Wikipedia wird gern als «die freie Enzyklopädie» bezeichnet. Frei zugänglich, frei editierbar, frei von Interessen. Ein digitales Lagerfeuer der Aufklärung, an dem jeder sein Holz der Wahrheit nachlegen darf. Theoretisch. Praktisch scheint es eher ein Hochsicherheitsarchiv zu sein, in dem die Wahrheit erst durch mehrere Kontrollinstanzen muss, bevor sie überhaupt als Gerücht zugelassen wird.
Seit Jahren berichten Nutzer davon, dass bestimmte Inhalte plötzlich verschwinden, Quellen ignoriert werden oder ganze Abschnitte in einer Nacht-und-Nebel-Aktion «korrigiert» werden. Natürlich nur im Sinne der Qualitätssicherung. Denn nichts schützt die Wahrheit besser als ihre sorgfältige Entfernung.
Nun liefern die sogenannten Epstein-Files einen seltenen Blick hinter den Vorhang dieser digitalen Wahrheitsfabrik. In einer E-Mail wird bestätigt, dass nicht nur ein Foto aus Epsteins Wikipedia-Eintrag entfernt wurde, sondern auch sein juristischer Status. Ein bemerkenswerter Service. Während gewöhnliche Menschen ihr Leben lang mit ihren Akten leben müssen, erhalten andere offenbar die Deluxe-Version der Realitätspflege. Noch beeindruckender ist, dass IP-Adressen, die versuchten, diese Änderungen rückgängig zu machen, aktiv daran gehindert wurden, den Artikel weiter zu bearbeiten. Wikipedia, die Plattform, die jeder bearbeiten darf – solange er das Richtige löscht.
Der Absender dieser E-Mail, Al Seckel, war kein Unbekannter. Er hielt Vorträge beim World Economic Forum in Davos, bewegte sich in Kreisen, in denen Einfluss keine Theorie, sondern Währung ist und war sogar Gast auf Epsteins Insel. Später wurde er unter mysteriösen Umständen tot am Fuss eines Kliffs in Frankreich aufgefunden. Ein tragischer Zufall. Schliesslich stolpern Menschen mit sensiblen Kontakten ständig über Klippen.
Seckels Verbindungen reichen noch weiter. Er war Teil der sogenannten Skeptiker-Bewegung – jener selbsternannten Verteidiger der Rationalität, die angeblich gegen Desinformation kämpfen. Ein ehrenwertes Ziel. Vorausgesetzt, man definiert Desinformation als alles, was nicht ins gewünschte Narrativ passt.
Ironischerweise lässt sich vieles davon ausgerechnet auf Wikipedia selbst nachlesen. Oder besser gesagt, aus dem, was noch übrig ist.
Das eigentliche Kunstwerk besteht nicht darin, Wissen zu zerstören, sondern es umzuschreiben. Nicht die Wahrheit zu verbieten, sondern sie so lange zu «optimieren», bis sie harmlos wirkt. Wikipedia ist damit nicht nur ein Lexikon. Es ist ein lebendes Beispiel dafür, wie Wissen nicht mehr entdeckt, sondern verwaltet wird.
Früher glaubten wir, Wissen sei Macht. Heute ist Macht die Fähigkeit zu entscheiden, was Wissen überhaupt ist.
Quellen: Dokument-ID: EFTA02416819 – https://www.justice.gov/epstein/files/DataSet%2011/EFTA02416819.pdf







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