Ana, Eli und Kiki haben die frugale Spar-WG erfunden – drei Frauen, die Verzicht für eine Persönlichkeit halten und Körperhygiene für ein kapitalistisches Herrschaftsinstrument. Seit die frivolen Früchtchen ihre Enthaltsamkeitskommune gegründet haben, hat sich Mutter Erde bereits um 0,00000000196 Grad abgekühlt (RKI-Schätzung) – und wenn die enthaltsamen Kuschelfrettchen so weitermachen, bricht demnächst die nächste Eiszeit aus. Man sollte also dankbar sein. Oder wenigstens die Fenster öffnen.

Die frugale WG: Drei Frauen, ein Handtuch und der Sieg der Selbstverwahrlosung

Was in dieser Bude abläuft, hat mit Sparen so viel zu tun wie ein Hungerstreik mit Ernährungsberatung. Das ist Verzicht als Lebensinhalt, Askese als Content und Selbstkasteiung als moralische Trophäensammlung. Und weil der Irrsinn so herrlich exemplarisch ist, sezieren wir ihn Stück für Stück.

Duschen nach Stundenplan
Herzstück der Kommune ist ein Hygiene-Stundenplan an der Badezimmertür: Alle drei Tage darf eine unter die Brause und führt darüber penibel Strichliste wie ein Häftling die Tage bis zur Entlassung. Wer freiwillig aussetzt, kassiert Bonuspunkte im hauseigenen Prämiensystem – Blockwart-Romantik mit Lavendelnote, nur dass der Blockwart hier die eigene Nase ist und längst kapituliert hat. Erwachsene Menschen verbuchen ihre Körperpflege wie Flugmeilen und prämieren einander fürs Stinken. Dazu existiert im ganzen Haushalt ein einziges Frottee-Exemplar für alle drei, denn frisch Gewaschene könnten ein Handtuch ja gar nicht verschmutzen. Ein Lappen, der von drei Körpern abwechselnd benutzt wird und feucht neben dem Lavabo gammelt, ist keine Sparmassnahme, sondern ein Biotop mit mehr Bewohnern als die WG selbst. Aber Hauptsache, das Klima merkt sich die Geste.

Eine Praline, drei Erleuchtete
Gekauft wird nur, was das nackte Überleben verlangt und kommt doch einmal Luxus ins Haus, wird er im Geiste der Gleichheit gedrittelt: Eine einzelne Praline, zerlegt mit der Präzision einer Organentnahme, gilt als Vormittagssnack für drei erwachsene Frauen. Nordkorea würde applaudieren, wenn Klatschen dort nicht rationiert wäre. Beim Geschirr dieselbe Erleuchtung: Pro Nase existiert genau ein Besteckset, das möglichst selten gewaschen wird. Und wenn doch, wartet der Kaltwasser-Trog, einmal pro Woche mit einem Spritzer Spülmittel angesetzt, in dem die Gabeln tagelang baden und bei Bedarf wieder herausgefischt werden. Eine Woche stehendes Kaltwasser mit Essensresten ist keine Spartechnik, sondern eine Bouillon, für die jedes Tropeninstitut Eintritt bezahlen würde. Die Gabel spart kein Wasser, sie betreibt Landwirtschaft.

Die frugale WG: Drei Frauen, ein Handtuch und der Sieg der Selbstverwahrlosung

Der grosse Strom-Coup
Richtig heroisch wird es beim Strom: Ein einziges Ladekabel für den ganzen Haushalt hängt in der Küche und Strom fliesst nur in fest verplanten Ladefenstern. Wer einen ganzen Tag auf das Laden verzichtet, kassiert selbstverständlich wieder Prämienpunkte. Jetzt die Zahl, die dieses Heldenepos in seiner ganzen Grösse zeigt: Das tägliche Aufladen eines Smartphones kostet laut Berechnungen der GASAG rund 1,24 bis 1,65 Euro – pro Jahr. Die drei bewachen also einen Jahresposten von etwa fünf Euro wie den Goldschatz von Fort Knox. Beim Warmwasser dieselbe Grossoffensive: Rund ein Sechstel der Energiekosten eines Haushalts geht dafür drauf, macht in der WG-Abrechnung ein paar Franken pro Kopf und Monat. Für den Gegenwert eines halben Cappuccinos opfert man Geruchssinn, Sozialleben und Würde – ein Wechselkurs, bei dem selbst die Weimarer Reichsbank rot geworden wäre.

