Wer glaubt, Lebensmittelkontrolle sei ein Problem, das irgendwo in dystopischen Romanen oder kommunistischen Geschichtsbüchern verbleibt, darf jetzt aufwachen: Frankreich schickt Wärmebilddrohnen über Bauernhöfe, Russland schlachtet gesundes Vieh auf Verdacht, die USA erfassen jede Kuh mit einem Digitalchip – und das alles natürlich für unsere Sicherheit. Es gibt wohl kein beruhigenderes Bild als eine lückenlos überwachte Rinderherde.
In Frankreich ist es bereits bittere Realität. Wärmebilddrohnen kreisen über Weiden und fahnden nach nicht registrierten Tieren. Wer gefunden wird, bekommt Besuch: Bewaffnete Polizisten, flankiert von staatlichen Impftrupps, die gesunde Kühe zwangsimpfen – gegen den frenetischen Widerstand der Bäuerin, die verzweifelt erklärt, ihre Tiere seien kerngesund, das hier sei Wahnsinn. Interessiert niemanden. Das ist keine Ausnahme. Genug Bauern waren betroffen, dass sich landesweite Proteste formierten, woraufhin Polizeikräfte mit Tränengas anrückten. Willkommen in der liberalen Demokratie des 21. Jahrhunderts.
Von Paris bis Palantir
In Russland liefen staatliche Einsatztrupps durch das Land und schlachteten gesundes Vieh – Seuchenverdacht genügte als Rechtfertigung, einen Beweis brauchte es nicht. Erst als die Proteste Medienaufmerksamkeit erzeugten, musste der Leiter des Landwirtschaftsministeriums seinen Stuhl räumen. Ob die Schlachtungen danach aufhörten, ist offen. Was feststeht: Sie haben stattgefunden.
In den USA läuft dasselbe Programm, nur im Nadelstreifenanzug. Der Animal Disease Traceability Act schreibt digitale Kennzeichnungen für Nutztiere vor – 3$ pro Tier, verpflichtend, keine Diskussion. Viehzüchter protestieren. Ändert nichts. Der USDA hat seine Drohnenüberwachung parallel ausgebaut und nennt das Effizienz. Die gesammelten Daten gehen direkt zu Palantir – ein $300-Millionen-Vertrag, bereits unterzeichnet. In der EU mündet die digitale Tierkennzeichnung in den Digital Product Passport, der lückenlose Rückverfolgung jedes Nahrungsmittels entlang der gesamten Lieferkette gewährleisten soll. Vollständige Kenntnis über Herkunft, Bewegung und Konsum – das Traumbild jedes Technokraten, verpackt als Verbraucherschutz.
Das Narrativ dahinter heisst: Vogelgrippe. Robert Redfield, ehemaliger CDC-Direktor, erklärte mitten in der Corona-Hysterie öffentlich, Covid sei nur eine Generalprobe – die eigentliche Pandemie werde die Vogelgrippe sein. Australien führte kürzlich die Übung «Exercise Convergence» durch, in der Behörden ein Szenario aus Energiekrise, Treibstoffmangel und einem auf Menschen übergehenden Vogelgrippe-Ausbruch simulierten. Tabletop-Übungen dieser Art haben eine irritierende Neigung, kurz danach Wirklichkeit zu werden.
Ein Drehbuch, das man kennt
Das Muster ist historisch sattsam bekannt. In der Sowjetunion wurden zwischen 1929 und 1933 rund 18 Millionen Pferde getötet. Rinderbestände halbierten sich von 68 auf 38 Millionen. Beinahe 100 Millionen Schafe und Ziegen verschwanden. Zuerst kam die Registrierung – für statistische Zwecke natürlich, der Mann da oben muss schliesslich wissen, was vorhanden ist. Dann kam der Staat selbst. Das Ergebnis war der Holodomor – eine staatlich erzeugte Hungersnot von historischem Ausmass, die Millionen das Leben kostete. In China verlief die grosse Hungersnot nach demselben Schema. Und in den USA kaufte die Roosevelt-Regierung mitten in der Depression Bauern dafür, Millionen Schweine zu töten und Baumwollernten in den Boden zu pflügen – während Teile der Bevölkerung hungerten. Der Farmer Philburn aus Ohio wurde vom Obersten Gericht verurteilt, weil er auf eigenem Land zu viel Weizen für eigenen Gebrauch angebaut hatte. Der Agricultural Adjustment Act von 1938 sah das nicht vor. Schöner Freiheitsstaat.
Und PG&E in Kalifornien flog nach den Waldbränden mit einem Helikopter mit bodendurchdringender LIDAR-Technologie und kartierte dabei systematisch jedes Grundstück im Staat. Offizielle Begründung: Brandschutz, Vegetationskontrolle rund um Stromleitungen. Die Daten gingen umgehend an Behörden – zur Aufspürung illegaler Cannabis-Anbauflächen. Weshalb diese Logik beim Gemüsebeet haltmachen sollte, hat bisher niemand überzeugend erklärt. Wasserzähler, Stromverbrauch, Satellitenbild – sie wissen bereits, ob du bewässerst.
Die Antwort ist so simpel wie unbequem
Wer das alles zusammenfügt, kommt zu einer einfachen Konsequenz: Selbst anbauen. Gorilla-Gardening – Samen auf ungenutztem Land ausstreuen, auf fremdem Boden anbauen, ernten, kein Formular, kein Kataster, keine Registrierung. Vertikale Beete, getarnt und unauffällig platziert. Aquaponik-Systeme, die Schwarze Soldatenfliegen als Fischfutter nutzen, geschlossene Nahrungskreisläufe bilden und von aussen nach gar nichts Verdächtigem aussehen. Mehlwürmer als Geflügelfutter – günstig, selbst produziert, ausserhalb jeder rückverfolgbaren Lieferkette. Und die eigene Ernährung schrittweise an das anpassen, was vor Ort, unauffällig und ohne staatliche Kenntnisnahme wächst. Das ist kein romantischer Selbstversorgungstraum. Das ist Vernunft gewordener Selbstschutz.
Registrierung war in der Geschichte noch immer der erste Schritt zur Beschlagnahmung – und wer glaubt, dieses Mal sei das anders, sollte sich fragen, warum ausgerechnet jetzt Wärmebilddrohnen über Bauernhöfe kreisen.
Die Zentralisierung der Lebensmittelversorgung folgt einem Drehbuch, das bereits mehrfach aufgeführt wurde – immer mit demselben Ende. Wer das erkennt, fängt an zu graben. Buchstäblich.








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