Offensichtlich habe ich das Wort «headbangen» bisher falsch verstanden. Es ist… anders. Und es ist in Wahrheit – schmerzhaft. Während einer dieser Pflichtanrufe der Verwandtschaft zu meinem Geburtstag wurde indirekt mein Status abgefragt. Die Antwort sorgte auf der anderen Seite offenbar für Besorgnis, das Gespräch wurde ungewöhnlich schnell abgebrochen. Ich kenne nicht alle Aussagen von Lauterbach, aber eventuell hat er etwas über die mögliche Übertragung per Telefon abgelassen. Wer weiss das schon.
Es folgte gestern nach ein paar Tagen Stille eine Whatsapp-Nachricht. Enthalten ein Drosten-Podcast beim NDR und der gutgemeinte Rat: «Vielleicht mögt Ihr da ja mal reinhören.»
Äh. Nein. Eher nicht.
Nun habe ich mir ja irgendwann um den August 2021 geschworen, dass ich zwar im direkten Umfeld nicht offensiv auf Leute zugehe, aber auf solche Zurufe die Klappe nicht mehr halten werde. Gesagt getan. Mit einem kurzen Begleitschreiben schickte ich behende ein paar offizielle Zahlen von RKI, EMA und Paul-Ehrlich-Institut, garniert mit der Frage, wieso der NDR eigentlich bisher noch nicht über die 75 im zeitlichen Zusammenhang mit der Ihr-wisst-schon-was-Voldemort-Flüssigkeit verstorbenen Kinder berichtet hat.
Die Antwort war kurz und knapp: «Ihr glaubt also tatsächlich an eine Verschwörung. Ich fasse es nicht.»
Ich schwöre der Grund für meine Schnappatmung hatte nichts mit einem Virus zu tun. Nach einem kurzen vorbeugenden Besuch unter meinem heimischen Sauerstoffzelt fragte ich nach: «Was hat denn das mit einer Verschwörung zu tun, wenn ich Dir die offiziellen Zahlen der zuständigen Behörden schicke? Ich fasse es nicht.»
Nachdem ich die eigene Nachlässigkeit bemerkt hatte, nicht jede einzelne Aussage in meinem Begleitschreiben ordentlich bequellt zu haben, holte ich das natürlich noch nach, man will ja nichts schuldig bleiben.
Es folgte eine längere Zeit der Stille, die ich irrtümlich als «Nun liest die Person das wenigstens» fehldeutete.
Und dann kam: «So ein Quatsch. Kichersmilie.»
Headbangen hat nichts mit Hardrock-Musik zu tun.
Es ist der wiederholte Kontakt des Schädelknochens in Höhe der Stirnpartie gegen einen Holztürrahmen. Und es macht eine beträchtliche Beule. Nach einer Weile.
Was ich damit aber eigentlich sagen will, gerade denen von Euch, die mir so gut wie täglich den K(r)ampf mit der eigenen Familie berichten: «I feel you!» and very much so.
Wir endeten im Einverständnis, dass wir uns weiter lieb haben, aber die Positionen wohl doch sehr weit auseinander liegen.
Das alles wäre weit weniger schlimm, wäre da nicht die Erkenntnis, dass ich es mit einem Akademiker mit ordentlich Lebenserfahrung zu tun hatte.
Ein wesentlicher Satz meinerseits zum Schluss war dann: «Ich bin einverstanden. Auf der Entschuldigung – wann immer Du bereit bist dafür – werde ich allerdings bestehen.»
Ich weiss, dass ich sie annehmen werde.
Aber sie wird nötig sein. Sonst wird das nicht heilen können.
Und jetzt gehe ich Eis holen.
Für die akuten Folgen dieser Begegnung.
– Nico DaVinci







«Dravens Tales from the Crypt» bezaubert seit über 15 Jahren mit einer geschmacklosen Mischung aus Humor, seriösem Journalismus – aus aktuellem Anlass und unausgewogener Berichterstattung der Presse Politik – und Zombies, garniert mit jeder Menge Kunst, Entertainment und Punkrock. Draven hat aus seinem Hobby eine beliebte Marke gemacht, welche sich nicht einordnen lässt.








