Neben den grobschlächtigen Zwangsmassnahmen, die man uns inzwischen mit der Feinfühligkeit eines Presslufthammers serviert, gibt es natürlich auch die elegantere Variante. Die mit Neonfarben, Emojis und dem Versprechen von Freiheit. Man nennt sie Kryptowährungen. Revolutionär, dezentral, rebellisch. Zumindest so lange, bis man genauer hinschaut und merkt: Das ist kein Aufstand gegen das System, das ist das Onboarding.
Besonders clever ist der Hype unter jungen Menschen. Endlich mal ein Finanzthema, das nicht nach Sparkasse und Dauerauftrag riecht. Stattdessen Charts, Memes, Influencer und die Illusion, man sei Teil einer digitalen Gegenkultur. Was dabei gern übersehen wird: Kryptowährungen besitzen exakt jene Eigenschaft, die auch das grosse, böse CBDC-Monster haben wird. Programmierbarkeit. Geld mit Bedingungen. Geld mit Ablaufdatum. Geld, das gehorcht. Aber hey, Hauptsache es fühlt sich nach Freiheit an.
Ironischerweise wird dieser Freiheitsrausch ausgerechnet von jenen befeuert, die später den Schlüssel zur digitalen Leine halten werden. Die aktuelle US-Regierung spielt begeistert mit, der Präsident flirtet öffentlich mit eigenen Krypto-Spielereien. Und während man uns erzählt, das alte Geldsystem sei marode, kauft ausgerechnet der innerste Machtzirkel Gold. Viel Gold. Nicht etwa eine Zentralbank, sondern Tether, eine der grössten Krypto-Plattformen der Welt, hält inzwischen mehr davon als so mancher Staat. Zufall, sicher.
Noch spannender wird es, wenn man sich anschaut, wer gerade in Washington die Handelsgeschicke lenkt. Howard Lutnick, ehemals Finanzchef von Cantor Fitzgerald, dem Vermögensverwalter von Tether. Ein Mann mit besten Verbindungen, bestem Insiderwissen – und einem offenbar ausgeprägten Hang zu physischem Edelmetall. Wenn jemand aus dem Maschinenraum der Macht lieber Gold stapelt, während man der Öffentlichkeit digitale Coins andreht, dann ist das kein Detail. Das ist ein Signal.
Parallel dazu marschiert die künstliche Intelligenz durch den Arbeitsmarkt wie ein Abrissbagger durch ein denkmalgeschütztes Viertel. Millionen Jobs wackeln, ganze Berufsgruppen verschwinden. Und mit ihnen das Fundament dessen, was Geld seit Jahrtausenden war: Gegenleistung für Arbeit. Wenn Arbeit verschwindet, wird Geld zum Steuerungsinstrument. Und genau dort will man hin.
Ob die Menschen diesen Übergang in eine vollprogrammierte Existenz widerstandslos mitmachen, ist offen. Sicher ist nur: Die Turbulenzen kommen. Und wer glaubt, das sei alles Zufall, glaubt wahrscheinlich auch, dass Geld plötzlich digital wird, weil es so praktisch ist.






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