Es gibt Länder, die aus ihren Fehlern lernen. Und dann gibt es Schweden, das seit Jahrzehnten dasselbe Experiment wiederholt, immer grössere Schäden produziert und die Lösung im nächsten Nachbarland sucht. Dieses Mal buchstäblich. Die Auslastungskapazität in schwedischen Gefängnissen liegt bei 141 Prozent – auch wenn auf sechs Quadratmetern bereits zwei Insassen sitzen. Das Ergebnis: Schweden verhandelt mit Estland über die Anmietung von Gefängnisplätzen.
Pro Platz zahlt Schweden monatlich 8500 Euro – für 600 Insassen kommen so 61,2 Millionen Euro Jahresmiete zusammen. Estland, das seinerseits leere Zellen hat, freut sich über das Geschäft. Die estnische Seite hat allerdings bereits Bedenken geäussert: Der Dienst für innere Sicherheit warnte die Regierung, die Hauptsorge sei, dass «Personen mit Verbindungen zum Extremismus oder zur internationalen organisierten Kriminalität nach Estland kommen.» Willkommen im liberalen Vorzeigeland des 20. Jahrhunderts, das im 21. seine Kriminellen auslagert wie ein Unternehmen seine Buchhaltung.
300 Schiessereien, 44 Tote – pro Jahr
Die Geschichte, wie Schweden hierhergekommen ist, wird von der schwedischen Politik seit Jahren erzählt. Nur mit anderen Worten. Schweden hat eine der höchsten Todesraten durch Waffengewalt in der EU: 44 Personen kamen 2024 bei knapp 300 verzeichneten Schiessereien ums Leben. Gut 60’000 Personen im Land hätten Verbindungen zu Banden, mit kriminellen Geschäften seien zuletzt 10–15 Milliarden Euro umgesetzt worden.
In den meisten europäischen Ländern sinkt die Mordrate. In Schweden steigt sie. Das ist kein statistisches Rauschen. Das ist das Ergebnis von Jahrzehnten einer Einwanderungspolitik, die Quantität vor Integration stellte, Parallelgesellschaften entstehen liess und hoffte, dass Diversität allein irgendwie den sozialen Zusammenhalt produziert. Ministerpräsident Kristersson nannte «eine schlecht konzipierte und nicht nachhaltige Einwanderungspolitik in Verbindung mit einer erfolglosen Integrationspolitik» als Nährboden für das Problem. Das ist die freundliche Formulierung für: Man hat jahrelang geöffnet, kaum integriert und sich dann gewundert, dass in Rinkeby und Rosengård andere Regeln gelten als in Uppsala.
Nach Angaben der schwedischen Polizeibehörde gelten etwa 1700 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren als aktive Mitglieder eines kriminellen Netzwerks. Kinder. In einem der wohlhabendsten Länder Europas werden Kinder als Auftragsmörder und Drogenboten eingesetzt, weil sie unter die Strafmündigkeit fallen. 13’000 Euro sollen drei Jugendliche pro Kopf für drei Morde bekommen haben. Der Auftraggeber: Ein Bandenchef. Das Opfer: Ein Familienvater. Der Tatort: Ein Stockholmer Vorort am hellichten Tag.
Das Experiment und seine Kosten
Die Gleichung ist simpel und wurde trotzdem jahrelang ignoriert: Wer in grossen Mengen Menschen ohne Ausbildung, ohne Sprachkenntnisse und ohne Integrationsperspektive in ein Hochlohnland importiert und in Vorstädte mit konzentrierter Armut packt, produziert keine multikulturelle Gesellschaft. Er produziert Parallelgesellschaften mit eigenen Regeln, eigener Justiz und eigenem Gewaltmonopol.
Mit 4,6 Toten durch Waffengewalt pro Million Einwohner liegt Schweden als Ganzes über dem europäischen Durchschnitt. Bei den 20- bis 29-Jährigen sind es sogar rund 18 Todesfälle pro Million Einwohner. Zum Vergleich: In der Schweiz liegt diese Zahl im einstelligen Bereich. Schweden hat ein spezifisches Problem, und dieses Problem hat einen spezifischen Kontext, den zu benennen in deutschen und schwedischen Leitmedien lange als unstatthaft galt.
Das Schweigen hatte Konsequenzen. Seit 2012 nahmen Mord und Totschlag in Schweden entgegen dem europäischen Trend zu – und zwar allein durch männliche Täter. Die Statistik ist neutral. Die Frage, wer diese Täter sind und warum, war es lange nicht.
Estland als Symptom
Die Lösung, die Schweden jetzt exportiert, ist bezeichnend. Die schwedische Regierung gibt sich unbeirrt und fühlt sich bestätigt durch andere EU-Länder, die solche Schritte schon gegangen sind oder darüber nachdenken – wie Dänemark oder Österreich. Das ist der europäische Normalzustand: Gefängnisüberfüllung als kontinentales Phänomen, das man durch gegenseitige Auslagerung zu managen versucht, statt die Ursachen anzugehen.
Die Vereinbarung mit Estland sei «eine Möglichkeit, den Bedarf zu decken», sagte Schwedens Justizminister Strömmer – «aber das ersetzt in keiner Weise die Arbeit, die wir hier zu Hause leisten müssen.» Das klingt nach Einsicht. Es ist sie nicht. Wer die Symptome auslagert und die Ursachen als «Arbeit, die wir zu Hause leisten müssen» beschreibt, hat die Arbeit noch nicht begonnen.
Das Muster ist europaweit bekannt: Einwanderung wird geöffnet, Integration wird vernachlässigt, Kriminalität steigt, Gefängnisse füllen sich, Platz wird gesucht – und dann sucht man den Fehler in der Infrastruktur, nicht in der Politik. Schweden baut neue Gefängnisse. Schweden mietet Gefängnisse in Estland. Schweden zahlt 8500 Euro pro Monat und Häftling.
Was Schweden nicht tut: Zurückblicken auf dreissig Jahre Einwanderungspolitik und ehrlich bilanzieren, was sie gekostet hat. Nicht in Euro. In Menschenleben.




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