Natalie Rickli hat dem Kanton Zürich die Treue geschworen. Im Oktober 2022, im Juni 2026 und gleich nochmals sechs Tage später. Jetzt, da Guy Parmelins Sessel frei wird, führt sie die Leserumfrage des Blick mit 34 Prozent an und lässt ausrichten, sie nehme sich Zeit und tauche nach den Herbstferien wieder auf. Treue hält bei ihr exakt so lange, bis ein grösserer Stuhl frei wird. Bezahlt haben dafür immer die anderen: Ungeimpfte sollten aufs Spitalbett verzichten, Stimmbürger auf vollständige Unterlagen, Prämienzahler auf hundert Franken und das Referendum. Wer ihr dabei im Weg steht, ob Basis, Parlament oder Stimmvolk, wird nicht überzeugt, sondern umfahren.

Rickli will in den Bundesrat, das Volk bezahlt: Intensivbett gestrichen, Busse versteckt, Franchise hoch

Treueschwur mit Kündigungsfrist

Im Oktober 2022 verzichtete Rickli auf die Maurer-Nachfolge, weil sie ihre Arbeit im Zürcher Regierungsrat weiterführen wolle. Am 11. Juni 2026 sagte sie der Partei für den Ständerat ab, mit derselben Begründung. Sechs Tage später stellte sie sich für eine dritte Amtszeit zur Verfügung, die SVP nominierte sie, gewählt wird Anfang April 2027. Nun heisst es plötzlich, eine Bundesratskandidatur müsse «wohlüberlegt» sein, die Meldefrist laufe ja bis zum 23. Oktober. Ihr Kantonalpräsident Domenik Ledergerber räumt offen ein, die Aussicht auf eine Bundesrätin überwiege. Zürich bleibt Herzenssache, solange Bern keinen Platz frei hat. Für Kompetenz hatte sie schon beim Amtsantritt eine elegante Formel: Ihre fehlende Erfahrung im Gesundheitswesen verkaufte sie als Vorteil der Unbefangenheit.

Das Muster ist älter als ihr Regierungsamt. Als Nationalrätin trommelte Rickli mit der Aktion «Gebührenmonster» gegen die SRG-Gebühren, während sie im Kader von Goldbach Media sass, jener Firma, die Werbung für SAT.1, Pro 7 und RTL vermarktet. Das Geschäftsinteresse des Arbeitgebers als Volksbewegung verkaufen: Dieses Handwerk beherrschte sie schon damals.

Rickli will in den Bundesrat, das Volk bezahlt: Intensivbett gestrichen, Busse versteckt, Franchise hoch

Spitalbett nur gegen Gesinnung

Am 1. September 2021 erklärte die Gesundheitsdirektorin, wer gegen die Impfung sei, müsste eigentlich per Patientenverfügung auf Spital- und Intensivbehandlung verzichten, denn Ungeimpfte belasteten das Gesundheitswesen. Eine SVP-Regierungsrätin, die ihren eigenen Wählern das Beatmungsgerät nur gegen die richtige Gesinnung aushändigen will: Laut SRG-Umfrage lehnte damals über die Hälfte der SVP-Anhänger die Impfung ab. Die Delegierten der Partei stimmten im August 2021 mit 181 zu 23 Stimmen gegen jene Massnahmenlinie, die Rickli umsetzte. Wie der Bund dieselbe Linie an der Urne verkaufte, steht unter Irreführung der Bevölkerung. Schon am 1. August hatte sie die Spritze zum besten Weg aus der Pandemie erklärt. Nationalfeiertag als Impfpredigt.

Die Konsequenz fehlte nur dort, wo sie selbst gefragt war. Die Corona-Subkommission des Kantonsrats attestierte dem Kanton, ungenügend vorbereitet gewesen zu sein, Rickli hatte im Sommer 2020 auf den Ausstieg aus den Massnahmen gedrängt. Im Februar 2022 war Zürich dann einer von nur drei Kantonen, die sich gegen die Aufhebung aller Massnahmen stemmten. Zu früh gelockert, zu spät losgelassen. Dazwischen zählte die Direktion ihre Geimpften in Excel-Tabellen und verordnete den Hausärzten ein Anmeldeprogramm, das diese als unbrauchbar bezeichneten.

