Donald Trump, selbsternannter Sheriff des Universums und Hobby-Imperator mit Twitter-Finger, hat mal wieder die Achse der Realität verlassen. Diesmal fordert er nichts Geringeres als den sofortigen Rücktritt von Venezuelas Präsident Nicolás Maduro. Falls Maduro nicht freiwillig seine Koffer packt: Tja, Pech gehabt. Dann kommt eben der US-Kavallerie-Marsch – begleitet von «Demokratie», «Freiheit» und ein paar tausend Tonnen schlagkräftigem Überzeugungsmaterial.
Natürlich beruft sich Washington wie immer auf jene «Demokratischen Werte», die zuverlässig genau dann auftauchen, wenn irgendwo gigantische Erdölreserven herumliegen. Und siehe da: Venezuela besitzt die grössten bekannten Ölreserven der Erde. Welch glückliche Fügung! Eine Art göttlicher Wink, der den USA immer exakt dorthin führt, wo es am meisten nach Petroleum riecht. Manche nennen das geopolitischen Interesse, andere würden es schlicht «Erdölradar» nennen.
Jetzt wird’s allerdings spannend: Unsere westliche Wertegemeinschaft, die sich bei Russland zu Sanktionen, moralischer Empörung und diplomatischen Betroffenheits-Yoga-Posen regelrecht überschlagen hat, muss jetzt Farbe bekennen. Denn Venezuela liegt, überraschenderweise, nicht an der US-Grenze. Kein Einmarsch wegen «Territorialschutz», keine spontane NATO-Angstattacke. Nur ein Land am anderen Ende des Kontinents, das zufällig nicht macht, was Washington will.
Also, liebe EU, was machen wir?
Werden wir Millionen an Hilfsgeldern nach Venezuela pumpen, damit Maduro sich «gegen die völkerrechtswidrige Aggression der USA verteidigen kann»? Wie wir es ja so heldenhaft in anderen Fällen tun? Werden wir die USA mit Sanktionen belegen? Öl-Embargo? Eingefrorene Konten? Diplomatische Eiszeit?
Keine Sorge – ich lache schon selbst. Denn wir alle wissen, wie die Antwort lautet:
Man wird betreten auf den Boden schauen, etwas von «besorgniserregender Lage» murmeln und dann wieder brav die Transatlantik-Leine halten.
Und Deutschland? Ach Deutschland. Unser politisches Rückgrat hat die Stabilität eines halb aufgeblasenen Schwimmflügels. Wenn Washington niest, holt Berlin sicherheitshalber die Taschentücher. Aber immerhin wird man ein paar ernste Worte formulieren, die ungefähr so viel Wirkung haben wie ein Warnschild im Sturm.
Ich bin wirklich gespannt auf die Reaktion der Bundesregierung. Vielleicht gibt’s ja wieder eine Pressekonferenz, in der man sagt, man «verfolge die Lage aufmerksam» – jener hübsche Code für: Wir tun exakt nichts, aber in gutem Licht.
Kurzum: Trump droht mit Krieg, Venezuela sitzt auf Öl und der Westen wird zeigen, dass seine «Werte» flexibel genug sind, um sich in der Hitze eines Bohrturms elegant zu verflüssigen.
Bleiben wir dran. Wenn’s irgendwo knallt, weiss man zumindest, wessen Tank sich danach wieder füllt…







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