Ist die Gesellschaft einmal so organisiert, dass die Medizin quasi im Staatsauftrag Menschen zu Patienten erklären kann, weil sie Ungeborene, Neugeborene, in der Menopause befindliche Frauen, Männer in einem ‚gefährlichen Alter‘, Trinker, Prostituierte, Obdachlose oder Angehörige irgendeiner ‚Risikogruppe‘ sind, verliert die Bevölkerung unweigerlich einen Teil ihrer Bürgerrechte an die Staatsmediziner, die auf den Stand von kryptischen Heilern zurückfallen. […] Lebenslange ärztliche Beaufsichtigung macht das Leben zu einer ununterbrochenen Folge gefährlicher Altersstufen, von denen jede ihre eigene Form der Bevormundung braucht. Von der Wiege bis ins Büro, vom Ferienlager bis ins Leichenschauhaus, wird jede Alterskohorte durch ein Regime konditioniert, das im Namen der Gemeinheit festlegt, was für die einzelnen Altersgruppen als Gesundheit zu gelten hat, unabhängig davon, wie gesund die Menschen sich selbst fühlen. Die Gesundheitsbürokratie verweist die Eltern aus der Schule, die Kinder aus dem Gericht und jagt die Alten aus ihrem Haus, um sie ins Heim zu stecken. […] Damit reduziert sich das individuelle Leben auf eine Frist, auf ein qualitätsloses statistisches Phänomen, das zum Nutzen oder Schaden der Bürger, die jetzt alle potentiell «Betroffene» sind, gestaltet und geplant werden muss. Diese leere Lebensfrist beginnt mit der pränatalen Untersuchung, bei der der Arzt am besten über den Kopf der Eltern hinweg kompetent und souverän entscheidet, wie das Baby am sichersten zur Welt kommt, und endet mit dem letzten Eintrag in die Krankenakte, die den ordnungsgemässen Abbruch der Wiederbelebungsversuche auf der Intensivstation und die rechtmässigen Möglichkeiten der Weiterverwendung der Organe des Gestorbenen dokumentiert. […] In jedem Lebensabschnitt, vom ersten Schrei des Neugeborenen bis zum Exitus des Siechenden, werden die Menschen altersgemäss und sozialgerecht, differenziert und situationssensibel, entmündigt.
– Ivan Illich, Die Nemesis der Medizin







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