DBD: Upphaf – Amon Amarth

Man muss den Schweden lassen: Wer zwei Jahrzehnte lang mit Doppelbass und Wikinger-Gebrüll ganze Festivalwiesen in Schildwall-Formation gebracht hat, kann sich den Luxus leisten, das Brett einmal beiseitezulegen. Amon Amarth haben mit «Upphaf» ihre erste rein akustische Nummer vorgelegt – und ausgerechnet die Band, die sonst klingt wie ein Langschiff beim Rammen, dreht die Verstärker auf null.

Was übrig bleibt, ist kein weichgespülter Lagerfeuer-Kitsch, sondern das nackte Skelett eines nordischen Epos. Die Wut des melodischen Heavy Metal ist weg, das uralte Gerüst darunter tritt hervor: Hypnotische Melodien, Chöre, die einen in Trance singen und die schwere Feierlichkeit einer mündlich überlieferten Sage. So, wie man sie sich unter dem Dach eines Langhauses erzählt hat – geflüstert im Schatten des Allvaters, während draussen der Met schwappte.

Und siehe da: Odin lässt sich offenbar auch ohne Blastbeats beschwören. Die Faszination der Band für den einäugigen Göttervater sitzt am Herdfeuer genauso tief wie auf der Stadionbühne, nur ohne Pyro und Pappmaché-Hammer. «Upphaf» ist der leise Moment vor dem Sturm, der Atemholer, bevor das nächste Studioalbum die Türen wieder aus den Angeln reisst. Man geniesse die Stille, solange sie hält – die Schweden haben das Aufwärmen zum Ritual erklärt und man ahnt schon, dass danach kein Stein auf dem anderen bleibt…

DBD: Upphaf – Amon Amarth
DBD: Upphaf – Amon Amarth

Das Mass der Bequemlichkeit: Warum die grösste rote Karte dem Gedächtnis gebührt

Ein Präsident greift zum Telefon, ruft beim Verbandschef an und wenige Stunden später darf ein gesperrter Spieler doch auflaufen. Die Fussballwelt kocht: «beispiellos», «unverständlich», «eine rote Linie überschritten». Und ausgerechnet jene, die vor fünf Jahren Millionen Menschen mit einem Klick vom öffentlichen Leben ausschlossen, entdecken plötzlich ihre Zuneigung zur Regel.

Das Mass der Bequemlichkeit: Warum die grösste rote Karte dem Gedächtnis gebührt

Der Vorgang selbst ist schnell erzählt. US-Stürmer Folarin Balogun stieg im Sechzehntelfinale einem Gegner auf den Knöchel, sah glatt Rot und wäre damit im nächsten Spiel gesperrt gewesen. Donald Trump hielt das für eine Ungerechtigkeit, rief bei FIFA-Boss Gianni Infantino an und bat um «Überprüfung». Die Disziplinarkommission setzte die Sperre daraufhin zur Bewährung aus – ein bei einer Ein-Spiel-Strafe unüblicher Vorgang. Belgiens Einspruch wurde als unzulässig abgewiesen, die UEFA sah eine rote Linie überschritten. Kann man kritisieren. Das sollte man sogar.

Der Aufschrei kommt fünf Jahre zu spät
Nur: Wer jetzt die reine Lehre von Fairness, Regelbindung und rechtsstaatlicher Gleichbehandlung predigt, sollte kurz in den eigenen Kalender schauen. Im Winter 2021/22 galt in Deutschland flächendeckend die 2G-Regel. Wer nicht geimpft oder genesen war, kam nicht mehr rein: Nicht ins Restaurant, nicht ins Fitnessstudio, nicht ins Konzert, in vielen Bundesländern nicht einmal in den Einzelhandel jenseits der Grundversorgung. Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags hielt selbst fest, dass es Ungeimpften damit «in erheblichem Masse erschwert» werde, am sozialen und kulturellen Leben teilzunehmen. Man muss das würdigen: Ein amtliches Papier beschreibt den Ausschluss – und der Ausschluss läuft trotzdem weiter.

Der Ausschluss traf nicht ein Häuflein Randständiger. Der Einzelhandel meldete vor Weihnachten 2021 Umsatzeinbrüche von durchschnittlich rund einem Drittel, in Mecklenburg-Vorpommern bis zu 70 Prozent. Ganze Kaufhausketten klagten, Gerichte kippten die Regel reihenweise wieder ein. Das war kein Randphänomen, das war der Alltag von Millionen – verordnet, kontrolliert, durchgesetzt.

