Ohne Herrscher, ohne Drama: Die Wahrheit, die Autoritäre hassen. Der Begriff «Anarchie» ist so harmlos, dass man fast darüber stolpern könnte. Er bedeutet schlicht «ohne Herrscher». Nicht «ohne Hirn», «ohne Moral» oder «ohne Zukunft, weil wir alles in die Luft gejagt haben». Nein, einfach nur: Keine Obermuftis, keine Chefs, keine Leute, die meinen, sie müssten dir vorschreiben, wie du deine Frühstücksflocken sortierst.
Doch weil die Menschheit intellektuell seit Jahrzehnten auf Standby läuft, wurde «Anarchie» zu einem Horrorwort aufgebläht, das angeblich für Chaos, Bomben, Strassenschlachten und Leute steht, die einander mit Molotowcocktails bewerfen. Das ist so falsch, dass es fast schon wieder rührend ist, wenn es nicht so erbärmlich wäre. Die Mythen halten sich hartnäckiger als Politiker an ihren Sitzungsgeldern.
Die Wahrheit könnte simpler kaum sein: Anarchismus ist im Kern eine unpolitische Philosophie, die versucht, den Menschen nicht wie ein dummes Haustier zu behandeln, das ständig beaufsichtigt werden muss. Stell dir das mal vor: Individuen, die ihr Leben selbst regeln, ohne dass irgendein staatlich geprüfter Aufpasser ihnen erklärt, wann sie atmen dürfen. Für viele offenbar ein unzumutbarer Gedanke.
Anarchie ist die kühne Idee – und hier bitte einen Moment innehalten, falls das Gehirn kurz knistert – dass Menschen aus freien Stücken friedlich miteinander umgehen können. Ohne Drohkulissen, ohne Gesetze, die so kompliziert sind, dass nicht einmal Juristen sie verstehen und ohne Herrscher, die behaupten, alles diene «dem Gemeinwohl», während sie gleichzeitig überprüfen, ob die Staatslimousine schon gereinigt wurde.
Im Zentrum steht ein völlig abwegiger Gedanke: Menschen könnten durch Liebe, Freundlichkeit und gegenseitigen Respekt miteinander auskommen. Ein Albtraum für jeden Machtmenschen, ein Schock für autoritäre Charaktere und ein schwerer allergischer Anfall für Bürokraten.
Und weil diese Idee zu schön klingt, um sie einfach so stehenzulassen, hat man sie historisch verzerrt, karikiert und als jugendlichen Wahnsinn abgetan. Gleichzeitig leben all jene, die Anarchie verachten, in Systemen, die sie täglich bevormunden – und nennen das dann ernsthaft «Freiheit». Bravo.
Anarchie will nicht die Welt niederbrennen, sie will nur aufräumen. Vor allem die Leute entfernen, die sich ständig für wichtiger halten als den Rest. Die Philosophie fragt nicht: «Wer soll regieren?», sondern: «Warum brauchen wir überhaupt jemanden, der regiert?» Diese Frage ist so gefährlich, dass die meisten sie lieber nie stellen.
Und nun wisst du es: Anarchie bedeutet nicht Chaos. Es bedeutet nur, dass niemand über dir steht. Und dieses Wissen ist die halbe Miete – der Rest ist Mut.


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