Da geht noch was
Wer glaubt, damit sei die Fahnenstange erreicht, unterschätzt die Bewegung sträflich. Die nächste Eskalationsstufe drängt sich ja förmlich auf: Badewanne einmal im Monat und wer beim Handyladen extra gespart hat, darf als Erste ins Wasser – die anderen steigen der Reihe nach in die Brühe ihrer Vorgängerin. Das Wasser danach wegschütten? Verschwendung! Das lässt sich doch weiterverwenden, zum Kochen, zum Trinken, zum Klospülen. Dass Fachportale wie co2online selbst beim technisch aufbereiteten Grauwasser festhalten, es sei nicht einmal zum Trinken geeignet, ist Kleingeisterei von Menschen, die noch nie den Planeten gerettet haben. Und warum bei Wasser aufhören? Menstruationstassen lassen sich teilen, aus Schamhaaren lassen sich Perücken klöppeln und übrig gebliebenes Chili-Öl wird als selbst gemachtes Lippen-Volumenwunder ins Gesicht geschmiert – brennt wie die Hölle, sieht aus wie aufgespritzt, kostet nichts. Besucher schliesslich finden an der Garderobe ein Münzglas vor, denn wer atmet, heizt und aufs Klo geht, soll gefälligst zahlen. Gastfreundschaft mit Münzeinwurf – der Endsieg der Sparsamkeit über den letzten Rest Anstand.

Die frugale WG: Drei Frauen, ein Handtuch und der Sieg der Selbstverwahrlosung

Verzicht als Ersatzreligion
Ob dieses Format bitterernst gemeint ist oder als Köder für empörte Kommentarspalten produziert wurde, ist fast egal – erschütternd ist, dass es niemand mehr unterscheiden kann, weil real existierende Verzichtsprediger exakt dieselben Rituale zelebrieren. Und genau da sitzt der eigentliche Skandal: Einer ganzen Generation wurde eingetrichtert, ihr privater Konsum sei der Hebel der Weltrettung. Dabei ist der persönliche CO2-Fussabdruck eine PR-Erfindung des Ölkonzerns BP, ausgeheckt von einer Werbeagentur, damit der kleine Endverbraucher sich schuldig fühlt, während die Fossilindustrie ungestört weiterbohrt. Ganz Deutschland steht für rund 1,5 Prozent der globalen CO2-Emissionen – der Anteil einer Dreier-WG daran liegt irgendwo zwischen Rundungsfehler und Realsatire. Während China Kohlekraftwerke im Wochentakt ans Netz nimmt, werfen Ana, Eli und Kiki ihr feuchtes Gemeinschaftshandtuch in die Waagschale der Weltgeschichte. Das ist kein Klimaschutz, das ist ein religiöses Ritual, komplett mit Beichte (Duschprotokoll), Ablasshandel (Prämienpunkte) und Kollekte (Münzglas). Und wie bei jeder Religion kassiert am Ende jemand anderes: Wer dir erst das schlechte Gewissen verkauft, verkauft dir danach die Luft und das Wasser gleich mit, damit du dich beim Frieren und Stinken auch noch als Retter der Welt fühlen darfst.

Drei junge Frauen prämieren einander fürs Nicht-Duschen und nennen dies «Klimaschutz». Eine Gesellschaft, die ihrer Jugend beibringt, dass Selbstverwahrlosung Tugend ist, hat den eigenen Verstand längst kompostiert. Die Eiszeit kommt tatsächlich, nur nicht beim Wetter, sondern zwischen den Ohren. Und wenn die Spülbrühe aus dem Besteck-Trog eines Tages als eigene Zivilisation die Küche übernimmt, wird auch das noch als Erfolg der Bewegung gefeiert werden!

Die frugale WG: Drei Frauen, ein Handtuch und der Sieg der Selbstverwahrlosung
Die frugale WG: Drei Frauen, ein Handtuch und der Sieg der Selbstverwahrlosung

Transparenzhinweis: Illustrationen wurden digital erstellt und dienen der Veranschaulichung. Der Beitrag wurde redaktionell geprüft und verantwortet.

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