Das Mass der Bequemlichkeit: Warum die grösste rote Karte dem Gedächtnis gebührt

Fremdschutz war das Zauberwort – bis es keiner mehr war
Und hier wird es hübsch. 2G wurde als Fremdschutz verkauft: Wer geimpft ist, steckt niemanden an, also darf nur rein, wer geimpft ist. Das Problem: Die Übertragungswirkung war nie das, was das Etikett versprach. Anfangs senkte die Impfung die Weitergabe messbar – doch mit der Delta-Variante und über die Zeit brach dieser Effekt weg. Britische Haushaltsdaten zeigten Sekundär-Ansteckungsraten von 25 Prozent bei geimpften gegenüber 23 Prozent bei ungeimpften Indexfällen – praktisch identisch. Das renommierte New England Journal of Medicine dokumentierte, dass der Übertragungsschutz nach der zweiten Dosis rasch nachliess. Wer also geimpft am Türsteher vorbeiging, konnte das Virus munter weitertragen – während der getestete Ungeimpfte draussen blieb.

Genau darin liegt der Witz: 2G sortierte nicht nach Ansteckungsgefahr, sondern nach Papierstatus. Ein negativer Test wies nach, dass jemand gerade nicht infektiös war. Er half nichts. Zwei Impfungen bewiesen gar nichts über die aktuelle Ansteckung. Sie öffneten jede Tür. Ein System, das den nachweislich Negativen aussperrt und den womöglich Positiven einlässt, ist vieles, nur nicht das, was auf der Packung stand. Wie diese Logik zur Panik-Maschine wurde, habe ich im Goldenen Zeitalter der Panik ausführlicher seziert.

Die Gerichte sahen die Willkür deutlicher als das Publikum
Es waren nicht wilde Aluhüte, die 2G kassierten, sondern Verwaltungsgerichte. Das Oberverwaltungsgericht Niedersachsen entschied im Dezember 2021, die Regel verstosse gegen den Gleichheitsgrundsatz und dürfe im Einzelhandel nicht mehr angewandt werden. Das Saarland setzte 2G im Januar 2022 komplett ausser Vollzug, Bayern kippte sie für den Einzelhandel wegen Unbestimmtheit. Ein ungeimpfter Pharmaziestudent klagte sich in Baden-Württemberg den Zugang zur eigenen Universität frei. Die Justiz erkannte den Konstruktionsfehler, während das breite Publikum noch applaudierte – und genau dieses Publikum spielt heute den Hüter der Regeltreue.

Das Mass der Bequemlichkeit: Warum die grösste rote Karte dem Gedächtnis gebührt

Wer damals klatschte, empört sich heute
Der eigentliche Skandal ist nicht die FIFA. Der eigentliche Skandal ist das Personal. Dieselbe Öffentlichkeit, die den Ausschluss von Millionen für vernünftig, notwendig, ja moralisch geboten hielt, findet jetzt eine ausgesetzte Ein-Spiel-Sperre für einen Fussballer unerträglich. Wer damals «draussen bleiben» rief, ruft heute «Regelbruch». Wer damals jeden Zweifel mit «Covidiot» und «Schwurbler» niederbrüllte, hat plötzlich die Rechtsstaatlichkeit für sich entdeckt. Meine Verbeugung vor denen, die den Preis dafür zahlten, steht im Tribut zu Ehren der Ungeimpften – die klatschen heute nicht mit.

Bleibt der entscheidende Unterschied, den die Empörten geflissentlich überspringen. Den FIFA-Zirkus muss niemand ansehen. Kein Mensch wird gezwungen, Eintritt zu zahlen, den Fernseher einzuschalten oder diesem Verband auch nur eine Sekunde Aufmerksamkeit zu schenken. Die FIFA macht ihre Regeln und wer sie ekelhaft findet, schaltet ab. Fertig. Der Ausschluss von 2021 dagegen war keine Option, die man wegklicken konnte. Er griff direkt in Arbeit, Alltag und gesellschaftliche Teilhabe ein. Man konnte nicht einfach «umschalten», wenn das eigene Land beschloss, dass man ins Kaufhaus nicht mehr gehörte.

Man muss die FIFA nicht mögen, um zu sehen, was hier passiert. Ein aufgehobener Platzverweis bringt die Wächter der Fairness auf die Barrikaden – der Ausschluss von Millionen brachte ihnen Applaus. Wer den einen Fall «beispiellos» nennt und den anderen bejubelt hat, misst nicht mit zweierlei Mass, er misst mit dem Mass der Bequemlichkeit. Empörung war noch nie eine Frage des Prinzips, sondern immer eine Frage der Betroffenheit. Und die grösste Rote Karte in dieser Geschichte gebührt nicht Balogun, sondern einem Gedächtnis, das exakt so lang ist, wie es gerade in den Kram passt!

