Was da mittlerweile beim Zürcher Steueramt als «Prüfung» läuft, klingt weniger nach Formularen als nach einer professionellen Bestandsaufnahme deines Lebens. Laut Berichten (NZZ, Blick) und mehreren Insider-Hinweisen landen dort offenbar nicht nur Kontostände, sondern monatelange Handy-Ortungsdaten, Telefon- und Kontaktlisten, soziale Beziehungsanalysen, Kredit- und Debitkarten-Profile, private Kalender – ja, sogar Fotos aus Schlafzimmern. Keine Hollywood-Verschwörung, sondern Behördenalltag. Ohne richterlichen Beschluss. Die kantonale Datenschutzbeauftragte nennt das «hochsensibel». Treuhänder sagen «übergriffig». Bürger ziehen Konsequenzen.
Warum tut man das? Angst, ganz klassisch. Angst vor Wegzügen. Angst vor dem Steuerwettbewerb. Angst vor Einnahmeverlusten. Aus Angst wächst Kontrolle – und Kontrolle wächst zu einem Netz, das sich um alles legt, was atmet und in Zürich Geld verdient oder ein Konto hat. Die Sprache der Bürokratie nennt das «Notwendigkeit». Die Sprache der Betroffenen nennt das Totalüberwachung.
Natürlich: Niemand hat einen bösen Plan aus dem Keller geholt. Es geht nicht um Bosheit, sondern um Macht – ungeprüfte, selbstverständliche Macht. Politik ruft «Härte», Wirtschaft fordert «Sicherheit» und die Verwaltung liefert beides, indem sie die Grenzen des Zumutbaren Stück für Stück verschiebt. Schritt eins: Mehr Zugriff, mehr Daten, mehr Auswertung. Schritt zwei: Weniger Transparenz, weniger Kontrolle, mehr Automatismus. Und plötzlich kann ein Verwaltungsakt so tief in die Privatsphäre schneiden wie einst ein Staatsapparat mit anderen Mitteln.
Das Problem ist nicht nur technisch. Es ist politisch. Wenn Standortdaten plus Beziehungskarten als Beweismittel normal werden, dann reden wir nicht mehr über Steuern. Dann reden wir über eine neue Form der Verfügungsgewalt: Die Lebensdurchleuchtung. Die feine Grenze zwischen legitimer Kontrolle und dem gläsernen Bürger verschwindet wie Morgennebel unter der Sonne des Bürokratiemarketings.
Deshalb ist dieser Fall kein lokales Politikum, das man mit einem wohlformulierten Communiqué wegscheppern kann. Er ist ein Warnsignal. Ein Symptom dafür, wie unkritisch Macht in Verwaltungsgewändern akzeptiert wird, solange sie «Effizienz» oder «Sicherheit» verspricht. Und wer einmal zugelassen hat, dass Algorithmen, Private-Provider und Behörden sich Daten gegenseitig zuwerfen, darf sich später nicht wundern, wenn die nächsten Forderungen noch tiefer reichen.
Also: Dokumentieren. Fragen. Öffentlich machen. Nicht aus Panik, sondern aus Prinzip. Wir werden die Gesetzeslücken, die internen Abläufe und die politischen Hinterzimmer beleuchten. Nicht weil wir Staatsfeinde sind, sondern weil wir Menschen mit einem guten Gefühl für Würde bleiben wollen – und das behalten möchten, statt es algorithmisch verwalten zu lassen.







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