Es gibt Tech-Milliardäre. Und es gibt Peter Thiel. Geboren in Frankfurt, gross geworden in den USA und Südafrika, Mitgründer von PayPal, erster Grossinvestor von Facebook, Stammgast bei Bilderberg. Wer wissen will, wie die Matrix im 21. Jahrhundert aussieht, sollte weniger Netflix schauen und mehr Beteiligungslisten lesen.

Thiel bewegt sich mit der Eleganz eines Hedgefonds zwischen liberalem Lifestyle und ultrakonservativer Politikförderung. Offen schwul, verheiratet mit Matt Danzeisen, zwei Kinder via Leihmutterschaft. Gleichzeitig finanziert er Kandidaten, die mit gesellschaftlicher Liberalität eher fremdeln. Widerspruch? Nur wenn man Ideologie für wichtiger hält als Einfluss. In der oberen Liga geht es nicht um Haltungen. Es geht um Hebel.

Dass der eigentlich mächtige Thiel im Prinzip eine von Angst beherrschte Kreatur ist, zeigt sich, wenn er mal wieder von ein paar Bürger-Journalisten wie ein getriebenes Tier davonrennt, schweissgebadet in Interviews sitzt oder vollkommen erbärmlich wie ein eingeschüchterter Schuljunge mit seinem psychopathischen Kumpel Alex Karp bei deren Auftraggebern in Tel Aviv sitzt.

Er war Mentor von JD Vance, formulierte den Satz: «Ich glaube nicht länger, dass Demokratie und Freiheit kompatibel sind.» Das klingt wie ein Bösewicht-Monolog. Ist aber schlicht eine strategische These. Demokratie verteilt Macht. Technologie konzentriert sie. Wer beides zusammenbringt, muss sich entscheiden, was er bevorzugt.

2004 gründete Thiel mit Alex Karp das Unternehmen Palantir Technologies. Der Name stammt aus Tolkiens Sehsteinen. Ein Werkzeug, das alles sieht. Militärs, Geheimdienste und Polizeibehörden nutzen die Software, um gigantische Datenmengen zu verknüpfen: Social Media, Finanzdaten, Mobilfunkspuren, Melderegister. Profile entstehen nicht mehr durch Observation, sondern durch Rechenleistung.

High-Tech-Konzerne wie Palantir, Anduril oder die israelische NSO Group Technologies übernehmen immer mehr Aufgaben im Sicherheits- und Überwachungssystem der USA. Übernommen wird das Ganze von privaten Firmen, demokratische Kontrolle wird zurückgedrängt. Dieses Modell ist nicht auf die USA beschränkt, in Europa bildet sich eine ähnliche Struktur.

Ein Beispiel ist Dream Security, ein Cybersecurity-Unternehmen mit Standorten in Tel Aviv, Wien und Abu Dhabi. Im Zentrum steht der frühere österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz. Nach seinem Rückzug aus der Politik wurde er direkt Teil dieses autoritären Hightech-Komplexes. Er ist Mitgründer von Dream Security.

In Deutschland wurde der Einsatz von Palantir teilweise vom Bundesverfassungsgericht kassiert. Trotzdem läuft das System in mehreren Bundesländern weiter. Sicherheit schlägt Skrupel. Effizienz schlägt Bedenken. Die Matrix arbeitet nicht mehr im Verborgenen.

Ein ebenfalls problematisches Unternehmen ist NSO Group Technologies, ein israelisches Technologieunternehmen, das für seine Spyware «Pegasus» bekannt ist. Es ermöglicht die Fernüberwachung von Smartphones. Die Software kann Gespräche mithören und unbemerkt die Kamera starten, Chats, Fotos und Kontakte auslesen oder auch Standortdaten erheben. Verschiedenen Berichten zufolge wurde von der NSO Group erstellte Software bei gezielten Angriffen gegen Menschenrechtsaktivisten und Journalisten in verschiedenen Ländern eingesetzt. Zudem spielte sie u.a. eine Rolle bei der Ermordung des saudischen Journalisten Jamal Khashoggi. Während WhatsApp und Apple das Unternehmen verklagten, kaufte das BKA 2021 heimlich die umstrittene Überwachungssoftware.

Predictive Policing ist das neue Orakel. Algorithmen berechnen Wahrscheinlichkeiten für Straftaten. Keine Kristallkugel, nur Statistik. Das Problem ist banal und gefährlich zugleich: Wenn Systeme Muster erkennen, werden Menschen zu Mustern. Wer ins Raster passt, wird interessant. Nicht wegen einer Tat, sondern wegen einer Prognose.

Datenschützer sprechen von «Orwellschem Potenzial». Politiker sprechen von Modernisierung. Bürger scrollen gelangweilt weiter.

Thiel ist kein Comic-Schurke. Er ist ein Investor in Strukturen. Daten sind das Öl der Gegenwart, nur geruchloser. Privatsphäre ist dabei kein moralisches Ideal, sondern ein Effizienzproblem. Wer alles weiss, kann alles optimieren. Märkte. Wahlen. Sicherheit.

Die Matrix braucht keine finstere Weltregierung. Sie braucht Kapital, Code und die Bereitschaft, Bequemlichkeit über Prinzipien zu stellen. Und während wir uns über Nebenschauplätze streiten, wachsen Serverfarmen. Still. Kühl. Effektiv.

Vielleicht ist die eigentliche Provokation nicht Thiels Zitat. Sondern die Frage, warum es so wenig Widerspruch auslöst…

Der Mann, der die Matrix mitfinanziert


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