Das Mass der Bequemlichkeit: Warum die grösste rote Karte dem Gedächtnis gebührt

ALL OUT OF BUBBLEGUM – THEY LIVE, WE SLEEP

KI-Synthwave-Musikvideo als Hommage an John Carpenters Klassiker „Sie leben!“, mit vielen attraktiven, süssen und sexy Mädchen. Video und Musik wurden von Elements of Glamour AI produziert und komponiert – und ist nicht ganz jugendfrei… ;)

ALL OUT OF BUBBLEGUM – THEY LIVE, WE SLEEP
ALL OUT OF BUBBLEGUM – THEY LIVE, WE SLEEP

Der Juli 2026 enthüllt: Was am Himmel geschieht, geschieht auch in dir

Am 4. Juli hat der Himmel geliefert, worauf die Sterndeuter seit Jahren warten wie auf ein lang verheissenes Zeichen: Mars und Uranus, exakt aufeinander, bei 3°51′ in den Zwillingen. Zwei Kräfte, die einander sonst fremd bleiben, rühren für einen Wimpernschlag gemeinsam an das verborgene Getriebe der Welt.

Der Juli 2026 enthüllt: Was am Himmel geschieht, geschieht auch in dir

Dazu spannte sich ein grosses Dreieck aus Feuer und Wasser über das Firmament – Pluto bei 4°48′ im Wassermann im Trigon, Neptun bei 4°24′ im Widder im Sextil. Die alten Deuter nennen es eine grosse Triade, ein Muster, in dem der Kosmos seine Absicht offenlegt. Etwas Elektrisches liegt in der Luft, ein Summen unter der Oberfläche der Dinge. Die Planeten stehen bereit, geladen, in Stellung für den nächsten grossen Übergang. Und niemand kann in diesen Wochen behaupten, die Zeit ruhe.

Ein Riss im Schleier der Alten Welt
Was sich da oben vollzieht, ist kein Schauspiel zur Zerstreuung. Es ist ein Erwachen mit Ansage. Die Konstellationen ordnen sich für ein neues Bewusstsein, für Erkenntnisse, die schneller kommen, als der Verstand sie fassen kann, für einen Spalt im Gewohnten, durch den ein Licht fällt, das keiner gerufen hat. Die alten Wege der Welt lösen sich auf und tun es in einem Tempo, das den Atem stocken lässt. Verhülltes tritt ans Licht, in jeder Kammer des Lebens. Und die Erde selbst atmet schwer, wirft ab, was sie nicht mehr trägt: Wetter, das aus den Fugen gerät, Feuer, Beben, Wasser. Aussen spiegelt sich, was innen längst in Bewegung ist.

Der Juli 2026 enthüllt: Was am Himmel geschieht, geschieht auch in dir

Der Eingeweihte kennt das Gesetz: Wie oben, so unten. Was am Himmel geschieht, geschieht auch in dir. Der Umbruch da draussen ist nur das Echo eines Umbruchs, der in jeder Seele bereits begonnen hat.

Der Bote kehrt um
Und dann, mitten in diesem Beben, tut ausgerechnet Merkur das Gegenteil von allem: Er wendet sich rückwärts. Vom 30. Juni bis zum 23. Juli zieht der Bote im Zeichen des Krebses seine Bahn zurück und seine Botschaft ist so schlicht wie unbequem: Vorwärtseilen ist nicht dasselbe wie Vorankommen. Der Kosmos treibt mit der einen Hand voran und hält mit der anderen inne. Wer darin einen Widerspruch sieht, hat das Geheimnis des Werdens noch nicht berührt.

Es ist eine Zeitqualität, die den Schlaf raubt und die Nerven bis zum Rand füllt. Man spürt den Druck in den Knochen, dieses Vibrieren, das nicht verstummt. Und die Versuchung ist gross, einfach loszustürmen, zu entscheiden, zu handeln, irgendetwas zu tun, nur um dem Ausgeliefertsein zu entkommen. Doch der Weg der Umkehr lautet anders: Erst fühlen, dann sinnen, dann sprechen. In dieser Ordnung, nicht anders. Spüre zuerst die alten Geschichten, die dich geformt haben, ehe der Verstand sich einmischt und alles zerredet. Und wenn du dann sprichst – Ende Juli, nicht früher – dann aus einer tieferen Ehrlichkeit heraus als je zuvor.

