Es gibt Veranstaltungen, über die keine Zeitung berichtet. Nicht weil nichts passiert. Sondern weil zu viel passiert – zu viel, das nicht in das Bild passt, das die Berichterstattung von sich selbst hat. Das WHO-Symposium vom 20. April 2024 in Zürich Altstätten war so eine Veranstaltung. Über 700 Gäste. Fünfzehn Referate. Ärzte, Juristen, Datenwissenschaftler, Investigativjournalisten, ehemalige Politiker, Impfgeschädigte. Und kein einziger Beitrag in den grossen Schweizer Tageszeitungen. Man könnte das Zufall nennen. Man könnte es auch System nennen.
WHO, GAVI, CIA – und ein Symposium mit 700 Menschen, die nicht mehr schweigen wollen
Im Mittelpunkt des Abends stand Katharina König. Wer sie nicht kennt, sollte das ändern. Eine Frau, die nach ihrer zweiten Corona-Injektion einen Schlaganfall erlitt, erblindete, deren Organe versagten, die Milz und Darm verlor, die zwei Jahre lang nicht essen konnte und über eine Blutbahn ernährt wurde, die zehn Operationen überstand und heute 200 Kapseln täglich nimmt – und trotzdem auf Podien steht, redet, kämpft und anderen Impfgeschädigten kostenlos Behandlungspläne zur Verfügung stellt.
Das System hat sie zuerst als «Ungeimpfte» ausgeschlossen. Dann als «schwerkranke Patientin, die sowieso demnächst stirbt» abgetan. Freunde, die sich distanzierten. Ärzte, die schwiegen. Ein Staat, der wegschaute. Und Katharina König, die trotzdem lauter wurde. Ihr Befund über die Impfcharge, die sie erhielt – EX8679 – ist dabei von einer Präzision, die jeden nachdenklich stimmen sollte, der noch nachdenklich sein will: Dieselbe Charge wurde dokumentiert in Nordrhein-Westfalen, Thüringen und Hamburg verabreicht. Geografisch verteilt. Strategisch gestreut. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Zufall ist, überlässt man dem geneigten Leser.
Kein Pathologe, so König, habe bisher den Mut gehabt, die Toten aus den Krankenhäusern systematisch auf Impfschäden zu untersuchen. Nicht weil es technisch unmöglich wäre – die Einschärbung ist, wie sie erklärt, eine einfache Untersuchung. Sondern weil niemand die Konsequenzen tragen will. Wer schweigt, macht mit. Das ist ihr Satz. Er sitzt.
Dann Heiko Schöning. Investigativjournalist, der Namen nennt, wo andere Kategorien verwenden. Er beschreibt, was nach Corona als Nächstes anläuft – und es läuft bereits: CARPX, die neue Plattform für ein Bakteriennarrativ, strukturell aufgebaut wie GAVI es für Impfstoffe war. Dieselbe Architektur. Dieselben Akteure. Dieselbe Logik: Private Geldgeber spenden Millionen, Staaten legen Milliarden drauf und am Ende sitzt eine Stiftung mit Immunität vor Strafverfolgung auf dem Geld und auf den Entscheidungen.
GAVI, für alle, die sich die Mühe sparen wollen, nachzuschauen: Eine Impfallianz mit Sitz in Genf, deren Gelände Schweizer Behörden nicht betreten dürfen und deren Mitarbeiter Immunität vor Festnahme geniessen. Das ist keine Verschwörungstheorie. Das ist Völkerrecht, spezifisch ausgehandelt, damit eine private Organisation staatliche Kontrolle nicht fürchten muss. Und die neue Firma «National Resilience»? Direktoren mit CIA-Hintergrund, Milliarden in der Kasse, bestehende Produktionsstätten aufgekauft, neue im Weltmassstab gebaut – für mRNA-Wirkstoffe. Noch vor dem nächsten Narrativ. Noch vor dem nächsten Ausbruch. Noch vor dem nächsten Notfallzulassungsverfahren.
Das alles, während der WHO-Pandemievertrag Ende Mai 2024 an der 77. Weltgesundheitsversammlung in Genf unterzeichnet werden sollte – ein Vertragswerk, das nationale Souveränität in Gesundheitsfragen an eine Organisation überträgt, die zu achtzig Prozent privat finanziert wird und deren grösster Einzelspender kein gewählter Repräsentant eines Landes ist, sondern eine Stiftung. Das Schweizer Parlament hatte, als Reaktion auf Druck aus der Bevölkerung und politischen Bewegungen wie dem Aktionsbündnis Freie Schweiz, immerhin beschlossen, den Vertrag zur Kenntnis nehmen zu müssen – was die Möglichkeit eines Referendums öffnete. Eine der wenigen direktdemokratischen Sicherungen, die in diesem Kontext noch funktionierten.
Professor Stefan Hockertz, Immunologe und seit Jahren unter Beschuss für seine öffentliche Kritik an der Corona-Politik, äusserte seine Wertschätzung für die Schweiz – für jene Schweiz, die noch Meinungsfreiheit ohne Berufsverbot kombinieren kann. Die Formulierung klingt nach Lob, ist aber ein stiller Befund über den Zustand anderer Länder, in denen Ärzte, die das Falsche sagen, ihre Zulassung verlieren.
Dieter Dehm, langjähriger Bundestagsabgeordneter, gab einen Ratschlag, den er aus Jahrzehnten politischer Erfahrung destilliert hatte. Laura Grazioli, ehemalige Grüne Landrätin in Basel-Landschaft, sprach unverblümt über das, was politische Arbeit von innen bedeutet und was sie nicht bedeutet. Thomas Grieder schilderte, was die Blauzungen-Impfung 2008 seinen Kühen angetan hatte – ein Vorbote, den damals niemand ernst nahm.
700 Menschen sassen in Zürich Altstätten und hörten zu. Nicht weil sie Verschwörungstheoretiker sind — ein Begriff, der inzwischen so überdehnt wurde, dass er nur noch die Unfähigkeit seines Verwenders beschreibt, mit dem Inhalt des Gesagten umzugehen. Sondern weil sie Fragen haben, die von den offiziellen Kanälen nicht beantwortet werden.
Katharina König schloss mit einem Satz, der keine Interpretation braucht: Niemand soll still sein.
700 Menschen applaudierten. Die Presse schwieg. Dieses Schweigen sagt alles…
Es gibt eine ungeschriebene Regel im deutschen Medienbetrieb, die selten so offen dokumentiert wird wie in diesem Fall. Die Regel lautet: Satire ist Kunst, wenn das richtige Milieu sie produziert. Satire ist Propaganda, wenn das falsche Milieu sie produziert. Die inhaltliche Qualität, die handwerkliche Präzision, die politische Treffsicherheit – all das ist zweitrangig. Entscheidend ist der Absender.
Willy Kramer, bekannt als Snicklink, Berliner Satiriker, ehemaliger Mitarbeiter von extra 3, mitverantwortlich für die ZDFneo-Cartoonserie «Deutsches Fleisch», also durchaus systemkompatibel einsozialisiert, produzierte einen KI-generierten Clip: Donald Trump singt «Blockade, Blockade» zur Melodie von «Voyage, Voyage». Föhnfrisur, Keyboard, grosse Geste, Achtzigerjahre-Albtraum-Ästhetik. Präzise, komisch, böse. Das, was man gemeinhin als gelungene Satire bezeichnet. Was folgte, war ein Lehrstück.
Internationale Medien griffen den Clip auf. Die iranische Botschaft in Südafrika teilte ihn. Und plötzlich war aus einem deutschen Satirestück ein «globaler Deutungsfall» geworden, wie es in der höflichen Umschreibung heisst. Weniger höflich formuliert: Deutsche Redaktionen schrieben über «Propaganda», mutmassten über «Geschäftsmodelle» und stellten – ohne belastbare Belege, das sei ausdrücklich betont – implizite Nähe zu fremden Interessenräumen her. Weil ein iranisches Botschaftsprofil das Video geteilt hatte.
Halten wir diesen Moment fest. Ein Berliner Satiriker macht einen Witz über Trump. Dieser Witz wird von einer iranischen Botschaft geteilt. Daraus wird – in der Logik des deutschen Qualitätsjournalismus – eine verdächtige Nähe des Satirikers zu iranischen Interessen. Mit derselben Methodik müsste man jeden deutschen Bäcker, dessen Brot je an einen Iraner verkauft wurde, auf Staatsfeindschaft prüfen.
Aber die Logik ist natürlich eine andere. Die Logik ist: Trump darf mit Satire angegriffen werden – das ist Konsens, das ist erwünscht, das gehört zur kulturellen Selbstverständigung des progressiven Milieus. Aber Trump darf nicht auf eine Art angegriffen werden, die zu viral, zu unkontrollierbar, zu grenzüberschreitend wird. Satire, die sich nicht an die Spielregeln des Systems hält – wer darf reden, wer wird eingeladen, wer bekommt die Fördermittel, wer erscheint in den richtigen Sendungen – wird zur Gefahr. Nicht weil sie falsch ist. Sondern weil sie unkontrollierbar ist.
