Palantir hat am 18. April auf X (früher Twitter) ein 22-Punkte-Manifest veröffentlicht, das in der Fachwelt für Aufruhr sorgte – rund 35 Millionen Aufrufe, aber in der Mainstream-Presse weitgehend ignoriert. Der niederländische Populismusforscher Cas Mudde nennt es einen «Beweis für einen aufkommenden KI-Techno-Faschismus». Was das bedeutet, lässt sich kurz zusammenfassen: Eine US-Datenüberwachungsfirma hat beschlossen, der Welt ihr Weltbild aufzuzwingen – und niemand klatscht Beifall, ausser denen, die bereits von ihr profitieren.

Palantir-Manifest: Willkommen im KI-Techno-Faschismus

Infosperber-Autor Leo Keller hat das Manifest seziert. Das Ergebnis ist kein Paukenschlag – es ist ein Knall, der in den Redaktionsstuben trotzdem überhört wurde. «Guardian», «Spiegel» und «Tages-Anzeiger» berichteten. Die übrige Presselandschaft? Schulterzucken, weiterblättern, Abopreise erhöhen.

Das Versprechen und die Wirklichkeit
Vor 22 Jahren trat Palantir mit dem hehren Versprechen an, die Gesellschaft sicherer zu machen. Man wollte alle Daten der «Bösen» zusammenbringen. Edel, nicht wahr? Heute ist die Wirklichkeit eine andere: Palantir macht jene Überwachungsstaaten erst möglich, die rücksichtslos gegen die eigene Bevölkerung vorgehen und Kriegsverbrechen begehen. Das Unternehmen hat nicht die Bösen aufgespürt – es hat sich an sie vermietet.

Das Manifest stipuliert, dass der «Westen» – also im Wesentlichen die USA plus das wiederaufgerüstete Deutschland und Japan – die überlegene Kultur darstellt und sich durch Kriege, nicht durch Koexistenz, durchsetzen müsse. CEO Alex Karp schwadroniert von «dysfunktionalen und regressiven Kulturen» und Subkulturen, die sich «als mittelmässig und schädlich erwiesen haben». Populismusforscher Cas Mudde qualifiziert das nicht als überspitzte Tech-Bro-Rhetorik, sondern als White-Supremacy-Ideologie – und Punkt 21 gibt ihm recht: Bestimmte Kulturen hätten Wunder hervorgebracht. Andere nicht. Wer darf raten, wer wer ist?

Silicon Valley schuldet dem Pentagon Drohnen
Punkt 1 des Manifests ist in seiner Dreistigkeit fast schon bewundernswert. Die «Ingenieurselite des Silicon Valley» habe die «ausdrückliche Pflicht», sich an der Verteidigung der Nation zu beteiligen – weil das Silicon Valley nur existiert, weil Militärforschung die Grundlagen lieferte und die Finanzindustrie die Mittel. Mit anderen Worten: Du hast als Tech-Konzern Milliarden verdient, also schuldest du jetzt Drohnen.

Punkt 6 legt nach und fordert ernsthaft die Diskussion über einen allgemeinen Wehrdienst, damit «alle das Risiko und die Kosten teilen», wenn der «nächste Krieg» geführt wird. Der nächste Krieg. Nicht «eine mögliche Krise» oder «ein hypothetischer Konflikt». Der nächste Krieg – geplant wie ein Quartalsmeeting.

Das Atomzeitalter endet – Es lebe das KI-Zeitalter
Punkt 12 ist der Kern des Ganzen und er ist ungemütlich ehrlich: Das Atomzeitalter ende, ein neues Zeitalter der Abschreckung – aufgebaut auf KI – stehe bevor. Was das in der Praxis bedeutet, ist nicht abstrakt. Autonome Drohnen verfolgen in Gaza Sanitäter über mehrere Stationen, bis alle tot sind. Drohneninnovation im Ukrainekrieg verändert den Kriegsverlauf grundlegend. Henry Kissinger und Eric Schmidt haben in ihrem Buch «KI Genesis» vor genau dieser Entwicklung gewarnt und einen KI-Abrüstungsvertrag gefordert. Palantir fordert das Gegenteil – ungehinderte Aufrüstung im Interesse der USA. Punkt 5 wirft die Frage auf, wer KI-Waffen baut und zu welchem Zweck. Bis man merkt, dass Palantir die Antwort längst gegeben hat. Sie.

