Kein Sportwagen, kein Motorrad, kein gestohlener Streifenwagen. Der Held dieses Spiels reitet auf einem Waran. Ein Lieferant, eine Box mit Curry auf dem Rücken und unter ihm eine Echse, die sich durch indischen Verkehr schiebt, als hätte sie das schon immer gemacht. Willkommen im ehrlichsten Essenslieferungssimulator, den die Spielegeschichte nie offiziell herausgebracht hat.
Knapp dreissig Sekunden reichen, um zu verstehen, was die grossen Studios seit Jahren verschlafen. Während Rockstar den sechsten Teil seines Gangster-Epos auf den 19. November 2026 verschoben hat, damit am Ende jede Palme in Vice City glänzt, läuft hier der eigentliche Fortschritt: Ein Kurier, der mit einem Reptil den Stau umgeht, weil Räder in diesem Land ohnehin nur Dekoration sind.
Die Spielmechanik ist brutal einfach. Keine Tankanzeige, keine Versicherung, keine Hupe. Der Waran kennt nur zwei Geschwindigkeiten: Gemütlich und fluchtartig und beide sind schneller als jeder Roller in der Rushhour von Mumbai. Wer die Bestellung kalt abliefert, wird nicht mit einer schlechten Bewertung bestraft, sondern von seinem eigenen Reittier skeptisch beäugt. Der westliche Lieferdienst schickt derweil Roboter auf die Gehsteige und wundert sich, dass sie getreten werden. Eine Echse tritt niemand zweimal.
Natürlich wird irgendwer «Stereotype» rufen. Dieselben Leute, die in Los Santos seit 2013 Zivilisten überfahren und das Satire nennen. Indien hat im Gegensatz zu Miami wenigstens echte Warane. Hier ist der Lieferauftrag das ganze Spiel. Der Kurier schwitzt, die Echse schwitzt nicht, das Curry kommt an. Die Branche nennt das Fehlen von Budget Stil. Rockstar nennt dreizehn Jahre Wartezeit Politur. Und der Waran nennt den Verkehr einfach Frühstück!
(via Yurii Yeltsov)






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