Das Instrument zur Kontrolle ist bekannt: Demonetarisierung. Kramer verlor nach eigenen Angaben auf YouTube die Monetarisierung. Das klingt nach einem technischen Detail. Es ist ein struktureller Übergriff. Wer nicht mehr monetarisieren kann, verliert Reichweite. Wer Reichweite verliert, verliert Produktionsmittel. Wer Produktionsmittel verliert, verschwindet. Das ist kein Zufall, das ist Design. Die Algorithmen sind nicht neutral – sie sind politisch und ihre Politik bevorzugt das Systemkonforme.
Die Frage, die Snicklinks Fall aufwirft, ist deshalb keine Frage über einen einzelnen Clip. Sie ist eine Frage über die Bedingungen, unter denen Satire heute noch existieren kann. Wer darf lachen? Wer darf über Macht spotten? Die Antwort des Systems lautet: Prinzipiell alle – aber nur innerhalb eines Rahmens, der von denselben Institutionen definiert wird, über die man spotten soll. Satire, die diesen Rahmen verlässt, wird nicht verboten. Sie wird demonetarisiert, delegitimiert und mit Andeutungen vergiftet, bis der Urheber entweder verstummt oder marginalisiert ist.
Das Perverse daran: Die lautesten Verteidiger der Satirefreiheit — öffentlich-rechtliche Redaktionen, Kabarettpreiskomitees, Feuilletonisten mit Bundesverdienstkreuz — sind dieselben, die schweigen, wenn ein unabhängiger Satiriker die Ökonomie seiner Arbeit verliert. Weil er nicht aus dem richtigen Milieu kommt. Weil er nicht die richtigen Förderanträge gestellt hat. Weil sein Witz nicht in die erwartete politische Schublade passt.
Dabei ist die Schublade die eigentliche Geschichte. Extra 3 darf Erdogan verhöhnen und bekommt dafür Staatsgelder. Snicklink verhöhnt Trump und wird demonetarisiert. Der Unterschied ist nicht die Qualität der Satire. Der Unterschied ist, wer die Verteilung kontrolliert.
Das ist die eigentliche Pointe dieser Geschichte. Nicht der Trump-Clip. Nicht die iranische Botschaft. Sondern die Tatsache, dass ein einzelner Mensch mit KI-Werkzeugen heute Dinge produzieren kann, für die früher Redaktionen, Fördergremien und Produktionsbudgets nötig waren. Das macht ihn unkontrollierbar. Und das macht ihn verdächtig.
Satire ist willkommen, solange sie kontrolliert werden kann. Sobald sie das nicht mehr ist, heisst sie Propaganda.
Das war schon immer so. Es wird nur gerade besonders sichtbar…
Satire ist erlaubt – solange sie den Richtigen trifft
Man muss es festhalten, bevor die Amnesie wieder einsetzt, die in diesem Land mit einer Zuverlässigkeit wiederkehrt, die jede Zugverbindung beschämt: Es war kein Virus, das zwischen 2020 und 2023 die Gesellschaft in etwas verwandelte, das ihr selbst fremd geworden ist. Viren existieren seit Jahrmillionen. Sie kommen, sie gehen, sie töten die Schwachen, sie verschonen die Starken, sie mutieren ins Harmlose. Das ist ihre Biographie und sie weicht nicht ab. Was abwich, war der Mensch. Oder genauer jene kleine Gruppe von Menschen, die entschieden, dass dieser Virus anders behandelt werden musste als alle vorherigen – anders als die Spanische Grippe, anders als HIV, anders als SARS 1.0, anders als die Schweinegrippe, die 2009 bereits einmal als Generalprobe diente und damals immerhin noch mit einem kläglichen Aufwacheffekt endete, als die bestellten Impfstoffmengen in Lagern vor sich hin schimmelten. Diesmal klappte es besser. Diesmal gab es kein Aufwachen.
Was wir erlebten, war kein medizinisches Ereignis. Es war ein politisches Experiment mit medizinischer Kulisse. Lockdowns, die in keinem Pandemieplan je vorgesehen waren – das RKI hatte sie ausdrücklich als kontraproduktiv eingestuft, wie seine eigenen Protokolle belegen, die ein Whistleblower 2024 veröffentlichte, vier Jahre nach dem Schaden. Maskenpflicht für Kinder in Schulen, obwohl keine Evidenz für deren Wirksamkeit im Alltag existierte und internationale Studien das damals bereits zeigten. Ausgangssperren für Ehepaare nach 22 Uhr, obwohl sie die ganze Nacht nebeneinander schlafen durften. 2G, 3G, Impfpflicht für Pflegekräfte – und all das als Demokratie deklariert, als Solidarität, als Vernunft.
Wer das infrage stellte, war kein Bürger mehr. Er war ein Covidiot. Ein Schwurbler. Ein Gefährder. Und wenn er mit dem Grundgesetz auf die Strasse ging, konnte er sicher sein, dass Polizisten mit Schlagstöcken erschienen, während die Tagesthemen am selben Tag eine Anticoronademonstration als «Rechtsextremisten-Aufmarsch» rahmten — ungeachtet der Familien, Rentner und Ärzte, die dort standen.
Karl Lauterbach erklärte die Impfung für «nebenwirkungsfrei». Das war gelogen. Er wusste es, die EMA wusste es, Pfizer wusste es. Pfizer hatte nach der Zulassung, die auf Basis eines sauberen Verfahrens erteilt worden war, die Produktionsmethode geändert – billiger, schmutziger, profitabler. Die Verunreinigungen wurden intern in eigenen Studien festgestellt. Die Fehlgeburtenrate stieg um über tausend Prozent im Vergleich zur ursprünglichen Charge. Die EMA gab trotzdem den Stempel. «Notlage» war die Erklärung. In der Logik dieses Systems bedeutet Notlage: Die Spielregeln gelten nicht mehr für jene, die sie aufgestellt haben – nur noch für jene, an denen sie angewendet werden.
Und die Gewinner? Amazon verdoppelte seinen Börsenwert. Pfizer schrieb Rekordgewinne, gleichzeitig von der Haftung freigestellt. BlackRock und Vanguard bauten ihre Positionen in allen krisenrelevanten Sektoren aus. Das Weltwirtschaftsforum sprach von einem «Great Reset» und meinte damit keine Metapher. Bill Gates wurde in den Tagesthemen als Medizinexperte gehandelt – ein Mann ohne Medizinstudium, mit Milliarden in Biontech, mit einer Stiftung, die der WHO mehr Geld gibt als die meisten Mitgliedsstaaten und mit einer Familientradition in «Family Planning», die bis zu zwangssterilisierten Amerikanern reicht und zwar legal, bis in die 1960er.
Die EMA, gegründet nach dem Contergandrama um genau diese Form von Industrie-Aufwand-Optimierung auf Kosten der Patienten zu verhindern, kannte die Geschichte. Sie kannte das Muster. Und sie winkte durch.
Die Medien? Berichteten, was ihnen gesagt wurde, synchron, ohne Abweichung. Der Ethikrat? Formulierte, was die Regierung hören wollte. Die öffentlichrechtlichen Sender? Zeigten die Grafiken der Regierung, luden die Kritiker nicht ein und wenn doch, dann vier gegen einen, mit der klaren dramaturgischen Absicht, sie zu vernichten. Der Querdenker – einst Ehrentitel für Einstein, für Alfred Herrhausen, für jeden, der ausserhalb vorgegebener Strukturen dachte – wurde zum Schimpfwort. Zur Diagnose. Zur Begründung für Berufsverbote, Strafverfahren, soziale Ächtung.
Das ist das eigentliche Vermächtnis dieser Jahre. Nicht der Virus. Der Virus war Anlass. Das Vermächtnis ist die Infrastruktur, die jetzt existiert: die Präzedenz für Grundrechtsaussetzungen, die Normalisierung digitaler Ausschlussmechanismen, die installierte Überwachungsarchitektur, die Akzeptanz staatlicher Willkür als «Fürsorge», und — am giftigsten — die kollektive Amnesie, die jetzt einsetzt, alimentiert von einer Klasse von Politikern, die keinen Untersuchungsausschuss wollen, weil sie nicht vergessen hat, was sie getan hat. Sie wollen nur, dass alle anderen vergessen.
Das Erschütterndste ist nicht, dass das passierte. Erschütternd ist, dass es so leicht ging. Dass Millionen mitmachten. Dass die Nachbarn die Nachbarn meldeten. Dass Ärzte Kollegen denunzierten. Dass Eltern ihre Kinder mit Masken in die Schule schickten und es Fürsorge nannten.
