Dreissig Stunden hat Dr. Markus Zschaber, einer der bedeutendsten Vermögensverwalter Deutschlands, damit verbracht, die wirtschaftlichen Kennzahlen seines Landes zu durchleuchten – und herausgekommen ist ein Kompendium der Katastrophe, das man eigentlich auf dem Spiegel des Bundeswirtschaftsministeriums kleben sollte.

Deutschland als Gesamtkunstwerk des Versagens

Aber vielleicht wäre das verschwendete Mühe. Denn Deutschland schaut ohnehin nicht mehr in den Spiegel. Den hat man längst abgehängt, mit einem atmungsaktiven Softshell-Jäckchen verdeckt und sich dann auf die Kurpromenade begeben, wo man jetzt entschlossenen Schrittes marschiert – als hätte man eine Expedition geplant, deren Ziel jedoch niemand kennt.

Der Deutsche in freier Wildbahn
Man begegnet ihm überall. In Florenz, auf Formentera, in Meran und im Zillertal. Er ist unverkennbar. Nicht wegen seines Auftretens – denn das setzt ein Mindestmass an gestalterischem Willen voraus – sondern wegen der vollständigen Abwesenheit jedes ästhetischen Anspruchs. Softshell, Windichtigkeit Klasse 3, DWR-Beschichtung, Multitaschen-Hosen mit dem Fassungsvermögen eines mittelständischen Werkzeughandels und Schuhe, die problemlos auf dem Mars Halt fänden. Dazu ein Deuter-Rucksack als Beweis, dass man die Lage ernst nimmt.

Der Freizeit-Deutsche ist permanent ausrüstend. Für alles. Jederzeit bereit, von der Eisdiele direkt in ein Krisengebiet verlegt zu werden – Wasser, Riegel, Kompressionsstrümpfe, Notfallpflästerchen und ein Restbestand an Selbstachtung, der irgendwo zwischen Hüftgurt und Reissverschluss verloren gegangen ist. Man gewinnt den Eindruck, zwischen Cappuccino und Laubengang könne jederzeit ein spontaner Gebirgsmarsch ausbrechen, für den man sich eben entsprechend gewappnet hat.

Italiener, Spanier, Franzosen, leicht gekleidet, manchmal riskant leicht. Hemden, die nichts beweisen wollen. Schuhe, die nicht für den Ernstfall gebaut sind. Farben, die sich nicht entschuldigen müssen. Der Deutsche daneben wirkt, als habe er den persönlichen Auftrag erhalten, die Zivilisation unter Feldbedingungen zu verteidigen.

Kleidung als politisches Bekenntnis
Kleidung ist nie nur Oberfläche. Sie ist ein Bekenntnis. Ein Ausdruck innerer Ordnung – oder ihrer Abwesenheit. Und was der Deutsche trägt, ist kein Stilfehler. Es ist ein Symptom.

Deutschland als Gesamtkunstwerk des Versagens

Die Diagnose lautet: Corona-Effekt im Dauerbetrieb. Jene Epoche der Videokonferenz, in der das Hemd oben Haltung simulierte, während die Hose unten bereits kapituliert hatte – wenn sie überhaupt noch da war. Ein Prinzip, das sich nicht nur technisch, sondern auch mental verfestigte. Oben hui, unten egal. Halb sichtbar, halb präsent, halb engagiert. Der Deutsche hat sich daran gewöhnt, nur noch halb gesehen zu werden. Und hat daraufhin beschlossen, auch nur noch halb zu gestalten. In der Freizeit. In der Politik. In der Wirtschaft.

Das Kompendium der Katastrophe
Hier schliesst sich der Kreis zu Zschaber. Dreissig Stunden Zahlen, dreissig Stunden Realität, die sich niemand in Berlin ansehen will. Was er dokumentiert, ist dasselbe Prinzip in anderer Schrift: Ein Land, das seinen politischen Kompass verloren hat und offenbar auch den Spiegel. Das sich seit Jahren in einem funktionalen Ausnahmezustand befindet – ausrüstend für alle Fälle, aber auf keinen Fall mehr konkurrenzfähig. Deindustrialisierung läuft als stiller Hintergrundprozess, die Energiepolitik hat Milliarden vernichtet, die Infrastruktur bröckelt, die Bürokratie wuchert und das Kapital wandert ab wie Touristen nach dem ersten Regen.

Deutschland, einst Exportmotor Europas, steht vor einer strukturellen Erosion, die keine Koalitionsrunde mit gut gemeinten Absichtserklärungen aufhalten wird. Zschaber hat die Zahlen zusammengestellt. Die Silhouette, die sich daraus ergibt, ähnelt frappant dem Bild auf der Kurpromenade: Nicht kaschiert, sondern kapituliert. Verwaltung statt Gestaltung. Stoff gewordene Aufgabe. Das ist keine Verdüsterung um des Dunkeln willen. Das ist Präzision.

Gleichgültigkeit als Systemzustand
Was irritiert, ist nicht die Hässlichkeit. Was irritiert, ist die Gleichgültigkeit gegenüber der Möglichkeit, besser zu sein. Schönheit ist kein Zustand – sie ist eine Entscheidung. Wirtschaftsstärke auch. Politische Handlungsfähigkeit auch. Man kann sich für all das entscheiden. Man kann es aber auch bleiben lassen, sich eine Multitaschen-Hose anziehen und so tun, als sei die Ästhetik des «Für alle Fälle» ein Programm und kein Symptom. Der Deutsche hat sich – aus Gründen, die noch zu klären wären – in der Freizeit und weit darüber hinaus dagegen entschieden. Gegen den Anspruch. Gegen den Spiegel. Gegen die Zumutung, sich zu zeigen.

Deutschland steht nicht vor dem Abgrund. Deutschland marschiert in Softshell und vollem Gepäck bereits die Böschung hinunter – und hält das für Vorbereitung.

Deutschland als Gesamtkunstwerk des Versagens
Deutschland als Gesamtkunstwerk des Versagens

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