Demokratie ist ein wunderbares System. Besonders dann, wenn man weiss, wie man es bedient. Nicht für das Volk – das wäre naiv. Sondern gegen es. Effizient, medial abgesichert, parlamentarisch legitimiert und mit dem warmen Gefühl, das Richtige getan zu haben.

Es gibt eine Blaupause. Sie wird seit Jahrzehnten angewendet. Jedes Mal leicht aufgefrischtes Make-up, gleiche Knochen darunter. Und das Beste daran: Das Volk fällt jedes Mal wieder darauf herein, weil es jedes Mal glaubt, dieses Mal sei es anders. Dieses Mal sei es wirklich wichtig. Dieses Mal seien es wirklich sie, die entscheiden. Sie entscheiden nichts. Gar nichts. Aber der Reihe nach.

1) Der Skandalfall – massgeschneidert oder importiert

Zuerst braucht man ein Gesicht. Einen Fall, der empört. Idealerweise etwas Visuelles, etwas Emotionales, etwas, das sich in drei Sekunden erfassen lässt und sechs Wochen lang brennt. Entweder man greift auf einen bereits vorhandenen Prominenten zurück – Opfer oder Täter, je nach Bedarf – oder man produziert die Prominenz selbst. Die Mechanismen dafür sind wohlbekannt und werden nicht erklärt, weil sie nicht erklärt werden müssen. Wer Reichweite kontrolliert, kontrolliert, wer prominent ist. Der Rest ist Casting.

2) Die Experten – Wächter der vorbestimmten Meinung

Jetzt kommen die Fachleute. Juristen, Psychologen, Soziologen, Menschen mit Titel hinter dem Namen, die das sagen, was gesagt werden muss. Entweder ist der Fall noch nicht strafbar – dann braucht es ein neues Gesetz. Oder er ist bereits strafbar, aber nicht scharf genug – dann braucht es eine Verschärfung. Eine dritte Option gibt es nicht. Experten, die eine andere Einschätzung liefern, werden nicht eingeladen. Das nennt man Expertenkonsens.

3) Die Strassenumfrage – der kuratierte Volkswille-Simulator

Fünf Stimmen. Vier empören sich. Eine zögert leicht, wird aber sofort vom Schnitt erledigt. Das Volk hat gesprochen. Dass für jede eingefangene Empörung drei Menschen achselzuckend weitergegangen sind, ist für die Montage irrelevant. Die Strassenumfrage ist kein Meinungsforschungsinstrument. Sie ist Theaterdekoration. Aber sie sieht nach Realität aus und das ist alles, was zählt.

4) Der Aufmarsch – die inszenierte Mehrheit

Jetzt wird es aufwendig. Menschen auf der Strasse. Kerzen, Plakate, gelegentlich Tränen. Die Bilder gehen durch alle Kanäle. Was nicht gezeigt wird: Wer die Veranstaltung organisiert hat, wer die Logistik finanziert hat, wer die Claqueure mitgebracht hat, die sicherstellen, dass die Stimmung nicht kippt und die Botschaft einheitlich bleibt. Der Aufmarsch suggeriert: Die Mehrheit ist hier. Wer nicht hier ist, ist die Minderheit. Wer zweifelt, steht gegen das Volk. Gegen die Opfer. Gegen die Menschlichkeit selbst. Schöner Schachzug.

5) Das Versprechen – Rettung in Rekordzeit

Normalerweise dauert Gesetzgebung Monate. Jahre. Manchmal Jahrzehnte. Ausschüsse, Anhörungen, Debatten, Rückmeldungen, Überarbeitungen. Das alles kostet Zeit und produziert gelegentlich unerwünschte Einwände. Im Ausnahmezustand – und der wird hiermit erklärt – geht es schneller. Innerhalb von Tagen wird Rettung versprochen. Das erzeugt zwei Dinge gleichzeitig: Das Gefühl von Handlungsfähigkeit und das Gefühl von Dringlichkeit. Wer jetzt noch Fragen stellt, verzögert die Rettung. Wer verzögert, trägt Mitverantwortung. Die Logik ist wasserdicht – und vollkommen hohl.

6) Die Medienvorstellung – der Einheitschor

Das Gesetz wird vorgestellt. Gemeinsam mit Menschen, die ausnahmslos gleichreden. Gleiche Sprache, gleiche Empörung, gleiche Schlussfolgerung. Kein Dissens, keine abweichende Einschätzung, kein unbequemes «Aber». Das Studio ist eine Echokammer und die Echokammer ist die Demokratie. Wer in diesem Moment eine andere Meinung hat, schaltet ab und fragt sich, ob mit ihm etwas nicht stimmt. Das ist die gewünschte Wirkung.