Das Virus hat die Welt nicht verändert. Der Mensch hat sich selbst verändert – und zwar in eine Richtung, die schon einmal in der Geschichte sichtbar war, mit bekanntem Ausgang. Wer das nicht sehen will, hat sich entschieden, es nicht zu sehen. Das ist eine aktive Entscheidung. Und sie hat Konsequenzen…
Nicht das Virus hat die Welt verändert – sondern die, die uns damit terrorisiert haben
2019 war Harald Lesch noch Aufklärer. Vor laufender Kamera, mit erhobenem Zeigefinger und professoralem Gestus, erklärte er der staunenden Öffentlichkeit, was jeder Rohstoffexperte seit Jahren wusste: Batterieautos sind eine Umweltkatastrophe. Lithiumabbau, Kobaltminen, Energiebilanz – Lesch lieferte, sachlich, korrekt, unbequem. Dann stimmte die Kohle ihn um.
Heute dreht Deutschlands beliebtester Wissenschaftspopularist eine Rolle rückwärts, die selbst geübten Zirkusakrobaten Respekt einflössen würde. 180 Grad. Vollständig. Ohne Erklärung, ohne Entschuldigung, ohne auch nur mit der Brillenfassung zu zucken. Das E-Auto? Plötzlich Zukunft. Die Batterie? Plötzlich vertretbar. Die Argumente von 2019? Offenbar im selben Schredder gelandet wie seine Unabhängigkeit.
Lesch ist damit kein Einzelfall – er ist Symptom. Der Wissenschaftsbetrieb hat längst gelernt, dass Fördergelder, Sendezeiten und Preise eine eigentümliche Wirkung auf intellektuelle Überzeugungen entfalten. Wer zahlt, schafft an. Wer anschafft, bekommt einen Professor, der erklärt, warum das alles ganz wunderbar ist. Der Zeigefinger bleibt erhoben. Er zeigt nur noch in die falsche Richtung…
Harald Lesch: Deutschlands flexibelster Wissenschaftsgewissen – zum Marktpreis
Es gibt eine Situation, die das gesamte Narrativ der letzten Jahre in einem einzigen Moment zusammenfasst. Ein jüdischer Student betritt eine pro-israelische Veranstaltung an der Rutgers University, an der auch israelische Soldaten teilnehmen, organisiert von «Students Supporting Israel» — und sagt laut, was er denkt. Er macht auf die Tötung von Journalisten aufmerksam. Auf die Tötung von Kindern. Auf die Tötung von Gesundheitspersonal. Durch die israelische Armee. In Gaza. Er sagt, Israel werde dafür irgendwann zur Rechenschaft gezogen.
Jetzt kommt das Problem. Dieser Student ist Jude. Das bedeutet, der zuverlässigste Reflexhammer des öffentlichen Diskurses – der Vorwurf des Antisemitismus – greift nicht. Man kann ihn nicht als Judenhasser bezeichnen. Man kann ihn nicht als Holocaustleugner einordnen. Man kann ihn nicht wegdiffamieren mit dem Vokabular, das sonst jeden zum Verstummen bringt, der die dokumentierten Opferzahlen aus Gaza laut ausspricht.
Was bleibt? Er ist ein «schlechter Jude». Ein «self-hating Jew». Ein Verräter an der Gemeinschaft. Ein nützlicher Idiot feindlicher Kräfte. Das ist das Repertoire, wenn Dissens aus den eigenen Reihen kommt und die üblichen Werkzeuge versagen.
Dabei tut dieser Student nichts anderes als das, was jeder Journalist, der seinen Beruf ernst nimmt, längst dokumentiert hat: Die israelische Armee hat mehr Journalisten getötet als jeder andere Konflikt der jüngeren Geschichte. Ärzte, Krankenpfleger, Sanitäter wurden beschossen. Kinder sterben in einer Zahl, die selbst UN-Organisationen – nicht bekannt für übermässige Israel-Kritik – als beispiellos bezeichnen.
Das sind keine Behauptungen. Das sind Zahlen. Dokumentiert, verifiziert, von internationalen Organisationen erfasst. Wer das ausspricht, ist kein Antisemit. Wer das ausspricht, ist jemand, der lesen kann. Dieser Student hat das getan, was Zivilcourage bedeutet: Er hat in einem Raum voller Gegenwind das Offensichtliche gesagt. Laut. Auf einer Veranstaltung, auf der israelische Soldaten sassen.
Er wird dafür einen Preis zahlen. Das ist sicher. Soziale Ächtung, institutioneller Druck, das volle Programm. Aber er hat gesprochen. Und das bleibt…
Kein Antisemit, sondern schlimmer: Ein Jude, der die Wahrheit sagt
Hier ist die Botschaft, von einer Transfrau, Lennon genannt, die mit ausbeuterischen sozialen Medien aufgewachsen ist und schwer darunter gelitten hat: Lasst euch nicht von den grossen Technologiekonzernen hinter der Regenbogenflagge verstecken. Die Wahrheit ist: Queere Menschen sind diejenigen, die von diesen Plattformen als Erste im Stich gelassen und zuletzt geschützt werden.
Viele schwule, transsexuelle und queere Jugendliche haben keine unterstützenden Familien und keine Schule, die sie akzeptiert. Digitale Räume erscheinen ihnen oft wie ein Rettungsanker – ein Ort, an dem sie selbst sein können. Leider basieren diese digitalen Räume häufig auf derselben Logik, die einst mit Zigaretten auf Kinder abzielte: Maximale Nutzung, minimale Verantwortung und die Ausbeutung von Verletzlichkeit. Diese Plattformen wurden nicht entwickelt, um queere Menschen zu stärken, sondern um sie abhängig zu machen und zu halten.
Im kürzlich in Los Angeles abgeschlossenen Prozess um Social-Media-Sucht fragte der Anwalt der Kläger, Mark Lanier, den Whistleblower Arturo Béjar von Meta, wie die Facebook-Führung mit dem Problem der «Sucht» umgegangen sei. Béjar antwortete: «Sie haben den Namen geändert» – genauer gesagt, sie nannten es nicht mehr «Sucht», sondern «problematische Nutzung». Er fügte hinzu: «Man durfte nicht darüber sprechen.»
Mit 13 Jahren ist Lennon in die sozialen Medien eingestiegen, genau zu der Zeit, als das iPhone zum Mittelpunkt des Lebens von Jugendlichen wurde. Nach fünf Jahren an einer staatlichen Schule, wo sie wegen ihrer vermeintlichen Weiblichkeit gehänselt wurde, besuchte sie eine Schule für darstellende Künste. Sie wandte sich Instagram, Facebook, Snapchat und YouTube zu – Plattformen, die ihr Zugang zu einer Community ermöglichten, die sie zuvor nie gehabt hatte. Doch das hatte lebensbedrohliche Nebenwirkungen, die sie damals noch nicht absehen konnte.
Online fand Lennon Aufmerksamkeit – zuerst von Kommilitonen, dann von Fremden. Als sie anfing, professionell als Tänzerin zu arbeiten, verfolgten Hunderttausende von Followern jede ihrer Bewegungen. Was sich anfangs wie Bestätigung anfühlte, wurde schnell zum einzigen Bereich, in dem sie ihren Wert sah. Lennon war so sehr damit beschäftigt, wie sie wahrgenommen wurde, dass Authentizität keine Chance hatte.
Irgendwann war es ihr egal, ob die Kommentare lobend oder gemein waren – nur noch die Klicks zählten. Sie fing an, in Toiletten zwischen Vorlesungen und Proben die Kommentare zu aktualisieren, vor dem Schlafengehen zu scrollen und lernte, sich für Algorithmen zu tarnen, die sie nicht verstand. Das Verhalten war zwanghaft. Sie wusste nicht, dass man es «süchtig machendes Design» nennt – sie wusste nur, dass sie nicht aufhören konnte zu scrollen.
Die Jagd nach Bestätigung durch den Algorithmus war nicht das einzige Risiko. Die eigentliche Gefahr lauerte oft in ihren privaten Nachrichten. Erwachsene, die sie nicht kannte, kontaktierten sie mit anzüglichen Nachrichten und Nacktbildern. Sie war erst 13 und verstand noch nicht, was Grooming bedeutete. Ihr fehlten die Worte dafür – sie wusste nur, dass die Aufmerksamkeit, die sie offline nicht fand, online plötzlich da war.
Sie weiss jetzt, dass die Plattformen und ihre Algorithmen sie diesen räuberischen Fremden ausgeliefert und ihnen ihr Profil als Köder für Interaktionen präsentiert haben.
In der Klage in Los Angeles wurde auf interne Metadaten verwiesen, die belegen, dass die Instagram-Funktion «Konten, denen du folgen könntest» aktiv pädophile Erwachsene mit Minderjährigen in Kontakt bringt: «Im Jahr 2023 empfahl dieses Tool erwachsenen Pädophilen‚ fast 2 Millionen Minderjährige in den vergangenen 3 Monaten – und 22 Prozent dieser Empfehlungen führten zu einer Folgeanfrage.»
Die Angestellten warnten die Führungsebene. Diese lehnte eine Systemreform ab und behielt die Regelung bei, nach der Täter – einschliesslich Menschenhändler – erst nach 17 Verwarnungen ihre Konten gesperrt werden.
