Im November 1978 sterben in Guyana mehr als 900 Sektenmitglieder beim Massenselbstmord des «Peoples Temple». Der paranoide Prediger Jim Jones gibt am Ende den tödlichen Befehl. Aber wieso sind ihm so viele gehorsam? Es ist ein Ereignis, das weltweit Entsetzen auslöst. Auch nach 40 Jahren kann man nur fragend zurückblicken, weil es nach menschlichen Maßstäben fast nicht begreifbar ist: Warum machen Hunderte Menschen das, was ein paranoider, kranker Mann sagt? Wie sind Eltern in der Lage, ihren Kindern so etwas anzutun?

Vor allem durch seine charismatischen Predigten zieht Jones Tausende Menschen an. Und schon damals zeigt sich, wie er es schafft, seine Anhänger an sich zu binden: Er lässt jeden Einzelnen glauben, er sei wichtig für ihn und unersetzbar, wenn es darum geht, das grosse Ziel einer gerechten, sozialistischen Welt zu erreichen. Jones verschafft sich aber auch durch Lügen und Manipulationen das Vertrauen seiner Anhänger: So stellt er sich als Wunderheiler dar, wenn er in Gottesdiensten Menschen von ihren Krankheiten befreit. Wie sich später herausstellt, sind viele dieser angeblichen Heilungen inszeniert.

Abgeschottet von der Aussenwelt, ohne Perspektiven auf ein Leben ausserhalb der Kommune, ist «Peoples Temple» alles, was den Mitgliedern Halt im Leben geben kann. Jim Jones nutzt das aus: Er verstärkt die Abhängigkeit seiner Mitglieder durch psychologische Tricks. So müssen sie ihm regelmässig intime Details beichten – ein Wissen, das Jones gegen seine Anhänger in der Hand hat. Bewohner der Kolonie sind angehalten, sich gegenseitig zu beobachten und Verstösse gegen die strengen Regeln in Jonestown zu melden. Informationen dringen nur über Jim Jones in die Kommune oder aus ihr heraus. Der paranoide und zu dieser Zeit bereits aufgrund seines Drogenkonsums schwer kranke Prediger – er putscht sich mit Amphetaminen auf – hat die totale Kontrolle über alles, was in der Kommune passiert.

Mit der Zeit wird die Gemeinschaft vielen Aussenstehenden immer suspekter. «Peoples Temple» kapselt sich immer mehr von der Aussenwelt ab. Und Jim Jones wendet sich innerlich immer mehr vom Christentum ab. Das kann man an seinen Predigten sehen, wenn er dort Sätze sagt wie: «Sozialismus ist unser Gott!» Zudem etabliert er in der Gemeinschaft eine «Wir gegen die»-Mentalität, in der alles ausserhalb der Gruppe böse ist.
Immer häufiger kommen auch kritische Berichte über die Gemeinde in die Schlagzeilen der Medien. Ehemalige Mitglieder berichten davon, dass sie dazu gezwungen worden seien, ihren Besitz aufzugeben, teilweise sogar das Sorgerecht an ihren Kindern.

In Jonestown schliesslich, im Dschungel von Guyana, entwickelt sich daraus eine Abhängigkeit, bei der den Anhängern jegliche Perspektive auf ein Leben ausserhalb der Kommune genommen wird. Die Angst vor dem, was angeblich ausserhalb der Zäune wartet, ist gross. «Sie werden eure Kinder quälen» – auch das ist ein Satz, den Jim Jones in der Nacht vom 18. November seinen Anhängern zuruft. Nur vier Menschen, die während der Aktion dabei sind, überleben das Massaker. Drei Männer entscheiden sich bewusst, das Gift nicht zu trinken. Eine Frau schläft, während die anderen die Becher leeren.

Bei all diesen Erklärungsversuchen bleibt dennoch ein fahler Beigeschmack, denn letztlich begreifbar wird das, was passiert ist, aus einer Beobachterperspektive nicht. Und dabei sind noch ganz andere Fragen unbeantwortet, und sie werden es immer bleiben: Wie freiwillig haben die Menschen in Jonestown gehandelt? Kann man bei einer solchen psychischen Abhängigkeit und Gruppendynamik überhaupt von Freiwilligkeit reden?

Peoples Temple


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