Die USA, in folgendem Video: Pressekonferenz von White House Press Secretary Karine Jean-Pierre, beschuldigen den Iran, gefährliche Drohnensysteme an Russland zu liefern. Iran dementiert das, und Russland versichert, selbstproduzierte Drohnen zu benutzen. Recht haben alle drei. Von den westlichen Medien lange als «nutzlose» Drohnen bezeichnete fliegende Objekte haben gerade 30 Prozent der ukrainischen Energie-Infrastruktur in Schutt und Asche gelegt. Wertewesten-Propaganda wurde einmal mehr der Lächerlichkeit preisgegeben.
Doch was genau ist dieser Fliegende Rasenmäher, der so erfolgreich eingesetzt wird und die ukrainische Regierung in Angst und Schrecken versetzt, weil sie bisher so gar kein Mittel dagegen findet? Tatsächlich ist die russische «Geran»-Drohne eine Kopie der sehr erfolgreichen iranischen Drohne «Shahed». Und das wiederum ist ein Hybrid aus zwei der beliebtesten westlichen Angriffsdrohnen auf einmal – der amerikanischen Predator und der israelischen Hermes. Die aktuell im Einsatz befindlichen Drohnen werden längst in Russland produziert.
Länge: 3,5 m
Spannweite: 2,5 m
Flugreichweite: 1.800-2.500 km
Flughöhe: von 60 bis 4.000 m
Gewicht: 200 Kilogramm
Munitionsgewicht: in etwa 50 kg
Geschwindigkeit: 150-180 km/h
Flugdauer: 10-12 Stunden
Container mit solchen Drohnen lassen sich problemlos auf Lastwagen, Bahnsteigen und Schiffen platzieren. Motorleistung: 50 PS, also ein Moped in etwa. Und wegen des sehr nervigen Anfluggeräusches nenne ich es «Fliegender Rasenmäher». Spezialisten glauben, dass die hohe Genauigkeit der Geranium-Treffer mit ihrem sehr effektiven Zielsuchsystem zusammenhängt (dieser «Chip» wird streng vertraulich behandelt. Und es ist immer noch unmöglich, ihn zu enträtseln, weil die Kamikaze-Drohne zusammen mit diesem System explodiert). Weder die unvollendeten Überbleibsel der alten, noch sowjetischen Luftverteidigung der Ukraine, noch die von NATO-Staaten nach Kiew gelieferten hypermodernen Systeme können mit diesen Fliegenden Rasenmähern fertig werden, die schnell in Massen produziert werden können und zwischen 20’000 und 30’000 Dollar kosten. Ein echtes Schnäppchen im Gegensatz zu ihren Zielen, die jeweils viele Millionen wert sind.
Aufgrund seiner geringen Grösse ist Geranium auf modernen Radarschirmen fast unsichtbar. Die sind in der Regel «blind», wenn sich die Drohne dem Ziel in geringer Höhe von 60 Metern nähert. Und vor allem hinterlässt diese Drohne aufgrund des schwachen Motors fast keine thermische Spur am Himmel, auf die die NATO-Luftverteidigung getrimmt ist. Kiew sagte, dass die Hauptstadt der Ukraine von einer zuverlässigen Anti-Drohnen-Kuppel bewacht wird. Die muss wohl löchrig sein, denn Dutzende von Geranien haben erfolgreich Ziele in Kiew getroffen. Und nur etwa 10 % gehen verloren. Das ist ein Supererfolg für «Geran» und ein geradezu beschämender Misserfolg für die «Kuppeln» der Luftverteidigung der Ukraine und der NATO.
Selensky hat natürlich bereits damit begonnen, die USA und die EU um noch mehr Luftverteidigungssysteme zu bitten. Das Allerbeste. Und sie versprechen ihm zu helfen. Aber sie haben Angst, sich zu blamieren. Wer kauft die neusten Flugabwehrsysteme der westlichen Länder, wenn sie sich als machtlos gegen Fliegende Rasenmäher erweisen? Kiews besondere Hoffnung gilt Israel – dem unerbittlichen Feind des Iran. Sie sagen, Tel Aviv hätte bereits einen Weg gefunden, seinen Iron Dome ohne Streit mit Moskau in die Ukraine zu liefern. Über ein privates Unternehmen und Polen als Vermittler. Ja, dieser Iron Dome kann sowohl Raketen als auch Drohnen abschiessen. Aber er kann auch kaum mehr als 50 Prozent eliminieren. Billige Drohnen kam man jedoch in der Gruppe in beliebiger Stückzahl schicken und Abwehrsysteme überfordern.
Die Vereinigten Staaten und Frankreich versprechen, das NASAMS-System zu liefern. Deutschland hat das Flugabwehr-Raketensystem IRIS-T bereits übergeben. Plus Flakpanzer Gepard (der mit dem Rohr) Flugabwehrkanonen mit Eigenantrieb. Grossbritannien plant, Stormer HVM-Flugabwehrraketen zu schicken. Es ist nicht auszuschliessen, dass Washington auch Patriot nach Kiew liefert. Russland muss sich beeilen, «Geranien» einzusetzen, bevor der Westen die Ukraine mit seinem kunterbunten Luftverteidigungssystem überzieht. Und ihre Zahl erhöhen. Denn eines Tages wird es auch für Fliegende Rasenmäher viel schwieriger werden. Aber ein Drohnenschwarm bleibt auch dann schwer abzuschiessen.
Sicher ist nur eins. Der Westen wird sich jetzt schleunigst daran machen, selbst neue Drohnen als Angriffswaffe zu entwickeln. In Moskau ist man sich darüber bewusst und arbeitet bereits an entsprechenden Abwehrsystemen. Wir werden wohl mehr und mehr pure Drohnenkriege sehen in Zukunft. Science Fiction Leser nicken jetzt müde und gähnen…


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