Die Architektur dieser Plattformen brachte Lennon in Kontakt mit Erwachsenen, die in einem einsamen queeren Kind eine Chance sahen. Da queere Kinder Online-Räume nutzen, um Identität zu finden und zu überleben, sind sie das ideale Produkt: Hoch engagiert, hoch verletzlich und hochprofitabel.
Die grossen Technologiekonzerne behaupten, die Rechte queerer Kinder und Jugendlicher zu verteidigen, indem sie sich gegen Regulierungen wie altersgerechtes Design und Beschränkungen süchtig machender Funktionen wehren. In Wirklichkeit missbrauchen sie uns als Schutzschild, um sich der Verantwortung zu entziehen. Sie instrumentalisieren unsere Abhängigkeit vom Internet, um zu behaupten, jede Schutzmassnahme sei «LGBTQ-feindlich». Sie warnen Gesetzgeber davor, dass der Schutz von Kindern queere Ausdrucksformen auslöschen würde. Das ist eine Lüge – und zwar eine strategische.
In Wirklichkeit schaffen Funktionen, die jungen Menschen schaden – endloses Scrollen, Autoplay, zwanghafte Wiedergabeschleifen, auf Überwachungsdaten basierende Empfehlungssysteme, Einstellungen, die Kinder böswilligen Erwachsenen aussetzen – keine queeren Gemeinschaften. Sie erzeugen Abhängigkeit. Sie begraben ihre Identität in Algorithmen, die auf Empörung, Objektifizierung und Profit optimiert sind.
Die grossen Technologiekonzerne behaupten, die Rechte queerer Jugendlicher zu verteidigen, indem sie sich gegen Regulierungen wie altersgerechtes Design und Beschränkungen süchtig machender Funktionen wehren. In Wirklichkeit benutzen sie uns als Schutzschild, um sich der Verantwortung zu entziehen.
Queere Jugendliche brauchen keine Online-Plattformen, die vorgeben, sie im Rahmen von Pride-Kampagnen zu feiern, sie aber gleichzeitig überproportional häufig ausbeuten und Belästigungen aussetzen. Queere Jugendliche brauchen Plattformen, die ihre Sicherheit und psychische Gesundheit an erste Stelle setzen.
Lennon weiss das, weil sie es selbst erlebt hat. Erst nach einem Jahrzehnt voller Angstzustände, Suchtverhalten, algorithmischer Schädigung, Grooming und Belästigung konnte sie sich endlich von den ausbeuterischen sozialen Medien lösen. Selbst dann schien die Entscheidung unmöglich. Ein Grossteil ihrer Kindheit spielte sich online ab. Die intimsten Momente ihres Lebens – ihre Geschlechtsangleichung, ihre geschlechtsangleichende Operation und ihr Coming-out – wurden zu Content-Quellen. Das ist die Grausamkeit dieser Plattformen: Sie lehren einen, Sichtbarkeit mit Sicherheit, Interaktion mit Zugehörigkeit und Ausbeutung mit Verbundenheit gleichzusetzen.
Regulierung ist keine Bedrohung für queere Ausdrucksformen, sondern eine Voraussetzung für queere Sicherheit. Sie wird nicht alle Probleme lösen, aber sie wird das Erste und Wichtigste bewirken: Sie wird die Unternehmen, die von der Aufmerksamkeit profitieren, dazu zwingen, endlich Verantwortung für den angerichteten Schaden zu übernehmen.
Es gibt Momente, in denen die politische Klasse so unverhohlen auftritt, dass selbst geübte Zyniker kurz innehalten müssen. Nicht aus Empörung – Empörung setzt eine gewisse Überraschung voraus, und die ist längst verbraucht. Sondern aus einer Art fassungsloser Bewunderung für die Chuzpe, mit der Menschen, die noch nie einen Franken selbst verdient haben, über die Ausgabe von Billionen anderer Leute Geld abstimmen.
Das EU-Parlament hat soeben über den mehrjährigen Finanzrahmen 2028–2034 abgestimmt. Ursula von der Leyen hatte 1,8 Billionen Euro vorgeschlagen. 1,8 Billionen. Eine Zahl, bei der jeder normale Mensch einen Moment braucht, um die Nullen zu zählen. Das Parlament – jene Institution, die sich als direkte Interessenvertretung der europäischen Bürger versteht und damit eine der dreistesten Selbstbeschreibungen der politischen Geschichte liefert – fand das ungenügend.
Ungenügend.
Die konservativ-sozialdemokratisch-liberal-grüne Einheitsmehrheit, also jenes muntere Kartell der scheinbaren Gegensätze, das sich bei grundlegenden Fragen stets zu einem einzigen, einheitlichen Ja zusammenfindet, votierte für 2 Billionen. Zehn Prozent mehr, als von der Leyen beantragt hatte. Zweihundert Milliarden obendrauf, weil 1,8 Billionen nun mal «die drängendsten Probleme unserer Zeit» nicht zu lösen vermögen.
Man muss das kurz sacken lassen. Dieselben Institutionen, dieselben Personen, dieselben politischen Familien, die Europa in den vergangenen zehn Jahren systematisch deindustrialisiert, die Energiepreise ins Unbezahlbare getrieben, die Inflation befeuert, den Mittelstand ruiniert und das Vertrauen der Bevölkerung in demokratische Institutionen auf historische Tiefstände gebracht haben – diese Leute erklären, dass sie für die Behebung der Folgen ihrer eigenen Fehlentscheidungen zusätzliche 200 Milliarden Euro benötigen.
Das ist nicht Ironie. Das ist ein Geschäftsmodell.
Wohin fliesst das Geld? Klima – jene Kategorie, unter der sich alles verstecken lässt, was keiner genaueren Begründung standhält. Ukraine – womit nicht die ukrainische Bevölkerung gemeint ist, sondern die Rüstungsindustrie, die von diesem Krieg profitiert und zufällig dieselben Lobbyisten beschäftigt, die in Brüsseler Korridoren Tee trinken. Und «Wettbewerbsfähigkeit» – das Wort, das in EU-Dokumenten immer dann auftaucht, wenn Grosskonzerne Subventionen erhalten sollen, die man dem Bürger gegenüber nicht direkt als das benennen kann, was sie sind.
Von der Leyen selbst ist in diesem Kontext eine Figur von fast literarischer Konsequenz. Ihre SMS-Korrespondenz mit Pfizer-CEO Albert Bourla über Impfstoffverträge im Wert von Milliarden wurde auf Anordnung des Europäischen Gerichtshofs als transparent offenlegungspflichtig erklärt — woraufhin die Kommission erklärte, die Nachrichten seien nicht mehr auffindbar. Verschwunden. Weg. Als hätte ein Handy nicht die Funktion der Datensicherung, die inzwischen selbst Grossmütter mit Smartphones nutzen.
Das EU-Gericht nannte das «rechtswidrig». Von der Leyen wurde dennoch wiedergewählt. Wer nach einer Begründung für diesen Widerspruch sucht, findet sie in der Grundstruktur des Systems: Wer die Milliarden verteilt, wird von jenen gewählt, die an der Verteilung teilhaben. Das ist kein Fehler im System. Das ist das System.
Woher kommen die 2 Billionen? Von den Steuerzahlern – direkt, durch Beiträge der Mitgliedsstaaten. Indirekt, durch Inflation, die das Geld entwertet, das der Bürger spart. Und durch Verzicht, wie es im Ausgangstext korrekt formuliert wird – denn jeder Euro, der in Brüssel ausgegeben wird, ist ein Euro, der für Schulen, Spitäler, Infrastruktur, Renten oder schlicht für das eigene Leben nicht zur Verfügung steht.
Das Politico-Magazin, Sprachrohr des transatlantischen Grosskapitals und von Axel Springer mitfinanziert, feierte das Votum in einem Podcast mit dem Satz: «We’re going to be spending those trillies, baby.» Auf Deutsch: Wir geben diese Billionen aus, Baby. Mit dem enthusiastischen Tonfall eines Influencers, der gerade auf Firmenkosten eine Reise nach Bali antritt.
Dieser Satz ist das ehrlichste Statement, das aus dem Brüsseler Milieu je über das EU-Budget gemacht wurde. Nicht weil er zynisch ist – Zynismus setzt eine gewisse Selbstwahrnehmung voraus. Sondern weil er vollständig authentisch ist. Diese Leute empfinden es tatsächlich als Freude, Billionen auszugeben. Und warum auch nicht? Es ist nicht ihr Geld. Es ist Deines.
Man könnte an dieser Stelle auf die Kontrollmechanismen hinweisen, die sicherstellen sollen, dass EU-Gelder zweckgemäss eingesetzt werden. Der Europäische Rechnungshof – jene Behörde, die seit Jahrzehnten jährlich Berichte vorlegt, in denen sie Milliardenmissbrauch dokumentiert, ohne dass irgendeine Konsequenz folgt. Die Betrugsbekämpfungsbehörde OLAF, die Verfahren eröffnet, die sich über Jahre hinziehen, während die Beschuldigten weiter im Amt sind. Die Transparenzregister, in die Lobbyisten sich eintragen müssen und die so gestaltet sind, dass die Einträge so wenig aussagen wie möglich.
