Es gibt einen Bann, so alt wie die erste Krone: Herrschaft sei Natur. Kein Werk von Menschenhand, sondern Wesen der Welt. Kein Befehl, dem man widersprechen dürfte, sondern Gesetz, dem man sich beugt wie der Schwerkraft.

Herrschaft ist kein Naturgesetz: Wer hat dir gesagt, dass du gehorchen musst?

Doch ein Gesetz, das unablässig beschworen werden muss, ist keines. Die Schwerkraft benötigt keine Priester. Die Herrschaft schon. Wer sagt, die Rangordnung sei naturgegeben, spricht keine Tatsache aus, sondern eine Formel. Sie überlebt nicht, weil sie wahr ist, sondern weil sie nützt. Genau dort, in diesem feinen Riss zwischen Wahrheit und Nutzen, tritt die Anarchie ins Licht. Nicht als Lärm, nicht als Trümmer, sondern als die älteste Frage überhaupt: Wer hat dir gesagt, dass du gehorchen musst?

Die Natur kennt keinen Thron
Man ruft die Wölfe an, die Affen, die Ameisenstaaten und macht aus dem Tier einen Kronzeugen der Unterwerfung. Doch die Zeugen sagen etwas anderes aus, wenn man ihnen wirklich zuhört. Der Wolf war nie ein König. Das Rudel ist eine Familie, kein Hofstaat. Das Bild vom Alpha, das die Macht in den Stand der Natur hob, wurde von jenen widerrufen, die es einst prägten.

Herrschaft ist kein Naturgesetz: Wer hat dir gesagt, dass du gehorchen musst?

In den Wäldern, den Korallenbänken, den Pilzgeflechten unter unseren Füssen herrscht nicht der Stärkste. Dort wirkt etwas Tieferes: Gegenseitigkeit, Tausch, ein Zusammenspiel ohne Befehlskette. Kooperation ist kein frommer Wunsch gegen die Natur. Sie ist die Natur, älter und erfolgreicher als jede Klaue, die sich zum Zepter aufwirft. Wer dort einen Herrscher sucht, findet ihn nur, weil er ihn mitgebracht hat.

Und wo Hierarchien dennoch auftauchen, sind sie kein ehernes Gerüst, das die Biologie uns auferlegt. Sie sind Wetterlagen: Flüssig, an die Lage gebunden, ständig ausgehandelt und ebenso ständig unterwandert. Macht ist dort kein Besitz, sondern ein Verhältnis, zerbrechlich und vom Wohlwollen der anderen abhängig. Selbst unter den Tieren ist die Kette nie aus Eisen. Sie ist aus Gewohnheit. Und Gewohnheit zerreisst.

Das Netz statt der Kette
Hier liegt die Scheidelinie, die alles trägt. Die Nornen am Brunnen der Urd weben kein Senkrecht, keine Leiter vom Knecht zum Herrn. Sie weben ein Geflecht, in dem jeder Faden den anderen hält, ohne ihn zu beherrschen. So sieht freie Gemeinschaft aus. Menschen finden zueinander aus geteiltem Interesse, aus Beistand, aus gemeinsamem Sinn. Das ist nicht die Verneinung des Einzelnen, sondern sein Ausdruck. Solche Bünde bleiben durchlässig. Man tritt ein, man tritt aus, man dichtet sein Band neu, wann immer man will. Das sind keine Hierarchien. Das sind Netze, waagrecht gespannt, stark aus Zusammenwirken statt aus Kontrolle. Ein Knoten, der reisst, lässt das Geflecht weiterbestehen. Eine Kette, deren ein Glied bricht, ist keine Kette mehr.

Herrschaft ist kein Naturgesetz: Wer hat dir gesagt, dass du gehorchen musst?

Die Geschichte raunt das längst, nur hört kaum jemand hin. Viele Völker kannten die Herrschaft nicht bloss nicht, sie wehrten sie aktiv ab. Sie erfanden Sitten und Rituale, einzig um die Ballung von Macht zu verhindern, statt sie in Stein zu giessen. Die Rangordnung ist also kein Schicksal. Sie ist eine Möglichkeit unter vielen und sie hält sich durch Zwang, nie durch Zustimmung.

Der innere Kerkermeister
Hüte dich vor der falschen Heilung. Der Kollektivismus tritt auf wie ein Erlöser und unterwirft den Einzelnen doch nur einem abstrakten Ganzen: Dem Staat, der zentralen Hand, der selbsternannten Vorhut. Er ersetzt gelebte Beziehung durch auferlegte Pflicht. Der Stammesgeist in seiner kranken Form tut dasselbe: Er kettet den Menschen an starre Identitäten und an die Treue gegen das Aussen, züchtet Ausgrenzung und erstickt das eigene Urteil. Beide atmen denselben Geist wie die Hierarchie: Der Mensch müsse geordnet, gelenkt, gebändigt werden, sonst herrsche das Chaos.

Doch das ist die eigentliche Magie der Herrschaft, ihr stiller Hauptzauber. Sie sitzt nicht auf dem Thron. Sie sitzt in dir. Hierarchie, Kollektivismus und Stammeswahn benötigen alle dasselbe Fundament: Einen Menschen, der innerlich abhängig bleibt, damit er äusserlich regierbar ist. Der Kerkermeister trägt keinen Schlüssel am Gürtel. Er wohnt hinter deiner Stirn.

