Die Universität Basel holt am 5. November jenen Mann in ihre Aula, dessen Labor den PCR-Test lieferte, auf dem die gesamte Pandemie-Arithmetik ruhte – und lässt ihn über «postfaktische Argumentation» dozieren. Christian Drosten, der «Star-Wirrologe», erklärt den Zweiflern ihre Denkfehler und auf dem Podium sitzt Tanja Stadler, einst oberste Prognostikerin der Schweizer Taskforce. Aufarbeitung? Gestrichen. Dass Drostens Charité im März 2020 Geld der Gates-Stiftung für Corona-Diagnostik zugesagt bekam, steht in keinem Programm. Statt eines Tribunals gibt es eine Kanzel, statt Fragen eine Predigt.
Der Titel des Abends lautet «Empörung über das Ungefähre», eingeladen hat das Forum Basiliense. Die Selbstironie liefert die Hochschule gratis.
Der Erfinder des Tests doziert über das Ungefähre
Die Einladung rühmt, Drostens Team habe im Januar 2020 den ersten RT-PCR-Test für SARS-CoV-2 entwickelt, von der WHO empfohlen und weltweit eingesetzt. Stolz zählt sie auf, dass er Bundes- und Landesregierungen beriet und in der Beratungskommission der EU-Kommissionspräsidentin sass. Der Mann, der die Regierungen beriet, richtet jetzt über die Kritik an ihnen. Was die Einladung verschweigt: Ein halbes Jahr später musste das Fachblatt Eurosurveillance einen möglichen Interessenkonflikt nachtragen. Mitautor Olfert Landt ist Chef von Tib-Molbiol, einer Firma, die Testreagenzien verkauft. In der Erstfassung war kein Konflikt deklariert. Drosten und Landt sahen darin keinen, die Redaktion ergänzte den Hinweis ohne Urteil. Wie praktisch, wenn der Schiedsrichter gleich selbst festlegt, dass es kein Foul war.
Belohnt wird solches ohnehin: Die Universität Tübingen kürte Drostens Klage über den schwindenden Respekt vor Fakten zur «Rede des Jahres 2025». Wer seit Jahren faktenfrei die eigenen Aussagen umbiegt, bekommt dafür Preise und Podien.
Die Monsterwelle, die nie kam
Stadler präsidierte die wissenschaftliche Taskforce, als diese Ende Dezember 2021 rund 20’000 Ansteckungen pro Tag und volle Intensivstationen ankündigte. Dazu kam das Schreckensbild einer «Monsterwelle», die Ende Januar bis zu 30 Prozent der Bevölkerung binnen einer Woche erfassen sollte. Mitte Januar räumte der Präsident der Kantonsärzte ein, die Behörden seien überrascht worden: Die Spitaleintritte sanken, die Zahl der Intensivpatienten ebenso, die Modelle der Taskforce bestätigten sich nicht. Die Modell-Scharlatane irrten, die Massnahmen blieben.
Wie Stadler mit Widerspruch umgeht, zeigte der 27. Oktober 2025 an der FHNW in Windisch. Als der Journalist Stefan Theiler sie kritisierte, nahm ihn laut «20 Minuten» ein ETH-Professor aus dem Publikum in den Würgegriff, der Anlass wurde abgebrochen. Die Fachhochschule spricht von Teilnehmern, welche die Referentin angegriffen hätten. Die Mikrofon-Revolte bewies vorwiegend eines: Daten sind heilig, Fragen Ketzerei. Geschadet hat ihr die Bilanz nicht: 2022 kassierte sie den mit 200’000 Franken dotierten Rössler-Preis der ETH, 2025 den Doron-Preis über 100’000 Franken, gestiftet von Marc Rich. Jenem Rohstoffhändler, der wegen Steuerhinterziehung und Iran-Geschäften angeklagt war und 2001 von Bill Clinton begnadigt wurde.
Wer zahlt, predigt mit
Im März 2020 sagte die Gates-Stiftung der Charité 249’550 Dollar zu, um Diagnostik und Virologie-Werkzeuge für das neue Coronavirus zu entwickeln, insgesamt summieren sich die Zusagen an das Haus auf rund 70 Millionen Dollar. In der Taskforce, die Stadler später präsidierte, sassen im Frühling 2021 ein Berater von CureVac, ein Juror des Pfizer-Forschungspreises und ein Mitglied im Impfstoffgremium von MSD. Und in Basel sponsert die Pharmaindustrie mehrere Lehrstühle. Ob Stadler persönlich je einen Pharmafranken sah, belegt keine Liste, ihr Gremium brauchte den Umweg nicht. Wer Wissen schaffen wollte, hätte Kritiker eingeladen. Wer Ideologie verwaltet, lädt die Task-Farce zum Nachbeten ein, gesponsert von der Pharmafia, gesegnet vom angeblichen Philanthropen aus Seattle. Eine Viertelmillion Dollar für die Diagnostik, eine Basler Aula für die Absolution. Wer damals fragte, galt als postfaktisch, wer damals irrte, doziert heute über das Postfaktische. In der Stadt, die 1529 den Ablasshandel samt Bildern aus den Kirchen warf, sitzt die Pharmafia nun selbst im Beichtstuhl!









«Dravens Tales from the Crypt» bezaubert seit über 15 Jahren mit einer geschmacklosen Mischung aus Humor, seriösem Journalismus – aus aktuellem Anlass und unausgewogener Berichterstattung der Presse Politik – und Zombies, garniert mit jeder Menge Kunst, Entertainment und Punkrock. Draven hat aus seinem Hobby eine beliebte Marke gemacht, welche sich nicht einordnen lässt.







