Der Great Reset wird alles verändern. Das ist keine Warnung aus dem Keller eines Aluhutträgers, das ist die Produktbeschreibung. Im Juni 2020 lancierte der heutige König Charles über seine Sustainable Markets Initiative gemeinsam mit dem Weltwirtschaftsforum eine Initiative, die unsere Welt neu aufbauen, neu entwerfen, neu beleben und neu ausbalancieren soll. Vier Verben für einen ganzen Planeten, null Stimmzettel.
Wer die Gästeliste dieser Weltverbesserer bis zu ihren Anfängen zurückblättert, stösst auf eine Ahnengalerie, bei der selbst ein abgebrühter Archivar zum Schnaps greift. Wer das Königshaus hinter der Initiative ausleuchtet, findet einen Grossonkel bei Hitler auf dem Berg und eine Krönung auf Kosten der Steuerzahler. Und wer nach vorn blättert, landet bei einer Bank in Basel, die über das Geld von morgen bereits absolute Kontrolle ankündigt.
Vier Verben, kein Mandat
Man muss den Planern eines lassen: Sie verstecken nichts. Schon das Begleitbuch aus Davos stellte klar, dass eine Rückkehr zur alten Normalität gar nicht vorgesehen ist. Wie das Ziel aussieht, durfte die Leserschaft des Forums bereits 2016 bewundern. Auf dem hauseigenen Kanal erschien der Zukunftsessay einer dänischen Parlamentarierin über das Jahr 2030: Sie besitzt nichts, kein Auto, keine Wohnung, keine Kleider. Ihr Wohnzimmer dient in ihrer Abwesenheit fremden Geschäftssitzungen. Irgendwo werde alles aufgezeichnet, was sie tut, denkt und träumt – sie hoffe nur, dass es niemand gegen sie verwende. Und wer sich dem Paradies verweigert, haust draussen in verlassenen Dörfern.
Fairerweise: Das war ein Szenario, kein Beschluss. Nur publiziert eine Organisation, die angeblich bloss diskutieren will, ausgerechnet diese Vision und schickt sie als Werbebotschaft um die Welt. Der Rest ist Zufall, versteht sich.
Die Krone: Kosten, Komplizen, Kalkül
Wer die Welt neu ausbalancieren will, beginnt am besten nicht bei sich selbst. Die Krönung im Mai 2023 kostete den britischen Steuerzahler laut Regierungsabrechnung 72 Millionen Pfund, davon knapp 22 Millionen allein für die Polizei – mitten in der Teuerungskrise und obwohl 52 Prozent der Londoner vorher gegen die Staatsfinanzierung waren. Der Boulevard hatte sogar mit bis zu 250 Millionen gerechnet – eine Summe, die keine Abrechnung je bestätigt hat. Gefragt wurde niemand, genau wie beim Great Reset.
Der jüngere Sohn Harry wiederum verlor im Mai 2025 vor dem Berufungsgericht: Kein automatischer Polizeischutz, sondern Prüfung von Fall zu Fall bei jedem Besuch. Wer also feste Millionenbeträge pro Jahr herumreicht, rechnet mit einer Leistung, die ihm kein Gericht zugesprochen hat.
Und dann ist da der Grossonkel. Edward VIII. erklärte 1933, es gehe England nichts an, was Deutschland mit den Juden mache, Diktatoren seien gerade sehr beliebt und England benötige womöglich bald selbst einen. 1937 empfing ihn Hitler auf dem Berghof. Nach dem Krieg versuchte ausgerechnet Churchill als Premier jahrelang, die erbeuteten deutschen Akten über den Herzog von Windsor aus der offiziellen Aktenedition herauszuhalten. Das Haus Windsor hat Übung darin, peinliche Kapitel zu verlegen.
Davos, die Ahnengalerie
Die frühe Geschichte des Forums erzählt das Forum selbst – mit erstaunlichem Stolz. Das zweite Treffen in Davos 1972 sollte Hermann J. Abs leiten, damals Chef der Deutschen Bank, der kurzfristig absagte. Als Redner kam immerhin Raketenmann Wernher von Braun. Abs sass im Krieg im Aufsichtsrat der IG Farben, jenes Konzerns, der KZ-Häftlinge schuften liess und Zyklon B herstellte. Parteimitglied war er nie, Hitler traf er nie persönlich – und nach kurzer Haft brachten ihn Amerikaner und Briten 1948 an die Spitze der Kreditanstalt für Wiederaufbau. Der britische Historiker Harold James attestierte ihm eine «direkte Mitschuld» an den Brutalitäten im besetzten Tschechien, der Haushistoriker der Deutschen Bank nannte ihn «eitel bis hin zur Menschenverachtung». Genau diesen Mann wollte ein junges Forum als Aushängeschild.