Das ist das Kontrollsystem. 2 Billionen Euro, überwacht von Institutionen, die strukturell nicht in der Lage oder nicht willens sind, wirksame Kontrolle auszuüben – und die von denselben politischen Mehrheiten mit Personal bestückt werden, die auch den Haushalt beschliessen.
Was tun? Die Frage stellt sich jedes Mal neu und die Antwort darauf ist jeweils unbefriedigender als die vorige. Nationalstaaten, die aus dem Mechanismus aussteigen wollen, werden unter wirtschaftlichen Druck gesetzt. Parteien, die das Modell grundsätzlich infrage stellen, werden als Populisten, Extremisten oder Putinversteher eingeordnet. Bürger, die protestieren, werden registriert.
Die spinnen, die EU-ler. Aber sie spinnen mit System, mit Kontinuität und mit deinem Geld.
Das Einzige, was sie wirklich fürchten, ist das Aufhören des Zahlens. Dafür gibt es noch keine Abstimmung…
Es gibt Momente, die keine Erklärung brauchen. Einen davon lieferte eine namenlose Gebärdensprachdolmetscherin im ukrainischen Fernsehen, während Wolodymyr Selenskyj gerade wieder einmal über die wirtschaftlichen Erfolge seines Landes sprach. Wirtschaftliche Erfolge. Der Ukraine. Unter Selenskyj.
Während der Mann im olivgrünen Pullover also seine Erfolgsbilanz vortrug – in einem Land, in dem laut Transparency International die Korruption seit Jahren auf Weltklasseniveau operiert, in dem Oligarchenstrukturen unter Kriegsrecht munter weiter gedeihen, in dem Milliarden an westlicher Hilfe in Kanäle fliessen, die niemand so genau benennen möchte – formten sich die Hände der Dolmetscherin zu einem einzigen, klaren Begriff.
Lügner.
Dann hielt sie ein Blatt Papier in die Kamera. «Sie werden belogen.»
Nach wenigen Sekunden war sie aus dem Bild verschwunden. Schnitt. Weg. Als hätte sie nie existiert. Das ist, in seiner komprimierten Form, das vollständige politische Programm des Systems Selenskyj: Reden über Erfolge, Schweigen über Realitäten, Entfernen von Störenfrieden. Wiederholen.
Das Bemerkenswerte ist nicht, dass eine Frau den Mut hatte, das Offensichtliche zu sagen. Das Bemerkenswerte ist, dass sie es auf einem staatlichen Sender tat, in Echtzeit und die Reaktion des Systems – sofortiges Entfernen, kein weiterer Kommentar – so reflexhaft und geübt wirkte, als wäre das ein eingeübter Ablauf. Wer weiss, vielleicht ist er das.
Selenskyj, der Mann, dem der Westen Milliarden überweist, dem NATO-Generäle die Hand schütteln und für den Staatschefs Sondersitzungen einberufen, wird von einer Gebärdensprachdolmetscherin in drei Sekunden präziser charakterisiert als durch drei Jahre investigativen Journalismus westlicher Leitmedien.
Die Dolmetscherin hat ihren Job verloren. Selenskyj hat seinen behalten.
Das ist die Zusammenfassung des Zustands, in dem wir uns befinden: Die Ehrlichen verschwinden aus dem Bild. Die Lügner bleiben drin.
Und der Westen applaudiert weiter…
Die Heldin ohne Namen: Sie übersetzte Selenskyj – und sagte dabei die Wahrheit
Man muss der Fedpol-Direktorin Eva Wildi-Cortés eines lassen, sie hat das Video-Statement mit bemerkenswerter Beherrschung aufgenommen. «Das macht ganz Fedpol und mich persönlich betroffen», erklärte sie in die Kamera, während im Hintergrund die Frage brannte, wie lange ein Beamter ihrer Behörde vertrauliche Daten an die organisierte Kriminalität verkauft hat, ohne dass irgendjemand es bemerkte. Betroffen. Das Wort der Stunde. Das Wort, das immer dann kommt, wenn jemand keine Antworten hat, aber trotzdem etwas sagen muss.
Die Fakten sind präzise und deshalb umso beunruhigender: Im Bundessicherheitsdienst des Bundesamts für Polizei – also in jener Abteilung, die sich um die Sicherheit von Bundesräten, Botschaften und sensiblen staatlichen Einrichtungen kümmert – sass ein Maulwurf. Nicht in der Poststelle. Nicht in der IT-Supportabteilung. Im Bundessicherheitsdienst. Er verkaufte vertrauliche Informationen. An die organisierte Kriminalität. Sechs Festnahmen total, zwölf Hausdurchsuchungen in Basel-Stadt, Basel-Landschaft, Frankreich und Deutschland. Ein internationales Netzwerk, versorgt aus der Mitte des Schweizer Sicherheitsapparats.
«Erste Erkenntnisse deuten auf eine Zusammenarbeit mit der Organisierten Kriminalität hin», musste die Direktorin feststellen. Erste Erkenntnisse. Man fragt sich unwillkürlich, auf welche späteren Erkenntnisse man sich noch gefasst machen darf. Nun wäre das alles schon schlimm genug, wenn Fedpol eine Behörde wie jede andere wäre – zuständig für Jagdlizenzen oder Gewerbeanmeldungen. Ist es aber nicht. Fedpol verwaltet unter anderem Passdaten. Reiseausweise. Biometrische Informationen. Und – man erlaube an dieser Stelle einen kurzen Moment der stillen Betrachtung – Fedpol ist eine der Schlüsselbehörden für die Einführung der e-ID, jener digitalen Identität, die die Schweiz ihren Bürgerinnen und Bürgern als sicheres, modernes und vertrauenswürdiges Instrument der Zukunft verkauft.
Sicher. Modern. Vertrauenswürdig.
Ein Beamter, der Daten an die organisierte Kriminalität verkauft, hat in einer Behörde gesessen, der man in absehbarer Zeit die digitale Identität der gesamten Bevölkerung anvertrauen will. Das ist keine Pointe. Das ist der Sachverhalt.
Man kann sich vorstellen, welche Daten für organisierte Kriminelle besonders wertvoll sind: Reisepassnummern, die für gefälschte Dokumente gebraucht werden. Personendaten, die Identitätsdiebstahl ermöglichen. Bewegungsprofile, Sicherheitsprotokoll, Informationen über Schutzmassnahmen. All das liegt in jenem System, in das ein Mann mit Kriminellen im Rücken jahrelang – oder wochenlang, oder monatelang, das weiss man noch nicht – Einblick hatte.
Die offizielle Reaktion ist ein Lehrstück in institutioneller Schadensbegrenzung. Man ist betroffen. Man arbeitet eng mit der Bundesanwaltschaft zusammen. Man hat interne Massnahmen eingeleitet. Man wird Schlüsse ziehen. Man nimmt das sehr ernst. Das ist der Standardablauf. Er funktioniert in dem Sinne, dass die Schlagzeilen nach einigen Wochen verschwinden und das institutionelle Selbstbild unbeschädigt weiter existiert. Die Behörde macht weiter, der nächste Bericht wird veröffentlicht, die Parlamentsdebatte bleibt moderat und irgendwann wird die e-ID eingeführt – weil sie ja ohnehin kommen soll und weil ein einzelner Maulwurf kein Grund ist, das grosse Digitalisierungsprojekt zu hinterfragen.
Doch genau das ist die eigentliche Frage, die gestellt werden müsste, aber nicht gestellt wird: Wie kann eine Behörde, die sich als Hüterin sensibelster staatlicher Sicherheitsinfrastruktur versteht, einen Mitarbeiter im Bundessicherheitsdienst nicht bemerken, der für die organisierte Kriminalität arbeitet? Welche internen Kontrollmechanismen existieren und warum haben sie versagt? Wer führte die Sicherheitsüberprüfungen durch – und mit welchem Resultat? Und wie lange lief dieses Arrangement, bevor es auffiel?
Diese Fragen sind unbequem. Sie stellen nicht nur einen Einzeltäter infrage, sondern die Struktur, in der er tätig war. Und Strukturfragen sind in der Schweizer Behördenlogik traditionell unerwünschter als Personenfragen – denn eine Person kann man verhaften, eine Struktur muss man reformieren und Reformen sind mühsam, teuer und politisch unangenehm.
Währenddessen macht die Beamtenkorruption in der Schweiz Fortschritte, die man im internationalen Vergleich mit einer Mischung aus Ungläubigkeit und düsterer Anerkennung betrachten muss. Die EU gilt seit Jahrzehnten als Mahnbild für bürokratische Selbstbedienung und institutionelle Porösität. Dass die Schweiz – das Land der stabilen Verhältnisse, des beamteten Anstands, des guten Haushalts und des geordneten Gemeinwesens – im Eilzugstempo aufzuholen scheint, ist nicht nur ein Nachrichtendetail. Es ist eine Zustandsbeschreibung.