Rickli will in den Bundesrat, das Volk bezahlt: Intensivbett gestrichen, Busse versteckt, Franchise hoch

Der Paragraf, der unterwegs verdunstete

Vom 3. Juli bis zum 31. Oktober 2025 lief die Vernehmlassung zum neuen Gesundheitsgesetz. In den Unterlagen fehlte ausgerechnet die Busse von bis zu 50’000 Franken beim Impfobligatorium und zwar doppelt, im geltenden Recht wie im Entwurf. Entdeckt haben das Impfkritiker, nach Ablauf der Frist. Die Direktion erklärte, auf dem Portal seien wegen eines technischen Fehlers zwei Buchstaben nicht übertragen worden, Absicht gebe es keine. Eine erstaunlich wählerische Technik: Sie verschluckt nie ein Komma, aber zielsicher jenen Satz, der im Nachbarkanton St. Gallen einen Proteststurm ausgelöst hatte. Mehr dazu steht unter der dreisteste «Fehler» der direkten Demokratie, das Vorbild aus der Ostschweiz unter Damanns Impfpflicht.

Nach demselben Rezept läuft die Franchise. Auf Antrag der Gesundheitsdirektion begrüsste der Regierungsrat am 10. Juni 2026 die Erhöhung der Mindestfranchise von 300 auf 400 Franken und lehnte eine Änderung des Krankenversicherungsgesetzes ausdrücklich ab. Der Bundesrat soll das in eigener Kompetenz erledigen, ein Gesetz erzeuge bloss «nicht notwendige Bürokratie». Übersetzt: Gegen ein Gesetz gibt es das Referendum, gegen eine Verordnung nicht. Wo das Volk stören könnte, wird es umfahren.

Rickli will in den Bundesrat, das Volk bezahlt: Intensivbett gestrichen, Busse versteckt, Franchise hoch

Siebzig Tote, null Verantwortung

Am 17. April 2020 lag auf Ricklis Tisch ein Brief eines leitenden Arztes, der an der Herzchirurgie des Unispitals «massive Verstösse» gegen die Patientensicherheit meldete. Ihre Direktion verlangte eine Stellungnahme des Spitalrats. Danach sei nichts geschehen, sagt der Absender, die Direktion widerspricht und verweist auf beauftragte Anwälte und Experten. Sechs Jahre später hält ein Untersuchungsbericht fest, dass die Patientensicherheit von 2016 bis 2020 nicht jederzeit gewährleistet war, die Rede ist von rund 70 möglicherweise vermeidbaren Todesfällen. Drei ehemalige Spitalräte traten zurück, die Aufsicht blieb im Amt. Die FDP will notfalls eine PUK, Ricklis eigene SVP sieht keinen Bedarf. Wie ungleich Zürich Verantwortung verteilt, zeigt Rickli bleibt, Fischer fliegt.

Bewerbungsmappe mit Totenschein

Ausgerechnet diese Frau soll Parmelin beerben, dem die Blick-Leser zu 82 Prozent die Note 5 oder 6 geben. Übernehmen soll sie ein Wirtschaftsdepartement, in dem die offenen Dossiers mit Washington und Brüssel warten. Geführt hat sie so etwas nie, dafür einen Ausnahmezustand. Die Romands fordern den Sitz zurück, sonst bliebe Elisabeth Baume-Schneider die einzige Westschweizerin in der Landesregierung. Einen Persilschein hat sie wenigstens: Das WEF liess 2023 schriftlich bestätigen, sie habe an keinem Programm für Young Global Leaders teilgenommen. Rickli dient keinem Kanton und keiner Basis, sie dient dem nächsten Amt. Dreimal hat sie Zürich die Treue geschworen, der letzte Schwur hält bis zum 23. Oktober. Ungeimpften wollte sie das Intensivbett streichen, Stimmbürgern den Strafartikel, Prämienzahlern das Referendum. Am 9. Dezember wählt die Bundesversammlung keine Bundesrätin, sondern eine Methode. Im Bundeshaus muss sie keine zwei Buchstaben mehr verschwinden lassen, dort genügt eine Verordnung!

rickli will in den bundesrat 03

Transparenzhinweis: Illustrationen wurden digital erstellt und dienen der Veranschaulichung. Der Beitrag wurde redaktionell geprüft und verantwortet.

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