Bevor ihn die Luzerner Staatsanwaltschaft überhaupt einvernommen hat, liegt Granit Xhaka schon auf den Knien. Der Kapitän der Nati hat per Instagram gestanden, eine Impfbestätigung «erworben» zu haben, statt seine Fragen «auf dem vorgesehenen Weg zu klären» und das tue ihm leid. Damit hat er dem Ankläger die Arbeit abgenommen und einem Staat Abbitte geleistet, der ein Zertifikat als Nachweis der Nicht-Ansteckung verkaufte, nachdem seine eigene Chefbeamtin öffentlich erklärt hatte, Geimpfte könnten das Virus ähnlich weitergeben.

Xhaka kniet vor dem Staatsanwalt: Wer bereut, hat verloren

Der Lohn folgte auf dem Fusse: Der Fussballverband strich ihn aus dem Aufgebot. Wie diese Rechnung endet, hat die Schweiz mit Patrick Fischer bereits vorgeführt. Wer bereut, hat verloren – und an beiden Beichten kann abgelesen werden, wie weit dieses Land mit der Aufarbeitung der Pandemie gekommen ist: Nirgends.

Der Kniefall vor dem Verhör

Noch zwei Tage vor der Stellungnahme liess Xhakas Sprecher verlauten, es lägen Bestätigungen der behandelnden Ärztin für zwei Impftermine vor. Dann kippte die Geschichte und aus der Ärztin wurde eine «aufgewühlte Gefühlslage». Das Misstrauen gegenüber einem neuartigen Präparat erscheint plötzlich als Angstzustand, die bewusste Entscheidung eines erwachsenen Mannes als Gefühlsausbruch. Wer so formuliert, verteidigt sich nicht. Er liefert dem Ankläger das Geständnis frei Haus, samt Motiv und Reuebekenntnis.

Fischer hat dieselbe Nummer vorgeturnt und die Quittung erhalten. Per Strafbefehl von 2023 zu einer unbedingten Geldstrafe von 38’910 Franken verurteilt, nannte er sein Verhalten im April einen «Fehltritt». Der Dank für die Demut: Rauswurf einen Monat vor der Heim-WM, im September die Sperre des Weltverbands für vier Jahre. Jede Entschuldigung wurde als Schuldanerkenntnis verbucht, jede Zerknirschung als Beleg, dass die Strafe verdient sei.

Xhaka kniet vor dem Staatsanwalt: Wer bereut, hat verloren

Ein Zertifikat, das selbst gelogen hat

Die Staatsanwaltschaft prüft nun eine mögliche «Erschleichung einer falschen Beurkundung». Das Wort muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Am 3. August 2021 erklärte Virginie Masserey vom BAG, neue Daten deuteten darauf hin, dass Geimpfte die Delta-Variante ähnlich übertragen könnten wie Ungeimpfte. Am 27. Oktober, einen Monat vor der Abstimmung, verkündete Gesundheitsminister Alain Berset im Fernsehen, mit dem Zertifikat könne man zeigen, dass man nicht ansteckend sei. Den Schutz vor schweren Verläufen reklamieren die Impfkommissionen bis heute, nur war das Zertifikat nie ein Ausweis über Eigenschutz. Es war ein Eintrittsbillett auf Basis eines Fremdschutzes, den niemand belegt hatte. Wer hier falsch beurkundet hat, steht auf dem Briefkopf.

Dazu kommt der Inhalt der Fläschchen. Getestet wurde der Pfizer-Impfstoff fast ausschliesslich mit Chargen aus «Process 1», verspritzt wurde «Process 2» mit geänderter DNA-Vorlage und neu hergestellten Lipidnanopartikeln. Der im Studienprotokoll vorgesehene Vergleich an je rund 250 Probanden ist nie öffentlich berichtet worden. Eine Messreihe aus Ontario fand selbst mit der von den Behörden anerkannten qPCR in drei Proben Rest-DNA über dem Richtwert, die Arbeit ist umstritten und der Verlag prüft sie seit Herbst 2025. Swissmedic beteuert, die Grenzwerte würden eingehalten und räumt im selben Atemzug ein, keine eigenen Analysen durchgeführt zu haben. Gemessen hat der Hersteller, geglaubt hat die Behörde. Die Einzelheiten zur Fremd-DNA in den Präparaten liegen hier längst auf dem Tisch. Wer bei solchen offenen Fragen zögerte, war kein Neurotiker. Er war sorgfältiger als die Zulassungsbehörde.