7) Die Abstimmung – bevor die Vernunft zurückkommt

Zügig. Das ist das Schlüsselwort. Zügig beschlossen, bevor die Stimmung kippt. Bevor jemand nachfragt. Bevor Juristen, die nicht eingeladen wurden, ihre Einschätzungen veröffentlichen. Bevor das Volk merkt, dass das neue Gesetz nicht den Täter trifft, sondern es selbst. Bevor die Empörung sich gegen die Empörungsmaschine richtet.

Das Parlament beschliesst. Die Demokratie hat gesprochen. Der Rechtsstaat lebt.

Und irgendwo in einem Büro, das keine Kameras kennt, wird der nächste Fall vorbereitet. Das nächste Gesicht. Die nächste Empörung. Der nächste Schritt.
Sieben Schritte. Jedes Mal. Überall. Und das Volk schaut zu – und glaubt, es habe mitentschieden…

Gesetzgebung für Dummies: Die sieben Schritte zur demokratischen Volksverachtung


ANZEIGE: Du suchst nach dem einfachsten Weg, Bitcoin zu kaufen und selbst zu verwahren? Die Relai-App ist Europas erfolgreichste Bitcoin-App. Hier kaufst Du Bitcoin in wenigen Schritten und kannst auch Sparpläne einrichten. Niemand hat Zugriff auf Deine Bitcoin, ausser Du selbst. Relai senkt jetzt die Gebühr auf 1 %, mit dem Referral-Code REL105548 sparst Du weitere 10 %. (keine Finanzberatung). Disclaimer wg. EU-Mica-Regulierung: Die Dienste von Relai werden ausschliesslich für Einwohner der Schweiz und Italien empfohlen.

Psst, folge uns unauffällig!

Unterstütze uns!

 
«Dravens Tales from the Crypt» bezaubert seit über 15 Jahren mit einer geschmacklosen Mischung aus Humor, seriösem Journalismus – aus aktuellem Anlass und unausgewogener Berichterstattung der Presse Politik – und Zombies, garniert mit jeder Menge Kunst, Entertainment und Punkrock. Draven hat aus seinem Hobby eine beliebte Marke gemacht, welche sich nicht einordnen lässt.

Mein Blog war niemals darauf ausgelegt Nachrichten zu verbreiten, geschweige denn politisch zu werden, doch mit dem aktuellen Zeitgeschehen kann ich einfach nicht anders, als Informationen, welche sonst auf allen anderen Kanälen zensiert werden, hier festzuhalten. Mir ist dabei bewusst, dass die Seite mit dem Design auf viele diesbezüglich nicht «seriös» wirkt, ich werde dies aber nicht ändern, um den «Mainstream» zu gefallen. Wer offen ist, für nicht staatskonforme Informationen, sieht den Inhalt und nicht die Verpackung. Ich habe die letzten 2 Jahre genügend versucht, Menschen mit Informationen zu versorgen, dabei jedoch schnell bemerkt, dass es niemals darauf ankommt, wie diese «verpackt» sind, sondern was das Gegenüber für eine Einstellung dazu pflegt. Ich will niemandem Honig ums Maul schmieren, um auf irgendwelche Weise Erwartungen zu erfüllen, daher werde ich dieses Design beibehalten, denn irgendwann werde ich diese politischen Statements hoffentlich auch wieder sein lassen können, denn es ist nicht mein Ziel, ewig so weiterzumachen ;) Ich überlasse es jedem selbst, wie er damit umgeht. Gerne dürfen die Inhalte aber auch einfach kopiert und weiterverbreitet werden, mein Blog stand schon immer unter der WTFPL-Lizenz.

Es fällt mir schwer zu beschreiben, was ich hier eigentlich tue, DravensTales wurde im Laufe der Jahre Kulturblog, Musikblog, Schockblog, Techblog, Horrorblog, Funblog, ein Blog über Netzfundstücke, über Internet-Skurrilitäten, Trashblog, Kunstblog, Durchlauferhitzer, Zeitgeist-Blog, Schrottblog und Wundertütenblog genannt. Was alles etwas stimmt… – und doch nicht. Der Schwerpunkt des Blogs ist zeitgenössische Kunst, im weitesten Sinne des Wortes.

Um den Betrieb der Seite zu gewährleisten könnt ihr gerne eine Spende per Kreditkarte, Paypal, Google Pay, Apple Pay oder Lastschriftverfahren/Bankkonto zukommen lassen. Vielen Dank an alle Leser und Unterstützer dieses Blogs!
 


Wir werden zensiert!

Unsere Inhalte werden inzwischen vollumfänglich zensiert. Die grössten Suchmaschinen wurden aufgefordert, unsere Artikel aus den Ergebnissen zu löschen. Bleib mit uns über Telegram in Verbindung, spende, um unsere Unabhängigkeit zu unterstützen oder abonniere unseren Newsletter.

Newsletter

Nein danke!