Zwei Albtraum-Architekten. Zwei Lebenswerke aus Anatomie und Angst. H.R. Giger als Player 1 mit säuregrünem Licht. Louise Bourgeois steht gegenüber, in elegantem Schwarz, mit der konzentrierten Wut einer Frau, die neun Jahrzehnte Trauma in Stahl gegossen hat. Streetfighter wollte einst Cyborgs und Yoga-Meister inszenieren – hier treten zwei Tote an, deren Werke seit Jahrzehnten Erwachsene aus Galerien fliehen lassen!
Hans Ruedi Giger malte, was andere unter dem Bett verstecken – Wesen aus Knochen, Schläuchen und Maschinen, ineinander verschmolzen zu dem, was er Biomechanik nannte. Der Kunstmarkt nannte es lange unverkäuflich. Während die etablierten Museen die Tür zuhielten, hängte sich der Metal seine Skelette an die Wand – Plattencover für Celtic Frost, Carcass, Dead Kennedys und Emerson Lake and Palmer. Wer keinen Platz im Kunstkanon bekommt, baut sich eben sein eigenes Museum im Schloss St. Germain in Greyerz.
Mit 71 Jahren brachte Louise Bourgeois eine MoMA-Retrospektive den Durchbruch. Was folgte, hat der Kunstmarkt nie ganz verdaut: Spinnen, Käfige, gepolsterte Räume, abgehackte Phallus-Skulpturen. 1999 goss sie «Maman», eine über neun Meter hohe Bronzespinne mit 26 Marmoreiern unter dem Unterleib – Hommage an die Mutter, die wie eine Spinne webte. Beide Künstler teilen denselben Witz, den der Kunstbetrieb nicht mehr beerdigt bekommt. Giger, vom Salonbetrieb zu Lebzeiten links liegen gelassen, hat den globalen Horror-Look der vergangenen vier Jahrzehnte geprägt. Bourgeois, von der Avantgarde mehrfach überholt und einmal vergessen, gilt heute als eine der einflussreichsten Bildhauerinnen des 20. Jahrhunderts. Beide haben gewonnen, indem sie nicht aufgehört haben.






«Dravens Tales from the Crypt» bezaubert seit über 15 Jahren mit einer geschmacklosen Mischung aus Humor, seriösem Journalismus – aus aktuellem Anlass und unausgewogener Berichterstattung der Presse Politik – und Zombies, garniert mit jeder Menge Kunst, Entertainment und Punkrock. Draven hat aus seinem Hobby eine beliebte Marke gemacht, welche sich nicht einordnen lässt.