Das Königreich liegt in dir
Hier verlässt die Sache das Sterndeuten und wird zum Kern aller Lehre. Während die Datenströme dein Denken mit einem Ozean aus Rauschen fluten, während jede App nach deiner Aufmerksamkeit greift wie eine Gier, die niemals satt wird, gibt es einen einzigen Ort, an den du dich wenden kannst, um nicht verloren zu gehen: Nach innen. Halte dich an dir selbst fest. Werde still. Werde langsam. Nicht weil es fromm klingt, sondern weil es die einzige Bewegung ist, die dir keine Macht der Welt entreissen kann.

Der Juli 2026 enthüllt: Was am Himmel geschieht, geschieht auch in dir

Das wahre Königreich liegt in dir – du weisst, wer das vor über 2000 Jahren gesprochen hat. Und es gilt heute tiefer denn je, in einer Welt, die alles nach aussen verlagert hat, das Denken, das Fühlen, das Erinnern und sich am Ende wundert, warum die Leere in ihr wächst. Die Alten wussten es, die Mystiker wussten es, jeder wusste es, der je in der Stille sass und dem eigenen Herzschlag lauschte. Bleib nah bei dir. Das ist kein Rückzug. Das ist der einzige Aufbruch, der in diesen Tagen etwas wiegt.

Der Wandel als einzige Wahrheit
Die Sterne versprechen nichts. Sie zeigen nur an, was ohnehin im Kommen ist. Der Wandel geschieht, ob du die Hände hebst oder nicht, ob du an die Planeten glaubst oder sie für ein altes Spiel am Himmel hältst. Die Frage ist nie, ob sich alles verschiebt – die Frage ist, ob du dabei ganz wirst oder zerbrichst. Wer sich an die sterbende Welt klammert, geht mit ihr unter. Wer sich selbst hält, während alles andere fliegt, wird durch das Feuer hindurch neu geboren.

Das Rad dreht sich weiter, ob du zusiehst oder die Augen schliesst. Am Ende bleibt nur die eine Wahrheit, die keine Konstellation und kein Algorithmus je zum Stillstand bringt:

«Alles, was du berührst, veränderst du.
Alles, was du veränderst, verändert dich.
Die einzige bleibende Wahrheit ist der Wandel.»
– Octavia E. Butler, Parable of the Sower

Der Juli 2026 enthüllt: Was am Himmel geschieht, geschieht auch in dir

Die EU lässt dein neues Auto jetzt auf dich aufpassen – ob du willst oder nicht

Ab dem 1. Juli beobachtet dich dein eigenes Auto beim Fahren – lückenlos, unbestechlich und selbstverständlich nur zu deinem Besten. Eine Infrarotkamera an der Lenksäule zählt jeden Wimpernschlag, vermisst, wohin dein Blick wandert und ruft dich per Warnton zur Ordnung, sobald du es wagst, für zu lange aus dem Seitenfenster in die Landschaft zu schauen.

Die EU lässt dein neues Auto jetzt auf dich aufpassen – ob du willst oder nicht

Willkommen in der Ära, in der das Fahrzeug nicht mehr dir gehört, sondern dich erzieht. Das Ganze trägt den handzahmen Namen Advanced Driver Distraction Warning, kurz ADDW. Seit Anfang Juli ist es in jedem neu zugelassenen Wagen der EUdSSR verpflichtend an Bord, nicht als Option, nicht gegen Aufpreis abschaltbar, sondern als Grundausstattung, die sich laut EU-Verordnung 2019/2144 nach zwei bis drei Klicks brav von selbst wieder einschaltet, sobald ihre Sensoren erneut Gefahr wittern.

Die Salami liegt längst auf dem Tisch
Wer jetzt empört aufschreit, hat die vergangenen Jahre verschlafen. Die sogenannte General Safety Regulation der zweiten Generation schreibt Neuwagen gleich neun Assistenzsysteme vor und man hat sie uns nicht auf einen Schlag serviert, sondern in hauchdünnen Scheiben. Erst der Notbremsassistent, der eigenmächtig ins Pedal steigt. Dann der Tempowächter, der jedes Schild besser kennt als du. 2024 kam der Müdigkeitswarner, der brav das Zwinkern der Augenlider zählte. Und wer damals achselzuckend abwinkte, weil ein müder Blick ja tatsächlich gefährlich sei, hat genau die Scheibe geschluckt, die den nächsten Schnitt vorbereitet hat. Denn ADDW ist nichts anderes als dieser Müdigkeitswarner nach dem Aufstieg zur Vollüberwachung: Gleiche Kamera, gleicher Vorwand, ungleich tieferer Griff ins Cockpit.