Wer nicht bereut, behält den Kopf

Novak Djokovic hat 2022 gezeigt, wie Haltung aussieht: Ungeimpft, aus Australien ausgewiesen, Titelverteidigung verloren und kein Wort der Zerknirschung. Er zahlte den Preis einmal und blieb aufrecht, die Schweizer Büsser zahlen zweimal, erst mit Geld und dann mit dem Rückgrat.

Worüber Xhaka und Fischer schweigen: Sie standen einem Staat gegenüber, der Arbeit, Stadion und Grenzübertritt an ein Papier knüpfte, dessen Begründung er selbst nicht halten konnte. Wer unter diesem Druck eine Bescheinigung kauft, betrügt keinen ehrlichen Vertragspartner. Er wehrt sich gegen einen Übergriffigen. Täte ein Bürger dasselbe gegenüber einer Regierung ohne Gewaltenteilung, würde man ihn im Westen einen Dissidenten nennen und keinen Urkundenfälscher. Diese Verteidigung hätte in jede Stellungnahme gehört: Nicht «es tut mir leid», sondern «ich habe mich gegen eine unbegründete Nötigung gewehrt». Fischer bekam den Strafbefehl Jahre später ohne Anhörung an einen Journalisten weitergereicht und zieht diese Linie trotzdem nicht. Derweil skandieren die Kommentarspalten «Urkundenfälschung ist Urkundenfälschung», die helvetische Fassung von Dienst nach Vorschrift.

Xhaka kniet vor dem Staatsanwalt: Wer bereut, hat verloren

Andere zahlen zurück, die Schweiz treibt ein

Slowenien hat 2023 zehntausende Verfahren eingestellt, die Einträge gelöscht und die bezahlten Bussen zurückerstattet, die Justizministerin sprach offen von Unrecht durch Missbrauch des Strafrechts. Spaniens Verfassungsgericht erklärte die Ausgangssperre von 2020 für verfassungswidrig, rund eine Million Bussen verloren ihren Boden. Die Slowakei beschloss 2025 die Rückerstattung sämtlicher Pandemie-Bussen, Kritiker schimpfen es eine Belohnung für Regelbrecher.

Und die Schweiz? Bis Mai 2024 hatte der Bund bei rund 300 Gesuchen von Impfgeschädigten keinen einzigen Franken Entschädigung gesprochen, während die Pandemie-Instrumente ins Dauerrecht wandern. Die Justiz jagt Fussballer und Hockeytrainer, statt die Aussteller der Zertifikate zu befragen, nach demselben Muster wie die deutsche Hatz auf unbequeme Ärzte.

Die Kapitulation trägt die Captainbinde

Aufarbeitung beginnt nicht mit der Reue der Getriebenen, sondern mit der Rechenschaft der Treiber. Geimpfte, Ungeimpfte, Geschädigte und Gesunde hätten gemeinsam ein Unrecht zu beenden, das die Kulisse der Demokratie eingerissen hat. Solange die Opfer vor dem Staatsanwalt knien und die Aussteller schweigen, bleibt jedes Geständnis ein Beweisstück gegen den Falschen. Wer sich für seinen Widerstand entschuldigt, schreibt dem Unrecht das Arbeitszeugnis. Slowenien zahlt 1,7 Millionen Euro an seine Bürger zurück, Luzern kassiert 38’910 Franken von einem einzigen Trainer. Ein Land, das seine Abweichler zur Beichte zwingt und seine Behörden nie verhört, hat die Pandemie nicht überstanden. Es hat sie verstaatlicht!

Xhaka kniet vor dem Staatsanwalt: Wer bereut, hat verloren

Transparenzhinweis: Illustrationen wurden digital erstellt und dienen der Veranschaulichung. Der Beitrag wurde redaktionell geprüft und verantwortet.

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