Über Jeffrey Epstein, einen Psychiater der alten Schule und die Frage, warum ein Pädophilennetzwerk mit Geheimdienstanschluss seit Jahrzehnten ungestört operieren konnte.
Es gibt Aussagen, die man nicht ignorieren kann – nicht weil sie bequem sind, sondern weil sie von jemandem kommen, dem man das Unbequeme nicht einfach wegdiskutieren kann. Dr. Steve R. Pieczenik. Jude. Psychiater. Autor. Ehemaliger stellvertretender Staatssekretär unter Henry Kissinger. Ein Mann, der nicht am Rand der Macht stand, sondern mittendrin – in jenen Korridoren, wo Entscheidungen fallen, die nie in Protokollen auftauchen und nie in Lehrbüchern landen.
Seine Aussage ist klar, direkt und von vernichtender Präzision: Der Epstein-Pädophilering ist eine Mossad-israelische Operation. Sie reicht Jahrzehnte zurück. Und er fügt hinzu – als Jude, mit sichtbarem Unbehagen – dass er nicht stolz ist auf das, was amerikanische Juden hier getan haben.
Man kann das ignorieren. Man kann es als Verschwörungstheorie abtun, in jene bequeme Schublade schieben, die man immer dann öffnet, wenn eine Aussage zu präzise ist, um als Hirngespinst zu gelten. Oder man kann die Frage stellen, die sich aufdrängt: Wenn ein Mann dieser Biografie, mit diesem Zugang, mit diesem Hintergrund – und ohne erkennbares persönliches Interesse an der Aussage – so etwas öffentlich sagt, was genau muss noch passieren, damit der Mainstream aufhört, wegzuschauen?
Epstein – das Netzwerk, das keines sein durfte
Jeffrey Epstein war kein Einzeltäter. Das ist inzwischen dokumentiert, gerichtlich festgestellt, von Opfern bezeugt und von Ermittlern – soweit man sie liess – bestätigt. Er war der Knotenpunkt eines Netzwerks, das Mächtige versorgte, kompromittierte und damit kontrollierte. Finanziers, Politiker, Royals, Wissenschaftler, Medienmogule – die Gästeliste seiner Inseln und Residenzen liest sich wie das Adressbuch der westlichen Machtelite.
Was Pieczenik behauptet, geht einen Schritt weiter: Das war kein selbstorganisierter Perversionsclub eines exzentrischen Milliardärs. Es war eine Operation. Mit Struktur. Mit Auftraggebern. Mit dem Ziel, Einfluss durch Kompromittierung zu sichern – die weltweit älteste Geheimdiensttaktik, Honigfalle auf Hochglanz poliert und ins 21. Jahrhundert transferiert. Geheimdienstliche Kompromittierungsoperationen existieren. Das ist keine Theorie – das ist Lehrstoff an Geheimdienstschulen weltweit. Die Frage ist nie ob, sondern wer, für wen und mit welchem Ziel.
Der Tod, der keine Fragen beantwortet
Epstein starb 2019 in Untersuchungshaft. Selbstmord, lautete das offizielle Ergebnis – in einer Hochsicherheitszelle, unter Videoüberwachung, die in der entscheidenden Nacht ausfiel, mit einem Wärter, der schlief, mit gebrochenen Knochen im Hals, die Pathologen als unvereinbar mit Selbststrangulation beschrieben.
Der Chefpathologe des New Yorker Gerichtsmedizineramts sprach sich für Mord aus. Die Behörden blieben bei Selbstmord. Die Akten blieben geschwärzt. Die Mittäter blieben weitgehend unbehelligt.
Ghislaine Maxwell wurde verurteilt. Für wen sie die Mädchen besorgte, steht in geschwärzten Dokumenten. Nicht für die Öffentlichkeit. Nicht für die Opfer. Für das Archiv. Das ist die eigentliche Botschaft: Nicht das Verbrechen ist das System. Das Schweigen ist das System.
Pieczenik und die Grenze des Sagbaren
Was Pieczenik tut, ist in seiner Schlichtheit radikal. Er sagt, was viele denken und kaum jemand ausspricht – nicht weil es falsch wäre, sondern weil es Konsequenzen hat. Karrierekonsequenzen. Soziale Konsequenzen. Manchmal andere Konsequenzen.
Dass er es trotzdem sagt – und dabei explizit seine eigene jüdische Identität einbringt, nicht als Schutzschild, sondern als moralischen Kontext – ist bemerkenswert. Es ist die Aussage eines Mannes, dem die Wahrheit wichtiger ist als der Applaus.
Ob seine Analyse in jedem Detail stimmt, ist eine Frage, die Ermittler beantworten müssten – echte Ermittler, mit Zugang zu ungeschwärzten Akten, ohne politischen Druck von oben. Dass solche Ermittlungen nicht stattfinden, ist selbst eine Aussage.
Was bleibt
Epstein ist tot. Die Akten sind geschwärzt. Die Netzwerke funktionieren weiter – unter anderen Namen, mit anderen Gesichtern, mit derselben Struktur. Pieczenik hat gesagt, was er weiss. Oder was er glaubt zu wissen. Oder was er sagen durfte von dem, was er weiss. Der Unterschied zwischen diesen drei Möglichkeiten ist kleiner, als man hoffen möchte…







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