Das ist das Muster, nach dem hier gearbeitet wird. Kein Parlament stimmt je über den Überwachungsstaat als Ganzes ab, weil das niemand durchwinken würde. Man zerlegt ihn in lauter vernünftige Einzelmassnahmen, von denen jede für sich betrachtet fast plausibel klingt. Der Alkoholtoten wegen. Der Handytoten wegen. Der Kinder wegen. Wer will schon als Herzloser dastehen, der sich gegen die Rettung von Menschenleben stellt, bloss weil ihm eine Kamera ins Gesicht glotzt? Und am Ende sitzt du in einem rollenden Verhörzimmer und fragst dich, an welcher Stelle du eigentlich zugestimmt hast.

Die EU lässt dein neues Auto jetzt auf dich aufpassen – ob du willst oder nicht

Nur eine Schnittstelle, ganz bestimmt
Parallel zur Blickkamera muss ab Juli jeder Neuwagen eine genormte Schnittstelle für ein Alkolock-Gerät mitbringen, jene Wegfahrsperre, die den Motor erst freigibt, wenn du ins Röhrchen geblasen hast. Noch heisst es beruhigend, es werde ja nichts eingebaut, es sei bloss alles vorbereitet. Das kennen wir zur Genüge. Zwischen «technisch vorbereitet» und «flächendeckend Pflicht» liegt erfahrungsgemäss genau eine Legislaturperiode und ein passender Empörungsanlass. Wer glaubt, eine Schnittstelle werde nur installiert, um für immer leer zu bleiben, glaubt vermutlich auch, dass die eingebaute Blackbox deine Fahrdaten aus reiner Sammelleidenschaft speichert und niemals jemand danach fragen wird.

Dass die Technik dabei nicht einmal funktioniert, ist fast schon Nebensache. Ein Praxistest an einem chinesischen Elektromobil ergab, dass das System bei jedem Seitenblick, jedem Griff zum Bildschirm und jeder Kontrolle der Kinder auf der Rückbank Alarm schlug. Ein Warnton also, der immer dann losgeht, wenn du dich wie ein verantwortungsvoller Mensch verhältst. Aber Funktionieren war noch nie die Voraussetzung dafür, dass etwas Pflicht wird.

Das Versprechen mit dem Verfallsdatum
Jetzt kommt der Teil, an dem dir die Beamten die Hand auf die Schulter legen: Keine Sorge, das System arbeite ganz ohne biometrische Daten und ohne Gesichtserkennung, alles bleibe im geschlossenen Kreislauf des Fahrzeugs, nichts gelange nach draussen. Ein rührendes Versprechen. Es hat nur den Schönheitsfehler, dass technische Fähigkeiten, die einmal verbaut sind, nicht danach fragen, was heute erlaubt ist. Die Kamera, die deinen Blick liest, kann prinzipiell auch dein Gesicht lesen. Die Elektronik, die deine Unaufmerksamkeit protokolliert, kann prinzipiell auch protokollieren, wer wann wie lange gefahren ist. Zwischen «kann nicht» und «darf nicht» liegt bloss ein Gesetzestext und Gesetzestexte werden in Brüssel geändert, während du schläfst. Was heute als Datenschutz-Garantie verkauft wird, ist morgen die Schnittstelle, die nur noch freigeschaltet werden muss. Diese Mechanik ist keine Spekulation, sie ist Methode, wie sich beim digitalen Ausweis in Echtzeit bestaunen lässt: Erst das Instrument, die Absicherung später, wenn überhaupt.

Die EU lässt dein neues Auto jetzt auf dich aufpassen – ob du willst oder nicht

Vision Zero heisst null Kontrolle, nicht null Tote
Über allem thront das Ziel mit dem hübschen Namen: Vision Zero, die Halbierung der Verkehrstoten bis 2030 und ihre Absenkung gegen null bis 2050. Und ja, rund 19’400 Menschen, die 2025 auf Europas Strassen starben, sind eine erschütternde Zahl. Nur folgt daraus eben nicht zwingend, dass die richtige Antwort eine Kamera ist, die jedem der übrigen paar hundert Millionen Fahrer beim Blinzeln zusieht. Dass der Neuwagen mit jeder Pflichtkamera, jeder Firewall und jeder Blackbox teurer wird, verkauft man dir als kleinen Preis der Sicherheit, während der Traum vom günstigen Erstauto still im Rückspiegel verschwindet. Ein Ziel, das buchstäblich «null» heisst, kennt ohnehin keine natürliche Grenze nach oben. Jede weitere Überwachungsstufe lässt sich mit dem einen Toten rechtfertigen, den man vielleicht noch verhindert. Und weil niemand öffentlich gegen weniger Verkehrstote sein kann, ist der perfekte Vorwand gefunden, um wirklich alles durchzusetzen, was in einer nüchternen Abstimmung nie durchginge.