Palantir-Manifest: Willkommen im KI-Techno-Faschismus

Demokratie als Betriebsstörung
Besonders aufschlussreich ist, was das Manifest mit demokratischen Werten macht: Es verhöhnt sie. Pluralismus wird als «leere und hohle» Versuchung bezeichnet (Punkt 22). Demokratische Debatten über Technologieentwicklung gelten als «theatralisch». Man darf die Logik bewundern – eine Firma, die von staatlichen Aufträgen lebt, erklärt den demokratischen Diskurs für überflüssig. Und dann, fast nebenbei, Punkt 2: Das iPhone wird verhöhnt, Apps als «Tyrannei» bezeichnet. Wer eine Gesellschaft kontrollieren will, kann Freiheiten, die das Internet bietet, naturgemäss nicht gutheissen. Das ist kein Nebenpunkt – das ist der Schlüssel zum gesamten Weltbild.

Wer bezahlt, darf nicht kritisieren
Punkt 9 fordert mehr «Nachsicht» gegenüber Personen des öffentlichen Lebens – gemeint ist damit, dass Trump nicht kritisiert werden darf. Der Zusammenhang ist bekannt: Peter Thiel, Palantir-Mitgründer, ist seit Jahren enger Trump-Unterstützer. Die Firma ist eng mit der amerikanischen Regierung verflochten, profitiert von deren Milliarden-Aufträgen und verteidigt nun im selben Manifest die Person an der Spitze. Das ist nicht Meinungsfreiheit. Das ist Geschäftspolitik in Manifestform.

Eine Nebenbemerkung, die man nicht vergessen sollte: UBS und Schweizerische Nationalbank sind Aktionäre von Palantir. Die neutrale Schweiz – investiert in eine Firma, die Kriege plant, Demokratie als Hindernis bezeichnet und White-Supremacy-Rhetorik als kulturelle Analyse verkauft.

Kein Auftrag für niemanden – und genau das wird nicht passieren
Alle kritischen Stimmen, die das Manifest ernsthaft analysiert haben, kommen zum gleichen Schluss: Palantir sollte von keinem einzigen Staat einen Auftrag erhalten. Das klingt vernünftig – und ist deshalb naiv, denn Vernunft hat mit Beschaffungsentscheiden von Regierungen ungefähr so viel zu tun wie Transparenz mit Lobbyismus. Das KI-Zeitalter, das Palantir für die Menschheit geplant hat, kommt nicht mit Warnlicht und Demokratiedebatte – es kommt mit einem signierten Staatsvertrag, einer Pressemitteilung über «Sicherheitspartnerschaften» und einem Aktienpaket in den Händen eurer Nationalbank.

Die Drohnen kreisen schon, die Daten fliessen und die Mainstream-Presse schaut kollektiv weg – und das ist kein Zufall, sondern Programm! 35 Millionen Aufrufe auf X (früher Twitter) und die vierte Gewalt benötigt fast drei Wochen, um zu merken, dass jemand den nächsten Krieg ankündigt! Die Nationalbank kauft Aktien und nennt das Portfolio-Diversifikation und wer das noch Demokratie nennt, soll bitte erklären, wo genau die Volksherrschaft im 22-Punkte-Manifest steht!

Was vor 22 Jahren als Versprechen begann, die «Bösen» aufzuspüren, hat sich in eine Infrastruktur für staatliche Gewalt verwandelt – und Palantir nennt das Fortschritt! Wer Kriege plant, Pluralismus als «hohl» bezeichnet und White-Supremacy-Rhetorik als Kulturanalyse verkauft, hat die Demokratie nicht verloren, er hatte sie nie vor! Willkommen im KI-Zeitalter – ihr seid nur dabei, damit jemand die Drohnen bezahlt!

Palantir-Manifest: Willkommen im KI-Techno-Faschismus

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