Irgendwo in der Strassburger Altstadt klingen Flügelklänge aus einem Palazzo in die Nacht. Drinnen residiert Alain Berset – 950 Quadratmeter Villa, Privatchauffeur, 300’000 Euro Jahresgehalt steuerfrei, und eine neue Bühne, auf der er wieder der Grösste sein darf. Der ehemalige Bundesrat und «Corona-General», der zu Hause Affäre um Affäre geliefert hatte, am Ende lustlos wirkte und selbst in den eigenen Reihen zunehmend als Hypothek angesehen wurde, blüht in seiner neuen Rolle auf dem europäischen Parkett sichtlich auf. Die Schweiz war ihm zu eng geworden. Der Europarat ist sein Neustart. Und was macht er dort? Er kämpft gegen Desinformation. Man muss das kurz sacken lassen.
Alain Berset. Kämpfer gegen Desinformation. Der Mann, dessen Amtszeit als Gesundheitsminister so ziemlich das grösste staatlich organisierte Informations-Desaster der jüngeren Schweizer Geschichte hinterlassen hat, hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, andere über die Wahrheit zu belehren. Er hat die Absicht, sich im Kampf gegen die Desinformation zu engagieren – das ist eines seiner grossen Ziele als Generalsekretär. Demokratische Prozesse wie Wahlen müssten vor Desinformation geschützt werden, verkündet er auf Gipfeln und in Pressemitteilungen. Ein Demokratiepakt soll her, Mechanismen gegen ausländische Einmischung, Schutzmauern für die freie Meinungsbildung. Herrlich. Wirklich.
Denn während Berset in Strassburg die grosse Wahrheitswächtergeste übt, hat die Realität zu Hause still weitergearbeitet. Am 21. April 2026 präsentierte das Aktionsbündnis Freie Schweiz in Bern der Presse die juristische Analyse der Covid-Impfstoffverträge zwischen dem Schweizer Bund und den Herstellern Moderna sowie Novavax. Möglich wurde das durch drei Urteile des Bundesverwaltungsgerichts vom 10. Februar 2026, die das Bundesamt für Gesundheit zur vollständigen Offenlegung verpflichteten. Fünf Jahre lang hatte das BAG diese Verträge hinter geschwärzten Seiten versteckt. Fünf Jahre lang hatte Rémy Wyssmann, SVP-Nationalrat und Rechtsanwalt aus Solothurn, dafür gekämpft, dass die Öffentlichkeit erfährt, was in ihrem Namen und mit ihrem Geld unterschrieben worden war.
Und der Inhalt? Der Bund kaufte von Moderna 31 Millionen mRNA-Dosen für rund 32 Dollar pro Einheit – das Gesamtvolumen liegt bei rund 980 Millionen Dollar, hinzu kommen 20 Millionen für Novavax. Fast eine Milliarde. Für Präparate, bei denen – und jetzt wird es wirklich interessant – weder verbindliche Garantien zur Wirksamkeit noch zur Sicherheit der gelieferten Produkte enthalten waren. Alle Risiken wurden vertraglich einseitig auf den Staat überwälzt. Die Pharmaindustrie kassierte. Der Steuerzahler haftete. Das Parlament wusste nichts. Die Öffentlichkeit erst recht nicht. Juristen des Aktionsbündnisses sprechen von einem beispiellosen Staatsversagen, bei dem zentrale Kontrollmechanismen von Parlament und Öffentlichkeit ausgeschaltet worden seien. Das ist keine Meinung. Das sind Vertragsdokumente, freigeklagt durch Bundesgerichtsurteil.
Und wer stand damals an der Spitze des Departements, das diese Verträge abschloss? Wer trat Monat für Monat vor die Kameras und versicherte der Bevölkerung, die Impfstoffe seien sicher und wirksam? Wer liess das BAG jahrelang jeden Transparenzantrag blockieren, schwärzen, verzögern – bis ein Gericht Schluss machte mit dem Versteckspielen? Alain Berset. Bundesrat. Gesundheitsminister. Jetzt Kämpfer gegen Desinformation.
Falls Berset und das BAG die Berichte ihrer eigenen wissenschaftlichen Task-Force lasen, haben sie sogar wissentlich falsch informiert. So formulierte es Infosperber bereits 2022 – nüchtern, beleggestützt, ohne Hysterie. Die Task-Force wusste früh, dass die Impfstoffe keine sterile Immunität erzeugen, keine vollständige Übertragung verhindern, keine lebenslange Schutzwirkung garantieren. Erzählt wurde der Bevölkerung trotzdem: Wer geimpft ist, schützt andere. Wer nicht geimpft ist, gefährdet die Gesellschaft. Ein Zertifikatssystem wurde installiert, das genau auf dieser Behauptung aufbaute – auf einer Behauptung, für die es keine vertragliche Grundlage und keine wissenschaftliche Sicherheit gab.
Das nennt man Desinformation. Oder, um es in der Sprache des neuen Generalsekretärs des Europarats zu sagen: Eine Manipulation der Information, die die Grundwerte der Demokratie gefährdet.
Jetzt sitzt Berset in Strassburg und erklärt, Informationen würden automatisiert, gefälscht und über die sozialen Medien unkontrolliert verbreitet. Das führe zu einer grösseren Fragilität der Demokratien. Die Situation sei sehr ernst. Absolut. Volle Zustimmung. Nur: Was ist mit staatlich organisierten Desinformationskampagnen, gestützt auf Milliardenverträge mit Haftungsausschluss, die man fünf Jahre lang gerichtlich vor der eigenen Bevölkerung verbirgt? Fällt das auch unter die Kategorie «fragile Demokratie»? Oder gilt der Demokratiepakt nur für ausländische Einmischung und soziale Medien, nicht für Gesundheitsminister mit Flügel?
Das Paradoxe – und das wirklich Zynische – an Bersets Strassburger Karriere ist seine Ausgangslage. Er verdankte seine Wahl zum Generalsekretär nicht zuletzt der Schweizer Neutralität, die ihn als Kandidaten aus einem kleinen, unparteiischen Land besonders attraktiv machte. Neutralität als Verkaufsargument. Doch kaum im Amt, verabschiedet er sich von dieser Neutralität merklich – während sein Europarat, der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte eingeschlossen, auf sein Heimatland feuert: Beim Klimaurteil, bei Migrationsfragen, beim Umgang mit Menschenrechtsurteilen. Berset, der Schweizer, der dank der Schweiz Generalsekretär wurde, schaut zu. Oder nickt.
Man könnte es pragmatisch nennen. Rollenkonform. Institutionell unvermeidlich. Man könnte auch sagen: Es ist das konsequente Lebenswerk eines Mannes, der gelernt hat, dass das Reden über Werte und das Einhalten derselben zwei vollkommen verschiedene Berufsfelder sind.
Desinformation ist ein ernstes Problem. Keine Frage. Aber vielleicht sollte der Europarat seinen Demokratiepakt mit einem Kapitel beginnen, das den eigenen Mitgliedsstaaten – und deren ehemaligen Gesundheitsministern – erklärt, was es bedeutet, wenn man eine Milliarde Franken an Steuergeldern für Produkte ausgibt, die vertraglich weder wirksam noch sicher sein mussten, das fünf Jahre lang geheim hält und danach nach Strassburg zieht, um Europa die Wahrheit beizubringen.
Die Flügelklänge in der Strassburger Nacht klingen weiter. Wer spielt, ist unklar. Wer die Noten geschrieben hat, auch.
Der Desinformationsbekämpfer Alain Berset – Europa verdient ihn!









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