1973 stand das Treffen unter der Ehrenpatronanz von Prinz Bernhard der Niederlande, die Kommission der Europäischen Gemeinschaften erneuerte ihr Patronat. Bernhard bestritt bis zu seinem Tod jede Nähe zur NSDAP, 2023 tauchte dann seine originale Mitgliedskarte in seinem eigenen Privatarchiv auf. Kurz vor seinem Tod hatte er noch beteuert, er könne mit der Hand auf der Bibel schwören, nie ein Nazi gewesen zu sein. Derselbe Prinz hatte 1954 die Bilderberg-Konferenzen ins Leben gerufen. Und der erste Präsident der EWG-Kommission, Walter Hallstein, war zwar kein Parteigenosse, gehörte aber laut der CDU-nahen Adenauer-Stiftung dem NS-Rechtswahrerbund, dem NS-Dozentenbund und zwei weiteren NS-Verbänden an. Seine Kommission sollte nach dem Willen des Gründungspräsidenten die Keimzelle einer europäischen Regierung werden – auch das steht dort ohne jede Scham.
Man benötigte für dieses Europa also gar keine Parteibuch-Nazis. Es genügten Männer, die mitgemacht hatten und eine Nachkriegsordnung, die ihnen dafür die Schlüssel zum Kontinent überreichte.
Basler Gold, Basler Kontrolle
Bleibt die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel, die Zentralbank der Zentralbanken. Sie räumt heute selbst ein, im Krieg von der Reichsbank 3,7 Tonnen Gold erhalten zu haben, geraubt bei den Notenbanken Belgiens und der Niederlande und in der preussischen Münze umgeschmolzen, damit niemand die Herkunft erkennt. Schon im März 1939, wenige Tage nach dem Einmarsch in Prag, hatte sie Gold der tschechoslowakischen Nationalbank auf ein Konto der Reichsbank umgebucht – auf eine Anweisung hin, die, wie sich später zeigte, unter Zwang erteilt worden war. 1944 forderte die Konferenz von Bretton Woods die Auflösung der BIZ, die europäischen Notenbanker lobbyierten dagegen – und gewannen. Heute betreibt dieselbe Bank ein eigenes Innovationszentrum für das digitale Geld.
Wozu, hat ihr damaliger Generaldirektor Agustín Carstens im Oktober 2020 auf einem Podium des Internationalen Währungsfonds erklärt: Beim digitalen Zentralbankgeld habe die Notenbank absolute Kontrolle über die Regeln seiner Verwendung und die Technologie, sie durchzusetzen. Beim Bargeld wisse man eben nicht, wer gerade einen Hunderter ausgibt. Wie der Abschaltknopf in der Praxis funktioniert, hat die Selbstbedienungsausgabe des Great Reset bereits vorgeführt.
Völkermord? Wozu, wenn es die App gibt
In einschlägigen Kreisen heisst es gern, die Architekten dieses Umbaus wollten Milliarden Menschen umbringen. Für diese Behauptung existiert kein einziges Dokument und das angeblich aus Davos stammende Ausrottungszitat, das seit Jahren herumgereicht wird, steht in keinem Buch des Forums. Wer damit hausieren geht, schenkt den Planern das bequemste Alibi der Welt: Jede belegte Tatsache verschwindet im Lärm der erfundenen. Dabei ist die belegte Liste hässlich genug, wie jeder weiss, der sich die Frage nach der Verschwörungstheorie je ernsthaft gestellt hat. Wer schon den Pfälzer Grossvater eines US-Präsidenten, 1885 aus Kallstadt ausgewandert, zum Indiz einer Weltverschwörung erklärt, hat die Beweisführung endgültig dem Ahnenforscher überlassen.
Der Great Reset muss niemanden töten. Er muss nur jeden erfassen, jedes Konto programmierbar und jedes Eigentum zur Dienstleistung machen – die zweite Phase läuft längst. 1937 stand ein abgedankter König bei Hitler auf dem Berghof, 1972 ein IG-Farben-Aufsichtsrat auf der Einladung nach Davos, 2020 ein Thronfolger im Lancierungsvideo, 2030 steht dein Konto im Basler Regelwerk. Wer sich freiwillig abmeldet, muss nicht beseitigt werden. Aktennotiz: Bürger vorhanden, Eigentum entbehrlich, Privatsphäre in Abklärung. Der Great Reset wird alles verändern – nur die Gästeliste nicht!











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