Jeden Freitag um 10:30 Uhr dröhnt im Konrad-Adenauer-Haus «Also sprach Zarathustra» aus den Boxen und dann hüpft die Parteizentrale der CDU durchs Atrium. «Disco-Pause» heisst das Ritual, das die ZDF-Serie «Inside CDU» der Nation vorführte: Ein Einpeitscher mit Mikrofon auf der Galerie, unten wippende Sachbearbeiter und über allem Friedrich Merz, der vom Wahlplakat lächelt.
Oben die Tanzfläche, unten die Peitsche
Elf Tage nach dem Serienstart stand derselbe Merz am CDU-Wirtschaftstag und dozierte: «Mit Vier-Tage-Woche und Work-Life-Balance werden wir den Wohlstand dieses Landes nicht erhalten können.» Die Pflegerin in der Nachtschicht soll also länger schuften, damit im Adenauer-Haus der Hüftschwung nicht einrostet. Der Wirtschaftsflügel legte nach und schrieb für den Parteitag im Februar 2026 einen Antrag mit dem Titel «Kein Rechtsanspruch auf Lifestyle-Teilzeit», denn die Solidargemeinschaft dürfe nicht die Work-Life-Balance von Aufstockern finanzieren. Lifestyle ist also, was der Verkäuferin zusteht, Disco ist, was sich die Partei gönnt. Dazu passt ein Kanzler, für den Versprechen Verfallsdaten tragen, während von Berlin bis Rom die Kassen leer sind.
Auf der Titanic spielte die Kapelle wenigstens für die Passagiere. Im Adenauer-Haus tanzt die Besatzung und brüllt dem Maschinenraum zu, er solle schneller schaufeln. Nero benötigte noch eine Leier, der CDU genügt ein Einpeitscher im Atrium, während das Land brennt…

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