Stell dir vor, du sollst beweisen, dass dein eigenes Produkt sicher ist – und du darfst die Prüfung gleich selbst durchführen, benoten und das Ergebnis interpretieren. Willkommen in der Welt der Arzneimittelzulassung, wo der Bock nicht nur den Garten hütet, sondern auch noch das Gutachten über seine eigene Gärtnertätigkeit schreibt.
Es kursieren dieser Tage zwei Geschichten durchs Netz, die das mRNA-Lager in Schnappatmung versetzen. Die eine: Spike-Protein verblödet Mäusehirne. Die andere: Geimpfte Ratten verloren häufiger ihren Nachwuchs. Beide klingen nach dem grossen Skandal. Beide verdienen genau das, was Wissenschaft sein sollte – einen kühlen, gnadenlosen Blick, der weder den Pharma-Konzern noch den selbsternannten Aufklärer schont.
Die Mäuse, die angeblich dumm wurden
Die Studie ist real und sie ist seriös. Eine brasilianische Gruppe um José Clarke veröffentlichte 2026 in Brain, Behavior, and Immunity, dass neugeborenen Mäusen verabreichtes Spike-Protein zu Astrogliose, Synapsenverlust und langfristigen kognitiven Defiziten führt – auffälligerweise vorwiegend bei den männlichen Tieren. Das ist kein Telegram-Geraune, das ist Peer-Review. Aufbereitet hat den Befund der Substack DrBines verbales Vitriol.
Nur sagen die Autoren selbst, was die aufgeregten Wiederverwerter geflissentlich überlesen: Es ging um virales Spike, subkutan in Neugeborene gespritzt, in einer Bolus-Dosis und Tierversuchsdaten seien nur sehr bedingt auf den Menschen übertragbar. Mäuse sind hart im Nehmen und das Hirn gleicht Defekte aus. Der Sprung von «Spike ist im Labor neurotoxisch» zu «die Impfung verspiket das Fötenhirn» ist ein Sprung, den die Studie nicht macht – ihn macht erst der, der die Schlagzeile benötigt.
Der Punkt, der trotzdem hängenbleibt
Und doch lässt sich die unbequeme Frage nicht ganz wegmoderieren. Wer sich impfen lässt, wird per mRNA zur kleinen, körpereigenen Spike-Fabrik – membrangebunden, lokal, transient, gewiss. Aber die entscheidende toxikologische Hausaufgabe, nämlich nachzumessen, wie viel Spike wo, wie lange und in welchem Gewebe landet, hat nie jemand gründlich verifiziert. Genau das ist der Bruch: nicht der Beweis eines Schadens, sondern das ohrenbetäubende Fehlen einer Antwort, bevor man Milliarden Menschen behandelte – und ehe man die mRNA-Impfung gleich in den regulären Impfplan für Säuglinge schob.
Der Toxikologe, der nein sagte
Hier kommt Helmut Sterz ins Spiel, 35 Jahre Toxikologe, zuletzt Leiter der Pfizer-Toxikologie in Frankreich und England. Im NIUS-Interview zählt er auf, was bei der präklinischen Prüfung von BNT162b2 fehlte, und die Liste ist beachtlich: Von rund zehn üblichen Untersuchungsdisziplinen wurden im Wesentlichen zwei durchgeführt. Keine längeren Toxizitätsstudien, keine ADME-Untersuchung zur Verteilung im Körper, keine Mutagenitätsprüfung, keine zweite Tierart – obwohl genau die seit der Contergan-Katastrophe vorgeschrieben ist. Dafür «Project Lightspeed», so der eigene Buchtitel der BioNTech-Verantwortlichen. Tempo schlug Sorgfalt und das stand sogar auf dem Buchdeckel. Wer mochte, konnte das alles schon beim Faktencheck zum Pfizer-Impfstoff nachlesen.
