei. Das Milliardengeschäft mit Standortdaten ist demokratisch. Es diskriminiert niemanden. Es verkauft jeden.

Aber das Schöne – das wirklich Bezaubernde an dieser ganzen Misere – ist, dass die öffentliche Diskussion immer noch bei Standortdaten stehenbleibt. Als wäre das die einzige Bedrohung. Als wäre ein Smartphone lediglich ein sehr teures GPS-Gerät. In Wirklichkeit ist das Gerät in deiner Tasche ein sensorisches Gesamtkunstwerk der Überwachung, gegen das der KGB aussieht wie ein gelangweilter Nachbar mit Fernglas.

Fangen wir der Vollständigkeit halber an: Dein Smartphone misst deine Bewegungen via Akzelerometer und Gyroskop auf drei Achsen. Es kennt deinen genauen Standort per GPS. Es weiss, in welche Himmelsrichtung du schaust, weil der Magnetometer das protokolliert. Es misst den Luftdruck und kann damit Höhenunterschiede bestimmen – du könntest also theoretisch nachverfolgt werden, in welchem Stockwerk eines Gebäudes du dich befindest. Es scannt deinen Fingerabdruck. Es hört mit – das eingebaute Mikrofon ist jederzeit aktivierbar. Es schaut hin – die Kamera ebenso. Und sobald du es in die Hand nimmst, erkennt es deinen Puls und deine Körpertemperatur.

Du bist nicht Kunde. Du bist Datenpunkt. Du bist Produkt. Du bist das Geschäftsmodell.

Und falls das noch nicht reicht, gibt es im Google Play Store eine App namens «Sensor Box for Android Sensors», die dir in Echtzeit zeigt, welche Sensordaten dein Gerät gerade überträgt. Lehrreich. Verstörend. Und nach zehn Minuten Nutzung auch der Moment, in dem man versteht, warum der Begriff «Smart»-Phone in Anführungszeichen gehört — denn smart ist dabei einzig und allein das System, das dich auswertet. Du selbst bist in dieser Gleichung die Variable mit dem geringsten Informationsstand.

Sensor Box for Android Sensors
Sensor Box for Android Sensors

Das europäische Datenschutzrecht, die viel gerühmte DSGVO, das grosse Versprechen an den mündigen EU-Bürger: Es existiert. Es wird verletzt. Täglich. Millionenfach. Und der Händler in Florida, der deine Daten vertickt, schert sich um europäisches Recht ungefähr so viel wie ein Algorithmus um Gefühle. Nämlich gar nicht. Weil es schlicht keine wirksame Durchsetzung gibt. Weil die Datenwirtschaft schneller ist als jeder Gesetzgeber. Weil das Geschäft zu lukrativ ist, als dass irgendjemand mit ernsthaftem Interesse an seinem Erhalt ein Interesse an seiner Einschränkung hätte.

Und hier liegt das eigentliche Problem, das weit über Datenpunkte und Bewegungsprofile hinausgeht: Es ist kein technisches Problem. Es ist ein politisches. Die Infrastruktur zur vollständigen Überwachung jedes Menschen auf diesem Planeten existiert bereits. Sie ist im Einsatz. Sie wird täglich verfeinert. Und die Gesellschaft diskutiert derweil darüber, ob die neue KI-Funktion in der Kamera-App wirklich so gut ist wie die der Konkurrenz.

Ziad K. Abdelnour hat es treffend formuliert: «We live in an era of smart phones and stupid people.» Man muss das nicht mögen. Man kann es als elitär abtun. Aber man kommt nicht daran vorbei, dass zehn Milliarden ausgewertete Standortdatensätze eine Antwort auf die Frage sind, wie bewusst der durchschnittliche Nutzer mit seinem digitalen Hosentaschenspion umgeht.

Gestapo und Stasi werden nicht mehr benötigt. Wir haben die Arbeit übernommen. Freiwillig. Begeistert. Inklusive Cloud-Backup.

Und jetzt entschuldige dich bitte — dein Smartphone möchte wissen, ob du gut geschlafen hast…

…wer übrigens dem Abgreifen von Daten etwas Einhalt gebieten möchte, kann sich z.B. die App Micro Guard Mikrofon Blocker installieren, welche das Mikrofon bei Nichtgebrauch bei Telefonaten oder Calls, automatisch ausschaltet. Wer dies umfangreicher haben möchte, findet von derselben Firma, Protectstar Inc., die App Anti-Spy App – Anti-Spyware, welche neben dem Mikrofon auch die Kamera prüft und sperrt, jede App bei der Installation auf Datenschutzverletzungen prüft und Echtzeitschutz bietet. Leider sind die letztgenannten Funktionen in der kostenlosen Variante nicht freigeschaltet, man kann diese aber 7 Tage kostenlos testen. Mir ist bei der Nutzung der kostenlosen Variante aufgefallen, dass massiv weniger Werbung auf verschiedenen Kanälen geschaltet wurde, welche nur durch Mithorchen generiert werden konnte. Wer also schon früher das Gefühl hatte, dass das Produkt-Marketing nur durch Lauschen stattfinden konnte, findet in diesen Apps Hilfe. Meiner Ansicht nach ist es sinnvoll, sich die bezahlte Option für die wenigen Kröten zuzulegen.

Micro Guard Mikrofon Blocker
Micro Guard Mikrofon Blocker
Anti-Spy App - Anti-Spyware
Anti-Spy App - Anti-Spyware

Gestapo war gestern. Heute lässt du dich per Smartphone überwachen.


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Mein Blog war niemals darauf ausgelegt Nachrichten zu verbreiten, geschweige denn politisch zu werden, doch mit dem aktuellen Zeitgeschehen kann ich einfach nicht anders, als Informationen, welche sonst auf allen anderen Kanälen zensiert werden, hier festzuhalten. Mir ist dabei bewusst, dass die Seite mit dem Design auf viele diesbezüglich nicht «seriös» wirkt, ich werde dies aber nicht ändern, um den «Mainstream» zu gefallen. Wer offen ist, für nicht staatskonforme Informationen, sieht den Inhalt und nicht die Verpackung. Ich habe die letzten 2 Jahre genügend versucht, Menschen mit Informationen zu versorgen, dabei jedoch schnell bemerkt, dass es niemals darauf ankommt, wie diese «verpackt» sind, sondern was das Gegenüber für eine Einstellung dazu pflegt. Ich will niemandem Honig ums Maul schmieren, um auf irgendwelche Weise Erwartungen zu erfüllen, daher werde ich dieses Design beibehalten, denn irgendwann werde ich diese politischen Statements hoffentlich auch wieder sein lassen können, denn es ist nicht mein Ziel, ewig so weiterzumachen ;) Ich überlasse es jedem selbst, wie er damit umgeht. Gerne dürfen die Inhalte aber auch einfach kopiert und weiterverbreitet werden, mein Blog stand schon immer unter der WTFPL-Lizenz.

Es fällt mir schwer zu beschreiben, was ich hier eigentlich tue, DravensTales wurde im Laufe der Jahre Kulturblog, Musikblog, Schockblog, Techblog, Horrorblog, Funblog, ein Blog über Netzfundstücke, über Internet-Skurrilitäten, Trashblog, Kunstblog, Durchlauferhitzer, Zeitgeist-Blog, Schrottblog und Wundertütenblog genannt. Was alles etwas stimmt… – und doch nicht. Der Schwerpunkt des Blogs ist zeitgenössische Kunst, im weitesten Sinne des Wortes.

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