Es gibt eine Grosszügigkeit, die in keinem Parteiprogramm steht: Den anderen einfach in Ruhe lassen. Der echte Anarchist beherrscht sie im Schlaf. Und er schenkt sie ausgerechnet jenem Genossen, der seit hundert Jahren von der herrschaftsfreien Welt schwärmt und dabei ein Zentralkomitee im Rucksack mitschleppt.
Sollte der Tag kommen, an dem kein Thron mehr steht, darf der rote Schwärmer aufatmen. Ein Hinweis auf seine Gesinnung genügt und der Anarchist tritt diskret zwei Schritte zurück. Kein Tauschgeschäft wird ihm mehr aufgedrängt, kein Stellenangebot wedelt vor seiner Nase, kein Lohn beleidigt seine Klassenehre. Niemand wird ihm je wieder einen Sack Kartoffeln für seine Werkzeugkiste bieten und ihn damit in die finstere Knechtschaft des freiwilligen Handschlags stürzen. Das ist Gnade in Reinform, verabreicht ohne Gegenleistung.
Freiheit ist ein Angebot, keine Enteignung
Denn der Anarchist nimmt ernst, was der Genosse bloss rezitiert: Zusammenleben ohne Dirigenten. Er zwingt niemanden, nicht einmal zum Glück. Der Kommunist hingegen hat den Weg ins Paradies stets auf derselben Karte eingezeichnet: Zuerst die Diktatur, dann die Befreiung, die Befreiung irgendwann nach dem Arbeitslager.
Wie sehr sich die angeblichen Todfeinde in der Praxis glichen, steht unter frei gegen totalitär. Die herrschaftsfreie Welt benötigt keinen Plan. Der Genosse dagegen hält jede Welt ohne Plan für einen Betriebsunfall.
Er darf also seine Kommune gründen, die Kartoffeln nach Bedürfnis verteilen und im Plenum abstimmen, bis der Morgen graut. Niemand hält ihn auf. Die Tür steht offen, in beide Richtungen, was in keinem Arbeiterparadies je vorgesehen war. Der Anarchist verlangt vom Genossen nicht einmal Dankbarkeit, er verlangt gar nichts und genau das ist die Kränkung, die der Genosse ihm nie verzeihen wird. Gnädiger geht es nicht – man lässt ihn machen und wartet, bis der gemeinsame Kartoffelsack leer ist!









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