Die Medizin als die «göttliche Gewalt» verkörpert nicht bloss fundamentale Leitgedanken unserer Kultur, sondern hat sich zur regelrechten Grundlage der modernen Politik aufgeschwungen. Gegenüber der Medizin verliert der Bürger seine Mündigkeit und begibt sich in Expertenherrschaft. Diese Experten besitzen die exklusive Lizenz, uns zu verkünden, was es bedeutet, krank zu sein und, dass Krankheit etwas Allgegenwärtiges ist.
Im Gespräch mit Gunnar Kaiser spricht Hans-Martin Schönherr Mann, Professor für Politische Philosophie an der LMU München, über den sprachlichen Trick, den Begriff der Verantwortung – ursprünglich eine individuelle Kompetenz der Mündigkeit – mit dem Pflichtbegriff zu verbinden. Besteht die staatliche Pflicht, sich auf eine gewisse Art und Weise zu verhalten, wird nun nicht mehr auf die Verantwortung des Einzelnen vertraut. Der Einzelne ist vielmehr in der Verantwortung, eben jene Verhaltensmassregelungen konkret zu befolgen.
Gunnar und Hans-Martin sprechen auch über die gesellschaftliche Lust, sich etwas vorschreiben zu lassen und den Erfolg machiavellistischer und apokalyptischer Politik, die, wie die Medizin seit eh und je, mit Angst und Weltuntergangsszenarien arbeitet. In dem Moment, in dem vom Worst Case Szenario ausgegangen werden kann, setzt das Denken aus. Hans-Martin Schönherr-Mann ist deutscher Philosoph, Professor für politische Philosophie am Geschwister-Scholl-Institut der LMU München und Dozent an der Hochschule für Politik München, sowie Autor zahlreicher Bücher. Sein Werk «Die Lebenskünstlerin und ihr Herr. Über die Medizinisierung der Welt» erscheint im Februar 2023.

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