Es gibt Kriege, die aus Versehen beginnen. Und dann gibt es den aktuellen Angriff auf den Iran – präzise geplant, völkerrechtswidrig durchgeführt, medienwirksam verkauft. Kein Versehen. Kein Irrtum. Ein Programm. Willkommen im nächsten Kapitel eines Drehbuchs, das seit 1953 geschrieben wird.
Operation Ajax: Der Urknall des Chaos
Wer den Iran verstehen will, fängt 1953 an. Der demokratisch gewählte Premierminister Mossadegh wollte das Öl seines Landes verstaatlichen. Eine absolut legitime Idee – ausser für CIA und MI6, die daraufhin Operation Ajax starteten, ihn stürzten und einen gefälligen Monarchen installierten. Shah Pahlavi. Handverlesen. Westlich trainiert. Austauschbar.
Jahrzehnte später erlaubte sich besagter Shah die Dreistigkeit, den israelischen Einfluss auf die amerikanische Politik öffentlich zu hinterfragen – bei CBS, 60 Minutes. Kurz darauf war er Geschichte. Khomeini kam aus dem Exil. Die Islamische Republik wurde ausgerufen. Und der Westen rieb sich die Hände: perfekte Dämonisierungsvorlage für die nächsten 45 Jahre.
Dritte konstruierte Revolution in Sichtweite. Gleiches Muster. Neue Gesichter. Selbe Hände.
Epstein taucht auf – natürlich
Und hier wird es wirklich interessant. Wer glaubte, Jeffrey Epstein sei lediglich ein perverser Milliardär mit schlechtem Geschmack in Freunden gewesen, darf sich jetzt setzen. Ein aufgetauchter New York-Times-Artikel belegt: Epstein traf Netanyahu bereits 1989. Anwesend waren der damalige Kronprinz Saudi-Arabiens und Shimon Perez. Netanyahu, der Epsteins Verbindungen stets abstritt – solange sie ihn belasteten – nutzte gleichzeitig öffentlich Epsteins Nähe zu seinem politischen Gegner Ehud Barak als Munition. Bequem, dieser selektive Gedächtnisschwund.
2011 brachte Epstein JP-Morgan-Executives mit Netanyahu zusammen. 2016 installierte die israelische Regierung Überwachungssysteme rund um Epsteins Manhattan-Apartment – offiziell zum Schutz von Ehud Barak, der dort regelmässig ein- und ausging. Netanyahu war zu dieser Zeit Premierminister. Alles dokumentiert. Nichts aufgearbeitet.
Und dann der Hammer: Epstein hatte bereits in den 1980ern seine Finger in Iran-Geschäften. Er soll Deals mit der CIA über Flugzeuge abgeschlossen haben – angeblich für Leslie Wexners Victoria Secret genutzt, tatsächlich für Drogenschmuggel im Rahmen der Iran-Contra-Affäre. Waffen in den Iran, Gelder zu den Contras in Nicaragua, Drogen zurück in die USA. Das Ergebnis: Die Crack-Epidemie der 80er, die eine ganze Generation afroamerikanischer Jugendlicher vernichtete. Nebenschaden. Kollateral. Wie immer.
Das Muster der ewigen Befreiung
Jetzt stehen wir vor demselben Film in der dritten Neuauflage. Sanktionen haben den iranischen Rial zur wertlosesten Währung des Planeten gemacht. Die Bevölkerung protestiert – berechtigt, verzweifelt, am Ende. Und in dieses Vakuum stossen nun dieselben Akteure, die das Vakuum erst geschaffen haben, als selbsternannte Befreier.
Bombardierte Mädchenschulen. 85 tote Kinder. Hamenei liquidiert. Tel Aviv von Überschallraketen getroffen, Hormuzstrasse gesperrt, Grossbritannien offiziell im Krieg. Und irgendwo zwischen all dem Blut und Rauch feiern Menschen die Befreiung ihres Landes – durch dieselben Leute, die es seit sieben Jahrzehnten systematisch destabilisiert haben.
Das nennt sich Stockholmsyndrom. Klinisch. Präzise. Erschreckend verbreitet.
Wesley Clark hatte einen Plan – und er funktioniert noch
US-General Wesley Clark, ehemaliger NATO-Kommandeur, berichtete öffentlich von einem Plan des amerikanischen Imperiums: Sieben Länder in fünf Jahren stürzen. Irak, Syrien, Libanon, Libyen, Somalia, Sudan – und der Iran. Sechs von sieben erledigt. Der Iran als letztes verbliebenes Ziel. Jahrzehnte später, mehrere Kriege, Millionen Tote, und das Finale steht bevor.
Interessant dabei: Die USA verfügen heute nur noch über 10 Prozent der Luftwaffenkapazität von 1991. 30 Prozent von 2003. Die Maschine ist abgenutzt, das Budget überdehnt, die Bevölkerung kriegsmüde – laut Umfragen zu 80 Prozent gegen einen Iran-Krieg. Kein Problem. Lusitania. Pearl Harbor. Und jetzt vielleicht die USS Gerald Ford, die sich mysteriöserweise der iranischen Küste nähert, während Gerüchte über Meuterei und Signalverlust kursieren.
Geschichte wiederholt sich nicht. Sie stottert – mit demselben Akzent, denselben Profiteuren, denselben Leichen.
Die Kabale ohne Maske
Epstein diente den Bankern – seine eigenen Worte. Epstein verband Geheimdienste, Waffenhändler, Pharmamilliardäre, Politiker und Könige. Epstein ist tot – angeblich. Sein Netzwerk lebt. Und dieses Netzwerk entscheidet gerade, was mit dem Iran passiert.
Wer das immer noch für Zufall hält, glaubt vermutlich auch, dass Gebäude 7 durch ein Bürofeuer kollabierte.
Der Iran wurde nie autonom gelassen. Nicht unter Mossadegh. Nicht unter dem Shah. Nicht unter Khomeini. Und er wird es auch diesmal nicht sein – egal welche Flagge am Ende über Teheran weht.
Das einzige, was sich ändert, ist der Name des Befreiers.






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