Der gute Dorfpolizist, der mit Hausverstand und persönlicher Integrität seinen Dienst tat und dabei die Menschen kannte, deren Sicherheit er schützte – er ist nicht plötzlich verschwunden. Er wurde ersetzt. Durch Strukturen, die gross genug sind, dass der Einzelne darin unsichtbar wird. Durch Systeme, in denen Loyalität zur Institution nicht durch persönliche Bindung, sondern durch bürokratische Prozesse sichergestellt werden soll. Durch Apparate, die so komplex sind, dass niemand mehr den Überblick hat – und Komplexität bekanntlich der beste Freund jener ist, die im Verborgenen agieren.
Das Vertrauen in die Behörde ist weg. Nicht beschädigt – weg. Und Vertrauen ist wie Porzellan: Man kann es reparieren, aber die Bruchstellen bleiben sichtbar. Der Maulwurf hat nicht nur Daten verkauft. Er hat die Grundlage verkauft, auf der ein Rechtsstaat steht: Die Überzeugung, dass jene, denen man Macht und Zugang übergibt, dieses Vertrauen nicht missbrauchen.
Nun soll dieselbe Institution die e-ID verwalten. Die digitale Identität. Den Schlüssel zu allem. Betroffen. Das Wort reicht nicht…
Es war der 26. Dezember 2025. Während der Rest Europas das Weihnachtsessen verdaute und sich fragte, ob man wirklich noch ein Stück Zimtsterne braucht, war jemand anderes fleissiger. Ein unbefugter Akteur griff auf Eurails Netzwerk zu und transferierte Dateien aus den Systemen – zwei volle Monate, bis das Unternehmen überhaupt verstand, was in diesen Dateien steckte.k
Zwei Monate. Sechzig Tage. In dieser Zeit wurden die Daten analysiert, ausgewertet und zum Kauf angeboten. Und die betroffenen Kunden? Die sassen nichts ahnend zu Hause, buchten vielleicht den nächsten Interrail-Trip, freuten sich auf Europa – während ihre Passnummern, Geburtsdaten, Telefonnummern und Wohnsitzadressen im Darknet zum Verkauf standen und auf Telegram als Kostprobe zirkulierten. Eurail begann erst am 27. März 2026 damit, Betroffene zu informieren – drei Monate nach dem Einbruch, einen Monat nachdem die Daten bereits im Darknet aufgetaucht waren.
Die DSGVO schreibt eine Benachrichtigung innerhalb von 72 Stunden vor. Eurail benötigte 90 Tage. Man darf annehmen, dass die Rechtslage studiert, die Kommunikationsstrategie optimiert und der Schaden für das Unternehmensimage sorgfältig kalkuliert wurde. Die 308’777 betroffenen Personen kamen in dieser Rechnung offenbar etwas später dran.
Die Liste der gestohlenen Datentypen liest sich wie der Wunschzettel eines Identitätsbetrügers: Name, Geburtsdatum, Passnummer, Telefonnummer, Wohnsitzland – und in manchen Fällen auch Gesundheitsdaten, wobei Eurail bislang nicht erklärt hat, warum ein Zugticket-Anbieter überhaupt Gesundheitsdaten benötigt. Eine interessante Frage, auf die bisher keine befriedigende Antwort erfolgt ist.
Besonders pikant ist die Beteiligung des DiscoverEU-Programms der Europäischen Kommission – jenes Projekts, das 18-jährigen Europäern kostenlose Interrail-Pässe zum Kennenlernen des Kontinents schenkt. Seit 2018 wurden über 800’000 solcher Pässe verteilt und die Daten der Teilnehmer laufen durch Eurails Systeme. Junge Menschen, die der EU vertrauten, ihre Daten hinterlegt haben, Europa entdecken wollten – und deren Passnummern nun möglicherweise in kriminellen Kreisen kursieren. Ein schönes Willkommensgeschenk zum Erwachsenwerden.
Und hier beginnt die eigentliche Geschichte, die über einen Bahnticket-Anbieter weit hinausgeht.
Die Schweiz hat die e-ID eingeführt. Die digitale Identität, das elektronische Pendant zum physischen Pass, das grosse Versprechen der modernen Verwaltung: alles einfacher, alles schneller, alles vernetzt. Bankkonto, Steuererklärung, Arzttermin, Behördengänge – mit einem einzigen digitalen Schlüssel. Praktisch. Fortschrittlich. Unvermeidlich, wie man uns erklärt.
Der Eurail-Hack demonstriert mit der Eleganz eines Vorschlaghammers, was das bedeutet: Wer die digitale Identität zentralisiert, schafft einen singulären Angriffspunkt. Wer alle Schlüssel auf einem Schlüsselbund vereint, riskiert, dass beim Diebstahl dieses Schlüsselbunds alle Türen gleichzeitig offenstehen. Ein gestohlener physischer Pass ist ein ernstes Problem – aber er öffnet eine Tür. Eine kompromittierte e-ID öffnet potenziell alle.
Der Angreifer hatte Zugriff auf AWS S3-Speicherbereiche, das Zendesk-Supportsystem und GitLab-Repositories — also nicht nur Kundendaten, sondern Quellcode, Infrastruktur-Zugangsdaten und interne Kommunikation. Das ist nicht der Hack einer einzelnen Datenbank. Das ist der Totalzugriff auf eine Infrastruktur. Genau das, was bei einer e-ID-Infrastruktur auf staatlicher Ebene noch ungleich verheerendere Konsequenzen hätte – weil dort nicht Zugtickets, sondern Existenzen hängen.
Der digitale Mensch der Zukunft hat keine Identität mehr in dem Sinne, den wir kennen. Er hat einen Datensatz. Dieser Datensatz existiert auf Servern, die von Unternehmen oder Behörden betrieben werden, die ihrerseits Dienstleister beauftragen, die wiederum Infrastruktur mieten. Jede dieser Schnittstellen ist ein potenzieller Eurail-Moment. Jedes Update, jede Migration, jede ungeschlossene Sicherheitslücke ist eine offene Flanke. Eurail ist kein Startup, das Ecken abschneidet – es ist kritische EU-gestützte Infrastruktur, die Passnummern neben Quellcode auf demselben Netzwerk gespeichert hatte, das ein Angreifer in einer einzigen Session plündern konnte.
Man stelle sich dieselbe Sorgfalt auf e-ID-Ebene vor. Passnummer, Steuernummer, Krankengeschichte, Bankverbindung, Wohnadresse, biometrische Daten – auf einem Schlüsselbund, verwaltet von einem Konsortium, entdeckt nach zwei Monaten, kommuniziert nach drei, während die Daten längst verkauft sind. Das ist keine Dystopie. Das ist die logische Extrapolation dessen, was bei Eurail bereits stattgefunden hat.
Die Antwort der Behörden auf solche Vorfälle ist stets dieselbe: Passwort ändern, Konten überwachen, vorsichtig bei verdächtigen E-Mails sein. Als ob die 308’777 betroffenen Interrail-Kunden ihre Passnummer zurückbekämen, wenn sie das Passwort ihrer Rail-Planner-App erneuern. Als ob Identitätsbetrug sich durch erhöhte Wachsamkeit beim E-Mail-Lesen verhindern liesse, wenn die eigene Passnummer bereits auf einem Darknet-Marktplatz für einige hundert Dollar angeboten wird.
Die eigentliche Frage, die niemand laut stellt, lautet: Warum sammeln digitale Systeme systematisch mehr Daten, als sie für ihre Kernfunktion benötigen? Warum benötigt ein Zugticket-Anbieter Gesundheitsdaten? Warum werden Passnummern von 18-Jährigen gespeichert, die lediglich ein Gratisticket bekommen haben? Und warum akzeptieren wir als Gesellschaft, dass die Antwort auf jeden Datendiebstahl lautet, man solle künftig noch mehr Daten an noch mehr zentrale Stellen übermitteln – weil die digitale Identität nun mal der Weg der Zukunft sei?
Der Weg der Zukunft. Eurails Kunden sind bereits angekommen.
Sie wurden nur leider nicht gefragt, ob sie mitfahren wollten…
Es braucht manchmal einen Eishockeytrainer, damit ein Land merkt, was es verloren hat. Patrick Fischer, Nationaltrainer der Schweizer Eishockeymannschaft, hat den Bannstrahl des Verbandes zu spüren bekommen. Sein Vergehen: Er hatte während der Pandemie nicht mitgemacht. Er hatte Nein gesagt. Er hatte, in der präzisen Sprache des zivilisierten Diskurses, zivilen Ungehorsam geübt. Und dafür wird er bis heute verfolgt – während jene, die den Druck aufgebaut haben, weiter vorgeben, als sei alles richtig gewesen.
BAG-Direktorin Levy meldete sich in unangemessener Schärfe zu dem Fall. Unangemessen ist das richtige Wort. Denn die Schärfe, mit der das Establishment auf Abweichler reagiert – damals wie heute – steht in einem grotesken Missverhältnis zur wissenschaftlichen Grundlage, auf die man sich dabei beruft.
