Es gibt Orte, an denen die Welt noch in Ordnung ist. Wo Dinkelbrötchen nach Frieden duften, Hanfsamen nach Toleranz und das Licht immer ein bisschen wärmer wirkt als anderswo. Der Bioladen war lange so ein Ort. Natürlich, nachhaltig, offen – für alle. Ausser natürlich für jene, die politisch falsch sortiert sind. Die bezahlen zwar denselben überteuerten Preis für dasselbe Quinoa, dürfen aber bitte draussen bleiben.
Bioland hat es inzwischen amtlich gemacht: Ein internes Papier schreibt vor, AfD-Mitglieder auszuschliessen – und zwar möglichst ohne Begründung. Man möchte schliesslich nicht, dass die angewandten Methoden publik werden. Datenschutz der Gesinnung, sozusagen. Wer beim Bioladen Mitglied werden will, muss also nicht nur biologisch korrekt leben, sondern auch politisch korrekt denken. Willkommen im Gesinnungs-TÜV, bitte Parteibuch vorlegen.
Al Natura, Biome, Weiling, Biocompanie, Denay – diese Unternehmen haben vor einigen Jahren bereits einem Hirseproduzenten das Sortiment gekündigt, weil der Chef in der AfD aktiv war. Nicht weil das Produkt schlecht war. Nicht weil irgendeine Hirse-Sauerei ans Licht gekommen wäre. Sondern weil der Mann die falsche Überzeugung hatte. Ein Unternehmen, bewusst wirtschaftlich geschädigt, weil sein Inhaber die falsche Partei gewählt hat. Das nennt man in anderen Kontexten Diskriminierung. Im Biohandel nennt man es Haltung.
Der Bioverband Naturland rundete das Programm damals noch ab, indem er sich demonstrativ von der sogenannten Querdenkerbewegung distanzierte und die Coronamassnahmen begrüsste. Sehr mutig, muss man sagen. Einen Verband, der Biobauern vertritt, zum gesundheitspolitischen Sprachrohr einer Bundesregierung zu machen – das erfordert eine Chuzpe, die man sonst nur bei NGOs und öffentlich-rechtlichen Redaktionen findet.
Das eigentlich Faszinierende an diesem Modell ist seine wirtschaftliche Eleganz: Man schliesst politisch Unerwünschte aus der Gemeinschaft aus – und kassiert trotzdem ihr Geld. AfD-Wähler kaufen Biojoghurt. Ihr Euro ist willkommen, ihre Meinung nicht. Das nennt man in der Betriebswirtschaft Kundensegmentierung. In der Ethik nennt man es etwas anderes, aber die spielt im Biosegment ohnehin nur eine dekorative Rolle, irgendwo zwischen Hanfseife und Fair-Trade-Aufklebern.
Zu rühmen ist an dieser Stelle der Biohersteller Rapunzel, dessen Chef sich öffentlich und konsequent gegen die Coronamassnahmen positioniert hat – und dafür massiv unter Druck gesetzt und wirtschaftlich geschädigt wurde. Das ist Rückgrat. Das ist das, wovon der Biohandel in seinem Selbstbild so gerne schwärmt, in der Praxis aber penibel vermeidet. Die Kernfrage, die das Milieu nicht beantwortet: Wie lange trägt dieses Modell noch? Milliardengeschäfte mit dem Geld von Menschen, die man gleichzeitig politisch ausgrenzt – das ist keine Haltung. Das ist Heuchelei im Hanfbeutel, ordentlich verpackt mit einem Demeter-Siegel. Guten Appetit.







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