Herrschaft ist kein Naturgesetz: Wer hat dir gesagt, dass du gehorchen musst?

Die Verwandlung
Darum ist das wahre Werk kein Aufstand auf der Strasse, sondern eine Wandlung im Inneren. Eine Alchemie, die den Knecht im Menschen sterben lässt, damit der Freie geboren werde. Vom Hörigsein zur Selbstbestimmung, von der Fessel zur Freiheit, innen wie aussen. Der Tod ist hier kein Ende, er ist der Wegbereiter, der das Gehorsamstier in uns zu Grabe trägt. Die Alternative zur Herrschaft ist nicht die Einsamkeit, sondern der gewandelte Mensch, der sich frei verbinden kann, weil ihn niemand mehr zum Gehorsam abgerichtet hat.

Die Aufgabe leugnet weder Streit noch Verschiedenheit. Sie verwirft nur den uralten Aberglauben, Ordnung verlange Unterwerfung. Freie Menschen weben komplexe, lebendige, widerstandsfähige Bünde, ohne ihre Seele am Tor abzugeben. Was daraus erwächst, ist kein Chaos, sondern eine andere Ordnung, gegründet auf Zustimmung statt auf Zwang.

Die Kette war nie aus Eisen, sie war immer nur aus Glauben. Wer den Glauben ablegt, dem fällt sie von selbst aus den Händen. Sie nennen es Naturgesetz, dabei ist es bloss die Angst, die man dir in der Wiege vorgesprochen hat. Und sie nennen die Freiheit Chaos, weil sie eine Ordnung, die niemandem gehorcht, nicht ertragen können! Der einzige Thron, den du zertrümmern musst, steht hinter deiner eigenen Stirn!

Herrschaft ist kein Naturgesetz: Wer hat dir gesagt, dass du gehorchen musst?

Mehr für dich:

Unterstütze Dravens Tales from the Crypt

«Dravens Tales from the Crypt» bezaubert seit über 15 Jahren mit einer geschmacklosen Mischung aus Humor, seriösem Journalismus – aus aktuellem Anlass und unausgewogener Berichterstattung der Presse Politik – und Zombies, garniert mit jeder Menge Kunst, Entertainment und Punkrock. Draven hat aus seinem Hobby eine beliebte Marke gemacht, welche sich nicht einordnen lässt.

Mein Blog war niemals darauf ausgelegt Nachrichten zu verbreiten, geschweige denn politisch zu werden, doch mit dem aktuellen Zeitgeschehen kann ich einfach nicht anders, als Informationen, welche sonst auf allen anderen Kanälen zensiert werden, hier festzuhalten. Mir ist dabei bewusst, dass die Seite mit dem Design auf viele diesbezüglich nicht «seriös» wirkt, ich werde dies aber nicht ändern, um den «Mainstream» zu gefallen. Wer offen ist, für nicht staatskonforme Informationen, sieht den Inhalt und nicht die Verpackung. Ich habe die letzten 2 Jahre genügend versucht, Menschen mit Informationen zu versorgen, dabei jedoch schnell bemerkt, dass es niemals darauf ankommt, wie diese «verpackt» sind, sondern was das Gegenüber für eine Einstellung dazu pflegt. Ich will niemandem Honig ums Maul schmieren, um auf irgendwelche Weise Erwartungen zu erfüllen, daher werde ich dieses Design beibehalten, denn irgendwann werde ich diese politischen Statements hoffentlich auch wieder sein lassen können, denn es ist nicht mein Ziel, ewig so weiterzumachen ;) Ich überlasse es jedem selbst, wie er damit umgeht. Gerne dürfen die Inhalte aber auch einfach kopiert und weiterverbreitet werden, mein Blog stand schon immer unter der WTFPL-Lizenz.

Es fällt mir schwer zu beschreiben, was ich hier eigentlich tue, DravensTales wurde im Laufe der Jahre Kulturblog, Musikblog, Schockblog, Techblog, Horrorblog, Funblog, ein Blog über Netzfundstücke, über Internet-Skurrilitäten, Trashblog, Kunstblog, Durchlauferhitzer, Zeitgeist-Blog, Schrottblog und Wundertütenblog genannt. Was alles etwas stimmt… – und doch nicht. Der Schwerpunkt des Blogs ist zeitgenössische Kunst, im weitesten Sinne des Wortes.

Um den Betrieb der Seite zu gewährleisten könnt ihr gerne eine Spende per Kreditkarte, Paypal, Google Pay, Apple Pay oder Lastschriftverfahren/Bankkonto zukommen lassen. Vielen Dank an alle Leser und Unterstützer dieses Blogs!


Wir werden zensiert!

Unsere Inhalte werden inzwischen vollumfänglich zensiert. Die grössten Suchmaschinen wurden aufgefordert, unsere Artikel aus den Ergebnissen zu löschen. Bleib mit uns über Telegram in Verbindung, spende, um unsere Unabhängigkeit zu unterstützen oder abonniere unseren Newsletter.

Newsletter

Nein danke!