Kommen wir zu den Fakten. Die mRNA-Präparate von Pfizer und Moderna wurden in einem stark verkürzten Notfallverfahren zugelassen. Ihre Wirksamkeit, Infektionen und Ausbrüche zu verhindern, haben sie weitgehend verfehlt. Das ist keine Randmeinung von Schwurblern – das ist die nüchterne Bilanz, die sich aus den Daten ergibt, die mittlerweile vorliegen. Wer das heute noch bestreitet, hat entweder keine Zeit gehabt, die RKI-Protokolle zu lesen oder er hat sich entschieden, sie nicht zu lesen, weil das Ergebnis unbequem wäre.
Stattdessen traten die Risiken ein, vor denen Kritiker gewarnt hatten: Ungeklärte Todesfälle nach der Injektion, teils schwere Nebenwirkungen, offene Fragen zu Langzeitfolgen. Und die Gesamtmortalität von Covid? Lag über alle Altersgruppen hinweg unter jener schwerer Grippewellen. Man darf das ruhig noch einmal langsam lesen. Die Massnahmen, die das gesellschaftliche Leben für Jahre zum Erliegen brachten, richteten sich gegen eine Erkrankung, deren Gesamtmortalität unter jener schwerer Grippewellen lag.
Auf dieser Grundlage wurde eine faktische Impfpflicht eingeführt. Lockdowns. Maskenpflicht. Die systematische Diskriminierung Ungeimpfter aus dem öffentlichen Leben – aus Restaurants, Kulturveranstaltungen, Arbeitsplätzen, sozialen Strukturen. Für junge, gesunde Menschen war all das nicht nur unverhältnismässig. Es war übergriffig. Es war ein politischer Eingriff ohne wissenschaftliche Evidenz, verkleidet als Bevölkerungsschutz.
Das moralische Erpressungsinstrument der Wahl lautete: «Du tötest Oma.» Ein Satz, der in seiner schlichten Brutalität seinesgleichen sucht. Junge Menschen, für die das Virus statistisch kaum eine Gefahr darstellte, wurden mit kollektiver Schuld beladen für den Tod von Risikogruppen – die man gleichzeitig isolierte, in Pflegeheimen einsperrte und von ihren Familien fernhielt. Die Logik dieser Konstruktion kann nicht verteidigt werden. Sie lässt sich nur wiederholen, laut und oft genug, bis die Wiederholung für Wahrheit gehalten wird.
Wer nicht mitmachte, wurde «Covidiot» genannt. «Schwurbler». «Querdenker». Die Diffamierung ersetzte die Auseinandersetzung. Das Etikett ersetzte das Argument. Und wer die Verhältnismässigkeit einforderte – Ärzte, Juristen, Epidemiologen, Wissenschaftler – wurde aus dem öffentlichen Diskurs gedrängt, aus Talkshows ausgeladen, auf Wikipedia zum Randphänomen umgeschrieben. Die Maschinerie der sozialen Kontrolle lief reibungslos. Sie lief im Namen der Wissenschaft.
Die staatlichen Übergriffe, moralische Diffamierung Andersdenkender, selektiver Konformitätsdruck – alles im Namen der Wissenschaft, der Sicherheit, des Gemeinwohls. Das Muster ist bekannt. Es ist nicht neu. Die Geschichte liefert genug Beispiele dafür, wie gutmeinende Funktionäre im Namen schützenswerter Ziele die Verhältnismässigkeit aus dem Blick verlieren – und wie lange es dauert, bis eine Gesellschaft bereit ist, das zuzugeben.
Ziviler Ungehorsam war in dieser Situation nicht nur legitim. Er war moralisch geboten. Das ist kein nachträgliches Heldennarrativ – es ist die logische Schlussfolgerung aus dem, was damals geschah. Wenn der Staat Druck ausübt, der über das wissenschaftlich Begründbare hinausgeht, wenn er Bürger moralisch erpresst, sozial isoliert und beruflich bestraft – dann ist der Widerstand keine Pflichtwidrigkeit. Er ist Pflicht.
Dass Fischer dafür bis heute berufliche Konsequenzen trägt, ist kein Einzelfall. Es ist Symptom. Symptom einer Klasse von Funktionären und Institutionen, die unwillig sind, die Geschehnisse zu revidieren – weil Revision Eingeständnis bedeutet, und Eingeständnis Verantwortung. Und Verantwortung, das haben diese Jahre gezeigt, ist die seltenste aller institutionellen Ressourcen.
Die wirklich peinlichen Figuren dieser Geschichte sind nicht jene, die Nein sagten. Sie sind jene, die heute noch so tun, als sei alles richtig gewesen. Die weiter nach Bestrafung der Abweichler rufen. Die aus dieser Zeit die Lektion gezogen haben, man müsse es «nächstes Mal konsequenter machen.»
Das ist die eigentliche Gefahr. Nicht der Virus. Nicht die Ungeimpften. Nicht die Schwurbler. Sondern der vermeintlich gutmeinende Funktionär, der im Namen der Sicherheit die Verhältnismässigkeit verliert – und der aus einer Niederlage nicht Demut zieht, sondern Entschlossenheit zur Wiederholung.
Patrick Fischer hat Nein gesagt. Er trägt die Konsequenzen. Die Frage, die bleibt, lautet nicht, ob er falsch lag. Die Frage lautet: Wer zieht die Konsequenzen für die anderen? Bisher niemand…
Wir erinnern uns: Im vorangegangenen Artikel ging es um eine Theorie, die jeden Widerspruch als Beweis ihrer eigenen Richtigkeit umdeutet. Wer zustimmt, sieht. Wer zweifelt, schläft noch. Das Deutungssystem, das sich selbst immunisiert. Die neue Gnosis im Jungschen Gewand. Schön analysiert, befand man allgemein. Präzise seziert. Gut geschrieben. Jetzt kommt der nächste Text. Und man möchte kurz innehalten. Denn was hier vorliegt, ist nicht die Kritik an jenem geschlossenen Deutungssystem. Es ist seine Vollendung.
Wir erfahren: Vor sechs Jahren wurde der Menschheit ein Angebot gemacht. Ein mächtiges Bewusstseinsfeld der Kontrolle wollte die Menschheit in eine transhumanistische Richtung bewegen. Die richtigen Leute wurden in die richtigen Positionen gebracht. Es gab Planspiele, Generalproben, eine globale Inszenierung. Das Hauptziel war, Zugang zum menschlichen Körper zu bekommen. Die mRNA-Therapie war nicht Mittel, sondern Zweck. Und – hier erreicht der Text seine spirituelle Klimax – die Entscheidung für oder gegen das Experiment habe jeder bereits vor dieser Inkarnation getroffen. Man lese das noch einmal. Vor dieser Inkarnation.Die Zeitlinien hätten sich getrennt. Aufklärung mit Fakten sei deshalb sinnlos. Beide Wege seien in Ordnung. Das Ganze sei letztlich ein Katalysator des Erwachens gewesen.
Nun gut. Wo fängt man an? Fangen wir mit dem Handwerk an, denn das ist tadellos. Die Manipulation-Taxonomie, die der Text aufstellt, ist nicht falsch. Es stimmt, dass Angst ein bewährtes Werkzeug politischer Steuerung ist. Es stimmt, dass PCR-Tests methodisch umstritten waren. Es stimmt, dass Massnahmen teils ohne ausreichende Evidenzbasis eingeführt wurden. Es stimmt, dass enorme wirtschaftliche Verwerfungen stattfanden, die wenigen nützten und vielen schadeten. Diese Kritikpunkte sind legitim, dokumentiert und wichtig. Man hätte sie aufgearbeitet verdient.
Aber dieser Text hat anderes vor.
Er beginnt mit einem Bewusstseinsfeld der Kontrolle – eine Formulierung, die präzise genug klingt, um seriös zu wirken und vage genug, um nie falsifizierbar zu sein. Wer ist dieses Bewusstseinsfeld? Keine Namen. Keine Strukturen. Keine verifizierbaren Entscheidungsketten. Nur ein diffuses Machtzentrum, das plant, inszeniert und steuert – und dabei so geschickt vorgeht, dass es sechs Jahre nach dem Ereignis immer noch kein Gericht der Welt identifizieren konnte. Das ist nicht Analyse. Das ist Mythologie. Und Mythologie ist mächtiger als Analyse, weil sie das Bedürfnis nach Bedeutung befriedigt, das Fakten allein nie stillen können.
Dann die Struktur. Der Text erklärt uns, wie Massenmanipulation funktioniert: Gefahr benennen, Werte bedrohen, Angst erzeugen, die eigene Agenda als Rettung anbieten. Vier Schritte. Klar. Präzise. Man nickt. Und bemerkt dabei nicht, dass der Text selbst exakt diesen vier Schritten folgt. Die Gefahr: Ein Bewusstseinsfeld mit transhumanistischer Agenda. Das bedrohte Wertvolle: Die menschliche Freiheit, der Körper, die Seele. Die Angst: mRNA als Zweck, potenzielle Toxizität je nach Charge, dauerhafte Pharmakundschaft. Die Rettung: Das Erwachen, die getrennte Zeitlinie, die Gemeinschaft der Sehenden. Vier Schritte. Lehrbuchhaft.