So wird der Bürger Scheibe um Scheibe entmündigt und jede Scheibe kommt mit einem Beipackzettel voller guter Absichten. Man baut dir das Verhörzimmer ins Armaturenbrett, tauft es «Assistenzsystem» und schickt dir die Rechnung gleich mit. Der Neuwagen wird teurer, unfreier und geschwätziger und du sollst dich dafür auch noch bedanken, weil es ja um deine Sicherheit geht. Am Ende ist der gläserne Fahrer bloss die letzte Ausbaustufe des gläsernen Menschen – und die einzige Freiheit, die dir dieses Auto noch lässt, ist die Freiheit, brav geradeaus zu schauen!

Die EU lässt dein neues Auto jetzt auf dich aufpassen – ob du willst oder nicht

Anfälle, Migräne, Schlafverlust: Das Kleingedruckte deiner Beleuchtung mit LED

In der Deckenleuchte über dir sitzt ein Bauteil, das hundert Mal pro Sekunde verlischt und wieder zündet und dein Auge ist zu träge, es zu bemerken. Dein Nervensystem ist es nicht. Die kursierende Schauergeschichte bläst das zur geheimen Regierungsstudie und zum 23-prozentigen Schlafdiebstahl auf, und dieser Teil ist genau das, ein Gerücht. Was kein Gerücht ist: Das Flackern und das falsche Licht greifen messbar in Kopf, Hormonhaushalt und Schlaf ein und reguliert hat das niemand.

Anfälle, Migräne, Schlafverlust: Das Kleingedruckte deiner Beleuchtung mit LED

Zweimal die Netzfrequenz und das Licht zappelt
Eine Leuchtdiode hat kein Gedächtnis. Sie folgt dem Strom, den ihr Treiber liefert, ohne jede Verzögerung, und genau das unterscheidet sie von allem, was vorher in der Fassung sass. Wo die alte Glühwendel noch nachglühte, während der Wechselstrom kurz durch die Null ging, schaltet die Diode hart mit. Gleichgerichteter Netzstrom pulsiert mit der doppelten Netzfrequenz und dieses Pulsieren wandert ungebremst ins Licht. Im 60-Hertz-Amerika sind das die berühmten 120 Schläge pro Sekunde. Hier auf dem Schweizer 50-Hertz-Netz flackert dieselbe Lampe 100 Mal, nicht 120 und die kopierte Gruselbotschaft ist so amerikanisch, dass sie unser Stromnetz schlicht vergessen hat. Wie stark eine Lampe zappelt, hängt einzig an der Elektronik im Sockel und gute Elektronik kostet ein paar Rappen mehr, die sich kein Discounter aufschwatzen lässt. Die Glühbirne, die du angeblich vermisst, lief nie auf Gleichstrom, wie die Legende behauptet. Sie lief auf demselben Wechselstrom, nur war ihr Draht zu schwerfällig, um zwischen zwei Halbwellen abzukühlen. Genau diese Trägheit war ihr ganzer Charme.

Was das Flackern im Körper anrichtet
Das Gerücht von der geheimen Studie ist eines, der gesundheitliche Befund ist keines. Das US-Energieministerium erforscht das Flackern seit über fünfzehn Jahren offen, im Rahmen seines Programms für Festkörperbeleuchtung, und die zuständige Forscherin trägt in der Branche halb spöttisch, halb ehrfürchtig den Titel «Queen of Flicker». Schon 2015 hielt eine Ingenieurs-Empfehlung mit der schlichten Nummer 1789 nüchtern fest, was zu viel Flackern auslösen kann: Kopfschmerzen, brennende und ermüdende Augen, verschwommenes Sehen, Migräne, nachlassende Konzentration und schlechtere Leistung bei jeder Tätigkeit, die Augen benötigt. Bei den Empfindlichsten, Menschen mit Migräne-Geschichte oder Anfallsneigung, reicht die Spanne bis zu neurologischen Reaktionen und im Extremfall epileptischen Anfällen. Dazu kommt der Stroboskop-Effekt, der bewegte Dinge stehen oder springen lässt und im falschen Moment an einer laufenden Maschine lebensgefährlich wird. Nichts davon musst du bewusst sehen, damit es wirkt und genau das ist das Tückische. Der Haken liegt obendrauf: Diese Empfehlung ist freiwillig. Niemand hat flackerarme Treiber je zur Pflicht gemacht, also flackert der Billigschrott im Baumarktregal munter weiter, vollkommen legal.

