We are Groot! Eigentlich kann man den ersten Teil gar nicht toppen und trotzdem ist «Guardians of the Galaxy Vol. 2» schlicht fantastisch. Die Wartezeit hat sich gelohnt, denn wenn man als Zuschauer bereits beim Vorspann ein fettes Grinsen im Gesicht hat, dann macht ein Film schon mal vieles richtig. Während die Dramaturgie zwar über weite Strecken schwächelt, wird dies durch Witz, ganz viel Familie und für Marvel sogar ungewöhnlich emotionale Momente wieder wettgemacht. Das neue Abenteuer beschert uns eine verdammt gute Zeit. Vol. 3 kann kommen!

Drei Jahre ist «Guardians of the Galaxy» nun schon her und endlich erleben wir die bunt gemischte Truppe wieder in Aktion. Dabei fühlt man sich bereits nach wenigen Minuten heimisch, wenn im lustigen Intro, welches vor allem durch die Musik und Tanzeinlagen von Baby Groot überzeugt, die Guardians zu Höchstform auflaufen. Gerade das Zusammenspiel der Figuren ist ausgezeichnet gelungen und Regisseur James Gunn weiss, wann er mit dieser abgedrehten Truppe plattgetretene Pfade verlassen kann. Besonders viel Wert legt Gunn dieses Mal auf das Thema Familie, welches nicht nur bereits durch den Kontakt zwischen Peter und seinem Vater an Bedeutung gewinnt, sondern weil es sich durch jede Faser dieses Films zieht und jede Figur betrifft. Jede(r) muss auf ihre bzw. seine Art mit der Vergangenheit aufräumen, sich Fehler und Versäumnisse eingestehen und erkennen, was wirklich wichtig ist. Daraus resultiert eine ungewöhnliche Stärke für einen Marvel-Film, denn «Guardians of the Galaxy Vol. 2» schafft es an einigen Stellen wirklich, Emotionalität zu erzeugen.

Gerade erst haben die «Guardians of the Galaxy» den Planeten Sovereign vor einem interdimensionalen Monster gerettet, da ziehen sie sich durch Rockets unbedachtes Verhalten auch schon wieder den Zorn der gesamten Bevölkerung auf sich. Bei der halsbrecherischen Flucht geht nicht nur das Schiff, sondern beinahe auch der Zusammenhalt der Truppe flöten. Doch dann taucht wie aus dem Nichts Peters (Chris Pratt) lange verschollener Vater Ego (Kurt Russell) auf und offenbart seinem Sohn eine unglaubliche Wahrheit. Während Star-Lord nun endlich die Freuden väterlicher Zuwendung entdeckt, wird schnell deutlich, dass er auf seiner langen Suche nach einer Familie diese eigentlich schon längst gefunden hat. Leider wars dass dann auch schon und so ist leider die Story weniger gelungen. Erst im letzten Drittel kommt Spannung auf und hat man als Zuschauer das Gefühl zu wissen, wohin die Reise überhaupt geht und um was sich alles dreht. So sind die Figuren die ganze Zeit so sehr mit sich und Nebengeschichten beschäftigt, dass für die eigentliche Hauptstory wenig Platz bleibt und auf dieser nur ein geringer Fokus liegt. Sobald dann alles klar ist, geht es auch schon wieder in einer grossen und nett gemachten Actionsequenz unter.

Auch ist der Soundtrack oder besser gesagt die Musikauswahl in «Guardians of the Galaxy Vol. 2» ein wenig unausgewogener als beim Vorgänger, doch über diese Schwächen kann man gut hinwegsehen, weil der Rest wirklich gelungen ist und vor allem die Witze dieses Mal noch deutlich besser zünden. Neben dem unglaublich süssen Baby Groot, den man einfach nur liebhaben muss, überrascht vor allem Dave Bautista als Drax als neuer Witzlieferant. War jener im Vorgänger noch recht blass, ist sein Zusammenspiel mit dem Alien Mantis (Pom Klementieff) einfach grossartig und liefert eine ganze Reihe von richtig guten Gags. Abgerundet wird das alles durch eine ganze Reihe an Gastauftritten, die wir hier nicht spoilern wollen. So menschlich wie diese Bande – voll Schadenfreude und Sarkasmus – war wohl noch kein Haufen Superhelden, egal ob auf der Erde oder im All. Die ca. 135 Minuten sind voller Action, die von grandios unterhaltsam bis ein bisschen zu viel des Guten reicht. Letzteres gilt auch für die neuen Welten. Man merkt, dass Gunn ein grösseres Budget zur Verfügung hatte und das prompt in CGI Landschaften gesteckt hat. Das Ergebnis ist sehr, sehr bunt. Zwar passen leuchtende Farben zur Welt der Guardians, aber man sieht sich doch recht schnell satt dran. Trotzdem ist das alles ein Spass, bisschen trippy, aber cool. Bei allem opulenten CGI zeigt sich übrigens wieder, dass das Herz der Guardians eben die Guardians selbst sind.

Dass man bei Marvel Filmen auch beim Abspann sitzen bleiben sollte, ist inzwischen hinlänglich bekannt. Aber so viele Post-Credits-Szenen wie hier gab es wohl noch nicht. Und wenn wir schon bei mehr ist mehr sind: auch Stan Lee bekommt mehr als nur eine Cameo! «Guardians of the Galaxy Vol. 2» fehlt zwar der Überraschungseffekt, aber er ist trotzdem ein riesengrosser Spass. Ein bisschen zu viel CGI und zu bunt an mancher Stelle, aber dafür mit tollen Neuzugängen wie Mantis, flotten Sprüche und auch emotional sitzt er. Mit den Big Bads tut sich Marvel aber weiterhin schwer. Vol 2. ist nicht besser als der erste Film, aber es ist ein rundum unterhaltsamer, abgefahrener und vor allem durchaus würdiger Nachfolger. Das absolute Highlight an diesem Streifen ist Baby Groot! Er war ja schon als grosser Baum zuckersüss und liebenswert, doch die Miniatur-Version mit grossen Augen und kleinem Verstand kann man nur ins Herz schliessen und darauf hoffen, dass dieses Baumwesen auf ewig ein Bonsai bleibt… :)


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