Was im vorigen Text als geschlossenes Deutungssystem kritisiert wurde, erreicht hier seine elaborierteste Form. Dort war der Einwand noch durch psychologische Abwehrmechanismen erklärbar. Hier ist er bereits vorinkarnatorisch verankert. Wer der Theorie widerspricht, hat das bereits vor seiner Geburt so entschieden. Es gibt buchstäblich keine Ebene mehr, auf der ein Argument greifen könnte. Das ist nicht Offenheit des Geistes. Das ist seine hermetischste Schliessung, nur von innen tapeziert mit Erleuchtungsrhetorik. Und dann die abschliessende Grosszügigkeit: Beide Wege seien in Ordnung. Wer sich hat impfen lassen, hat eben eine andere Vorentscheidung getroffen. Man hegt keinen Groll. Man will nicht retten. Man ist drüber hinaus. Was für eine spirituelle Reife. Was für eine buddhistische Gelassenheit gegenüber den Milliarden, die nun – je nach Toxizität ihrer Charge – potenziell ertragreichere Pharma-Kunden seien.
Das ist die zynischste Formulierung im gesamten Text, verkleidet als seine mildeste. Denn entweder ist die Impfung das, was der Text behauptet – ein geplanter Zugriff auf den menschlichen Körper mit potenziell toxischen Folgen – dann ist Gleichmut gegenüber den Betroffenen keine spirituelle Reife, sondern Gleichgültigkeit von bemerkenswerter Kälte. Oder der Text übertreibt – dann ist die ganze Konstruktion eine Bedeutungsmaschine, die reale Missstände in eine Weltformel presst, die zufällig den Erzähler ins Zentrum der Sehenden stellt. Beides gleichzeitig geht nicht. Der Text wählt beides gleichzeitig.
Das eigentliche Lehrstück liegt nicht in dem, was über COVID gesagt wird. Es liegt in der Architektur des Denkens. Eine Analyse, die mit Transhumanismus-Bewusstseinsfeldern beginnt und mit vorinkarnatorischen Entscheidungen endet, hat den Bereich der Politik längst verlassen. Sie ist Theologie. Und Theologie ist immun gegen Widerspruch – das ist ihre Stärke und ihre grösste Gefahr. Der Katalysator des Erwachens, zu dem COVID erklärt wird, hat offenbar nicht alle gleich aufgeweckt. Manche hat er in einen Traum geführt, der sich nur wacher anfühlt als der vorherige.
Das ist die subtilste Form des Schlafs: Wenn man in ihm überzeugt ist, endlich zu sehen…
Es gibt einen Moment, den man sich merken sollte. 27. August 1998, irgendwo in einem Konferenzraum, sitzt William Henry Gates III vor Anwälten des amerikanischen Justizministeriums. Auf dem Tisch die Monopolklage gegen Microsoft. In der Luft die Erwartung, dass der angeblich intelligenteste Unternehmer seiner Generation zumindest erklären kann, wie seine eigene Software funktioniert und welche Entscheidungen er in seinem eigenen Unternehmen getroffen hat. Was folgt, ist kein Verhör eines Verdächtigen. Es ist eine Performance.
Gates wurde von einem Augenzeugen als «ausweichend und nicht kooperativ» beschrieben. Er stritt über die Definition von Wörtern wie «Wettbewerb», «besorgt» und «wir». Frühe Teile seiner Aussage provozierten Gelächter beim Richter, als sie im Gericht gezeigt wurden – und das «Ich erinnere mich nicht» kam so oft, dass sogar der Richter schmunzeln musste. Ein Mann, der mit angeblich fotografischem Gedächtnis gesegnet ist. Der Harvard-Codebücher auswendig lernte. Der ein globales Softwareimperium aufbaute. Und der sich vor Gericht, unter Eid, an praktisch nichts erinnern konnte, was in seinem eigenen Unternehmen vorgefallen war. Nicht an E-Mails, die er selbst geschrieben hatte. Nicht an Strategiemeetings, an denen er teilgenommen hatte. Nicht an Entscheidungen, die seinen Namen trugen.
Man könnte das Inkompetenz nennen. Man könnte es auch etwas anderes nennen. Das Faszinierende ist nicht die Aussage selbst — Wirtschaftsbosse, die unter Eid plötzlich an kollektivem Gedächtnisschwund leiden, sind ein amerikanisches Grundnahrungsmittel. Das Faszinierende ist, was danach kam. Denn dieser Mann, der sich 1998 nicht erinnern konnte, was Microsoft tat, verwandelte sich in den folgenden zwanzig Jahren in den selbsternannten Retter der Menschheit. Impfungen. Landwirtschaft. Klima. Pandemievorsorge. Sonne. Alles. Überall. Gleichzeitig. Ungefragt.
Die Gates Foundation sitzt heute auf einem Stiftungskapital von 86 Milliarden Dollar und ist der grösste private Geldgeber der Weltgesundheitsorganisation WHO. Das bedeutet: Ein einzelner Privatmann, demokratisch nicht legitimiert, keiner Wahl unterworfen, keiner institutionellen Kontrolle verpflichtet, finanziert massgeblich jene Organisation, die globale Gesundheitspolitik definiert. Das nennt sich Philanthropie. In anderen Kontexten nennt man sowas strukturellen Einfluss ohne Gegenkontrolle. Aber weiter.
Am 18. Oktober 2019 fand in New York eine Übung statt. Event 201 — eine Pandemiesimulation, mitorganisiert von der Gates Foundation, dem Johns Hopkins Center for Health Security und dem Weltwirtschaftsforum. Auf der Tagesordnung ein neuartiges Coronavirus. Geübt wurden Koordination, Kommunikation, Eindämmung. Zwei Monate später meldete China die ersten Fälle eines neuartigen Coronavirus. Dass das eine Simulation war und das andere Realität, ist korrekt. Dass die zeitliche Koinzidenz mindestens eine Augenbraue hochziehen darf, ist ebenfalls korrekt. Den Rest überlässt man gerne dem Leser.
Dann ist da noch Jeffrey Epstein. Alle dokumentierten Interaktionen zwischen Gates und Epstein fanden nach Epsteins Verurteilung im Jahr 2008 statt. Nicht davor. Danach. Die DOJ-Unterlagen zeigen mehrere Treffen: Ein Abendessen im Dezember 2010, Begegnungen im April und Oktober 2011, ein Treffen in Norwegen im August 2012 und weitere Kontakte bis 2013. Gates selbst bezeichnete diese Kontakte als «schwerwiegenden Fehler im Urteilsvermögen» – eine Formulierung, die zumindest anerkennt, dass es einen Fehler gab.
Die DOJ-Unterlagen enthalten E-Mail-Korrespondenz zwischen Gates und Epstein über philanthropische Projekte, Kalendereinträge mit dokumentierten Treffen und Fotos von Gates bei Veranstaltungen, an denen auch Epstein teilnahm. Philanthropie also. Unter Philanthropen trifft man sich gerne bei Tee und Törtchen, auch wenn einer von beiden gerade wegen Sexualstraftaten verurteilt wurde. Man redet über globale Gesundheit. Das ist der Lauf der Dinge in diesen Kreisen. Die Gates Foundation hat mittlerweile eine externe Überprüfung der Verbindungen zu Epstein eingeleitet. Warren Buffett, langjähriger Unterstützer der Foundation, hat seinen Standpunkt auf «abwarten» gesetzt. Das sagt einiges.
Nun zu dem, was der Mann mit dem vergesslichen Gedächtnis heute tut: Gates ist der grösste private Landwirtschaftslandbesitzer der USA — über 270’000 Acres Ackerland, erworben über Scheinfirmen, jahrelang verschwiegen. Er finanziert Experimente zur Verdunkelung der Sonne, genannt Stratosphärisches Aerosol-Einspritzen, mit dem erklärten Ziel, die Sonneneinstrahlung zu reduzieren. Wer das für übertrieben hält, möge das SCoPEx-Projekt der Harvard University nachschlagen, mitfinanziert von – man ahnt es – Gates.
Kontrolle über globale Gesundheitspolitik. Kontrolle über Nahrungsmittelproduktion. Einfluss auf das Klima. Alles gleichzeitig. Alles unter dem Label Philanthropie. Alles von einem Mann, der 1998 unter Eid nicht erklären konnte, was in seiner eigenen Firma vorging.
Die wohltätigste Deutung: Bill Gates ist tatsächlich das, was er vorgibt zu sein – ein idealistischer Nerd, der zu viel Geld hat und die Welt verbessern will, dabei aber strukturell blind ist für die Macht, die er akkumuliert. Ein naiver Riese, der in Epstein einen Philanthropen sah, in der Sonne ein Problem und in Impfkampagnen die Lösung. Die weniger wohltätige Deutung überlässt man besser dem Leser. Der kann sich schliesslich selbst erinnern – auch ohne Eid.
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