Das warme Licht verboten, das Flackern in Ruhe gelassen
Verboten wurde nicht das Schädliche, verboten wurde das Ineffiziente. Der amerikanische Energy Independence and Security Act von 2007, unterschrieben ausgerechnet von George W. Bush und über beide Parteien getragen, schob die Glühbirne zwischen 2012 und 2014 aus dem Regal. Wie dringend dieser Rettungsakt war, zeigt ein hübsches Detail: Das Budget von 2012 strich kurzerhand die Gelder für die Durchsetzung des eigenen Verbots.

Anfälle, Migräne, Schlafverlust: Das Kleingedruckte deiner Beleuchtung mit LED

So eilig hatte es niemand, dass man dafür hätte bezahlen wollen. Die Schlagzeile lautete «Energieeffizienz». Was in keiner Schlagzeile auftauchte, war das Flackern. Brüssel zog mit demselben Reflex nach und drückte die Glühbirne europaweit aus dem Handel und wer den Mechanismus kennt, weiss längst, wie das läuft: Wird ein Verbot mit dem Wort «Effizienz» verkauft, lohnt sich der Blick darauf, was im selben Atemzug unreguliert durchrutscht.

Was das falsche Licht mit Schlaf und Hormon macht
Hier verschweisst die Gruselbotschaft zwei Dinge, die nichts miteinander zu tun haben. Das Flackern ist das eine, die zerschossene Nachtruhe das andere. Dass künstliches Licht am Abend dein Melatonin unterdrückt und deinen Tagesrhythmus verschiebt, ist gut belegt, nur liegt es nicht an hundert Pulsen pro Sekunde, sondern am blauen Spektrum, an der Helligkeit und an der Uhrzeit. Acht Lux genügen, weniger als deine Nachttischlampe, um den Takt zu stören und blaues Licht drückt das Schlafhormon rund doppelt so lange nieder wie grünes und verschiebt die innere Uhr um Stunden. Wer dauerhaft zu wenig und zu schlecht schläft, zahlt nicht mit Müdigkeit allein: Die Forschung verknüpft den chronisch gestörten Rhythmus mit gedrückter Stimmung, mit entgleistem Stoffwechsel und mit höherem Risiko für Übergewicht, Diabetes und Herz-Kreislauf-Leiden. Deine Schlaflosigkeit ist also tatsächlich teilweise dein Deckenlicht, nur nicht aus dem Grund, den dir das Kettenbriefchen einredet und die schöne Zahl von 23 Prozent in 90 Tagen hat keine auffindbare Quelle. Sie klingt nur so, als hätte sie eine. Und nichts entlastet die Verantwortlichen schöner, als wenn du am Ende dich selbst verdächtigst, dein Charakter sei träge und deine Laune ebenso.

Die Glühbirne ist nicht weg, sie heisst nur anders
Den einen wahren Kern hat die Legende mitgeliefert und prompt unter Erfundenem begraben: Die alte Birne ist nie verschwunden. Wärmelampen, stossfeste Lampen, Geräte- und Spezialbirnen sind vom Verbot ausdrücklich ausgenommen. Sie steht im Laden, unter anderem Etikett, für ein paar Franken. Du musst sie nur kaufen wollen und genau dieses Wollen hat man dir mit jahrelangem Effizienz-Sermon gründlich abgewöhnt.

Du benötigst keine Verschwörung, um krankgemacht zu werden, ein freiwilliger Standard und ein billiger Treiber genügen vollauf. Das schlechte Licht über deinem Kopf macht dich müde, reizbar und unkonzentriert, ganz ohne Drehbuch und ganz ohne Schuld bei dir. Und die ehrlichste Lichtpolitik wäre gewesen, das zu regulieren, was den Körper angreift, statt das zu verbieten, was die Stromrechnung trübt, doch genau diese Reihenfolge hat man umgekehrt und nennt das bis heute Fortschritt!