Sterz‘ Kronzeugen-Befund: In der reproduktionstoxikologischen Rattenstudie zeigten geimpfte Tiere mehr frühe Aborte als die Kontrollgruppe. Der Hersteller wischte das mit dem Hinweis weg, ähnliche Schwankungen kämen auch in historischen Kontrolldaten vor. Sterz hält dagegen, dass man Kontrollgruppen genau deshalb mitführt, um Unterschiede sichtbar zu machen, statt sie wegzudefinieren.
Wo Sterz‘ Beton zu bröckeln beginnt
Nur stützt Sterz seinen «eindeutigen» Schwangerschafts-Zusammenhang anschliessend auf VAERS, ein ungefiltertes Selbstmelderegister, das per Konstruktion keine Kausalität belegt, sondern nur Meldungen sammelt. Und auf den europäischen Geburtenrückgang, den der Schweizer Professor Konstantin Beck mit der Impfkampagne verknüpfte – eine ökologische Korrelation, die andere Forscher als Artefakt verbuchen. Die zugehörige Rattenstudie zu autismusähnlichem Verhalten geimpfter Nager? 2025 zurückgezogen, weil der Editor-in-Chief nach Widersprüchen zwischen gemeldeter Tierzahl und Rohdaten kein Vertrauen mehr in die Daten hatte – und die Autoren auf Korrespondenz schlicht nicht reagierten. Ein Detail am Rande: Die Ratten erhielten die volle Menschendosis, für einen Nager rund das Dreihundertfache.
Die andere Seite der Waage
Denn dem stehen Daten gegenüber, die man nicht wegironisieren kann. Eine Metaanalyse in Human Reproduction fand kein erhöhtes Fehlgeburtsrisiko nach Impfung. Eine Auswertung von über 100’000 Schwangerschaften aus dem Vaccine Safety Datalink sah keinen Zusammenhang zwischen Booster und Abort. Eine systematische Übersicht verbuchte sogar einen Rückgang der Totgeburten. Das ist die Datenmasse, gegen die jede Mäuse-Extrapolation antreten muss.
Bloss: Wer prüft hier eigentlich wen? Pfizer reichte seine eigenen Rattendaten ein und benotete die Auffälligkeiten gleich selbst als irrelevant. Und der Vaccine Safety Datalink, jener Goldstandard der Entwarnung, wird von der CDC betrieben – also von genau der Behörde, deren Impfempfehlung die Daten absichern sollen. Die National Academies mahnten 2025 ausdrücklich, man müsse die Unabhängigkeit dieses Sicherheitsbüros von der CDC-eigenen Impfwerbung erst noch absichern. Auf der einen Seite der Konzern als sein eigener Richter, auf der anderen die Behörde als ihr eigener Gutachter. Zwei Interessenkonflikte, die einander die Unschuld bescheinigen – ganz im Geist des grossen mRNA-Zaubertricks, bei dem man der Wissenschaft vertrauen, aber bitte nicht hinter den Vorhang schauen soll.
Bleibt eine letzte, zynische Frage. Wenn Spike das werdende Hirn nachweislich anrührt und niemand je sauber nachgemessen hat – schaut man sich die kollektive Denkfaulheit dieser Tage an, möchte man boshaft fast einen Kausalzusammenhang ausrufen. Kann man nicht. Darf man nicht. Aber wer derart aggressiv jede Frage abwürgt, hat meist etwas zu verstecken, das grösser ist als die Frage selbst.
Die Mäuse sind kein Beweis, sie sind eine Mahnung, die man in den Schredder warf. Die Register sind kein Freispruch, sie sind ein Gefälligkeitsgutachten mit Behördenstempel. Der einzige handfeste Skandal ist, dass beide Lager ihre eigene Prüfung selbst benoten durften und einander die Absolution erteilten, während die Rechnung jemand anderes bezahlt. Und mittendrin steht der Bürger, der bloss wissen wollte, was in der Spritze war – und dem man stattdessen erklärt, das Fragen sei jetzt auch zulassungspflichtig!









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