Viele Jahrzehnte lang liess sich der Westen erzählen, seine Demokratie sei ein Fels: Gewachsen, geprüft, unerschütterlich. Dann kam ein Virus und der Fels erwies sich als Pappkulisse. Kein Putsch, keine Panzer, kein brennender Reichstag – ein einziger Fernsehauftritt mit Sterbekurven genügte und aus mündigen Bürgern wurden über Nacht Blockwarte, Denunzianten und Aussätzige. Wer das für eine Übertreibung hält, hat die vergangenen Jahre in einem Bunker verbracht oder in einer Redaktion.
Diagnose vom Fachmann für kranke Gesellschaften
Dieser Tage hat der Psychotherapeut und langjährige Chefarzt Hans-Joachim Maaz im Gespräch mit Bastian Barucker den Befund nachgereicht, den die politische Klasse seit Jahren umschifft wie ein Riff: «Das Demokratiespiel löste sich praktisch über Nacht in eine gespaltene Gesellschaft auf.» In Herrschende und ihre Handlanger in Medien, Wissenschaft und Kultur einerseits , in die Masse der Unterworfenen und die Minderheit der Widerständigen andererseits. Eine von oben verordnete Demokratie, so Maaz, bleibe eben nur ein Spiel, solange sie nicht im Inneren der Menschen verankert sei – und Corona habe den bitteren Beweis geliefert, dass genau diese Verankerung fehle. Die Kritiker hätten im Wesentlichen recht gehabt und seien trotzdem als Feindbild gebraucht worden, an dem die Folgsamen ihr ungutes Gewissen hätten abreagieren können.
Das sitzt. Nicht weil es neu wäre, sondern weil es von einem Mann kommt, der Diktaturerfahrung aus erster Hand mitbringt und den Unterschied zwischen Fassade und Fundament beruflich sein Leben lang seziert hat. Über Nacht vom Nachbarn zum Volksschädling – wie man eine Gesellschaft an der Spritze führt, war hier schon vor Jahren nachzulesen, als die Qualitätspresse noch Sondersendungen über die Gefährlichkeit von Spaziergängern produzierte.
Die Akten, die niemand lesen sollte
Das Pikante: Die Spaltung beruhte nicht einmal auf behördlicher Überzeugung. Die Krisenstabsprotokolle des Robert-Koch-Instituts mussten vom Magazin Multipolar freigeklagt werden und kamen als Schwärzungsorgie daher – mehr als 200 Dokumente, in denen teilweise sogar die simple Anwesenheit des Gesundheitsministers unkenntlich gemacht wurde. Erst ein Leak im Juli 2024 brachte die ungeschwärzte Fassung ans Licht und vor Gericht musste das RKI später bestätigen, dass die geleakten Unterlagen unverändert und vollständig waren. Darin nachzulesen: Zweifel, Einwände und Bedenken der eigenen Fachleute zu Massnahmen, die draussen als alternativlos verkauft wurden. Die Behörde wusste es besser und das Land wurde trotzdem in Geimpfte und Aussätzige sortiert. Wer die Sortierung hinterfragte, bekam den Aluhut verpasst – von Leuten, die heute so tun, als hätten sie nie ein Spielplatz-Absperrband gesehen.
Aufarbeitung im Wartesaal
Und die grosse Abrechnung? Läuft. Also: Sie läuft so, wie Behördenaufarbeitung eben läuft, wenn die zu Prüfenden die Prüfer bestellen. Statt eines Untersuchungsausschusses mit Zeugenpflicht und Strafbewehrung gönnt sich der Bundestag seit Sommer 2025 eine Enquete-Kommission, deren Sitzungen regelmässig im Schlagabtausch enden – als im Dezember 2025 mit Christian Drosten der prominenteste Erzähler der Pandemie geladen war, kippte die Runde binnen drei Stunden in persönliche Schuldzuweisungen –, während die geladenen Rechtsgelehrten dem Parlament attestieren, seine Arbeitsfähigkeit sei jederzeit gegeben gewesen. Ein Gremium, das mehrheitlich mit jenen Fraktionen besetzt ist, die jede Massnahme durchgewinkt haben, prüft sich selbst und findet – Überraschung – vor allem Optimierungspotenzial für die nächste Pandemie. Das ist keine Aufarbeitung, das ist eine Generalprobe. Wer Gerechtigkeit erwartet, wartet auf einen Zug, dessen Gleis nie gebaut wurde.
Neues Stück, gleiche Bühne, gleiche Statisten
Denn während die Vergangenheit im Wartesaal versauert, probt die Gegenwart bereits die nächste Inszenierung. Das Vokabular hat gewechselt, die Choreografie nicht: Wieder eine existenzielle Bedrohung, wieder ein Denkverbot, wieder ein Feindbild für alle, die nicht mitklatschen. Deutschland stemmt für 2026 rund 108 Milliarden Euro Verteidigungsausgaben – Höchststand seit Ende des Kalten Krieges. Der Kernetat springt binnen eines Jahres von rund 62 auf knapp 83 Milliarden, dazu kommen gut 25 Milliarden aus dem kreditfinanzierten Sondervermögen. Rechnet man die Ukraine-Hilfen von gut 11 Milliarden hinzu, steht die Bundesrepublik bei fast 120 Milliarden für das Kriegshandwerk – in einem Land, das seine Brücken sperrt, weil sie einzustürzen drohen. Möglich macht es eine Grundgesetzänderung vom Frühjahr 2025, die Rüstungsausgaben kurzerhand von der Schuldenbremse befreit – dieselbe Schuldenbremse, die bei Schulen, Spitälern und Renten stets als Naturgesetz galt. Bezahlen wirst du das, lieber Leser, mit deinem Sozialstaat und deiner Kaufkraft. Und wer dagegen auf die Strasse will, merkt schnell: Der Friedensbewegte ist der neue Ungeimpfte. Gleiche Etiketten, gleiche Ausgrenzung, gleiches Schweigekartell der Leitmedien – wer den Krieg bestellt, schickt bekanntlich fremde Kinder.
Bilanz einer Kulissendemokratie
Genau hier schliesst sich der Kreis zu Maaz: Eine Gesellschaft, die ihre Spaltung nie verarbeitet hat, lässt sich beliebig neu spalten – man muss nur das Feindbild austauschen. Gestern der Ungeimpfte, heute der Russe, morgen der Klimasünder, das Drehbuch liegt fertig in der Schublade. Eine Demokratie, die sich über Nacht in Lager zerlegen lässt, war nie eine – sie war eine Theaterproduktion mit wechselndem Spielplan. Die Täter von damals sitzen heute in der Kommission, die ihre Taten prüfen soll und nennen dies «Aufarbeitung»! Die Lektion wurde gelernt, nur leider von der falschen Seite: Die Macht weiss jetzt, dass der Bürger alles mitmacht, wenn die Angst nur gross genug ist! Und wer beim nächsten Ausnahmezustand wieder brav sortiert, denunziert und ausgrenzt, wird sich hinterher wieder an nichts erinnern wollen – bis auch für ihn eines Tages niemand mehr übrig ist, der widerspricht!










«Dravens Tales from the Crypt» bezaubert seit über 15 Jahren mit einer geschmacklosen Mischung aus Humor, seriösem Journalismus – aus aktuellem Anlass und unausgewogener Berichterstattung der Presse Politik – und Zombies, garniert mit jeder Menge Kunst, Entertainment und Punkrock. Draven hat aus seinem Hobby eine beliebte Marke gemacht, welche sich nicht einordnen lässt.







