Eine einzige Tomate. Geworfen am Rande einer 1100-Jahr-Feier in Bernau am Chiemsee, mitten in die Selbstinszenierung eines Mannes, der jahrelang jeden Leberkäse und jeden Big Mac wie eine Reliquie in die Kamera hielt. Getroffen, unverletzt, weggeführt von der Sicherheit – und aus diesem lächerlichen Kratzer macht die Bebilderung ein Attentat von historischem Rang.
Man kennt die Pose: Faust gen Himmel, Blut im Gesicht, die schützenden Leiber der Bodyguards, im Hintergrund die Fahne im Wind. Das Bild eines Gefallenen, der sich erhebt. Nur dass der Angreifer kein Schütze war, sondern eine überreife Frucht aus dem Gemüseregal. Der Gastropopulist, der die Republik mit Wurstvideos beglückte und den veganen Flugzeug-Salat öffentlich verhöhnte, wird ausgerechnet vom Gemüse heimgesucht, das er zeitlebens verachtete. Die Rache der Tomate.
Und weil eine geworfene Frucht als Heldenepos noch zu dünn ist, greift der Krieger zum Prügel. Er kniet im Tomatenfeld, drischt auf eine Armee zähnefletschender Killertomaten ein, während die Kamera das Drama festhält – bis ihn Millionen roter Fratzen unter sich begraben. Der Mann, der Politik durch Essensfotos ersetzte, endet unter dem Salat, den er nie gegessen hätte.
So sieht Grösse aus, wenn nichts Grosses mehr passiert. So wird aus einem Wurf ein Weltkrieg, aus einem Kratzer ein Kreuzzug. So verteidigt ein Ministerpräsident sein Vaterland gegen das Nachtschattengewächs – und nennt dies Standhaftigkeit!






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