Anfälle, Migräne, Schlafverlust: Das Kleingedruckte deiner Beleuchtung mit LED

Die City of London ist nicht London: Hehlerei mit Drachenwappen und die Waschmaschine der Welt

Wer «London» sagt und an Big Ben, Doppeldecker und Sadiq Khan denkt, zeigt auf die Kulisse und übersieht den Tresor dahinter. Mitten in der britischen Hauptstadt liegt eine rund eine Quadratmeile grosse mittelalterliche Enklave, die rechtlich, politisch und historisch nicht London ist: Die City of London, ein Staat im Staat mit eigener Regierung, eigener Polizei, eigenem Bürgermeister und einem Privilegienpanzer, der älter ist als das britische Parlament. Während die Welt über Westminster diskutiert, läuft das eigentliche Geschäft zwei Kilometer östlich – diskret, unantastbar und seit Jahrhunderten bestens geölt.

Die City of London ist nicht London: Hehlerei mit Drachenwappen und die Waschmaschine der Welt

Die älteste Firma der Welt wählt sich selbst
Die City of London Corporation regiert die Quadratmeile seit einer Zeit, in der man Urkunden noch mit Siegelwachs beglaubigte. Wilhelm der Eroberer unterwarf 1066 ganz England – die City unterwarf er nicht, er bestätigte ihre Rechte per Charta. Jede britische Kommunalreform der vergangenen zwei Jahrhunderte machte einen artigen Bogen um das Gebilde. An der Spitze thront der Lord Mayor, ein Amt von 1189, nicht zu verwechseln mit dem Mayor of London: Der eine verwaltet die Metropole mit ihren Millionen Einwohnern, die andere – aktuell Dame Susan Langley als 697. Amtsträgerin – repräsentiert die Finanzindustrie. Gewählt wird sie nicht vom Volk, sondern von Aldermen. Und das Stimmvieh der Gemeindewahlen besteht mehrheitlich nicht aus Menschen, sondern aus Firmen: Unternehmen erhalten Stimmen nach Belegschaftsgrösse, die wenigen tausend echten Einwohner sind Statisten in ihrer eigenen Gemeinde. Dazu leistet sich die Enklave mit der City of London Police eine eigene Polizei, fein säuberlich getrennt von der Metropolitan Police, die für den Rest der Stadt zuständig ist.

Die City of London ist nicht London: Hehlerei mit Drachenwappen und die Waschmaschine der Welt

Ein Lobbyist mit Stammplatz im Unterhaus
Seit 1571 unterhält die Corporation den Remembrancer, einen Beamten, der im Unterhaus sitzt und mit einem eigenen Juristenstab jedes Gesetzesvorhaben daraufhin abklopft, ob es den Interessen der Quadratmeile schaden könnte. Keine andere Gemeinde der Welt leistet sich einen fest installierten Aufpasser im nationalen Parlament. Die City nennt das Protokoll und Traditionspflege. Jeder andere würde es Lobbyismus mit Hausausweis nennen.

Das Spinnennetz hat eine Adresse
Die Legende, die City operiere ausserhalb des britischen Rechts, greift dabei zu kurz – es ist schlimmer: Das Recht wurde über Jahrhunderte um sie herum drapiert. Das Tax Justice Network beschreibt das Vereinigte Königreich samt seinen Überseegebieten und Kronbesitzungen als Spinnennetz, dessen Satelliten – Cayman, Jersey, Britische Jungferninseln – das Kapital ansaugen, während im Zentrum die City sitzt und kassiert. Rund die Hälfte des weltweiten Offshore-Vermögens soll in britischen Jurisdiktionen lagern, über ein Drittel der globalen Steuerausfälle geht auf das Konto dieses Geflechts. Oligarchen, Kleptokraten, Kartellkassen und Geheimdienst-Schattenbudgets – wer Geld zu waschen hat, findet in der Quadratmeile Anwälte in Nadelstreifen, die nicht fragen, woher es kommt, sondern nur, wohin es soll.

Eine Quadratmeile Unantastbarkeit
Die Lösung läge auf dem Tisch und ist von beleidigender Einfachheit: Enklave eingemeinden, Firmen-Wahlrecht abschaffen, Remembrancer aus dem Parlament komplimentieren, moderne Bankenaufsicht durchsetzen – und dann zusehen, wie Billionen an dunklem Geld blinzelnd ans Tageslicht gespült werden. Doch genau das wird nicht geschehen, denn jede britische Regierung hängt am Tropf jener Branche, die sie zu beaufsichtigen vorgibt. Seit bald tausend Jahren verbeugt sich jede Krone und jedes Kabinett vor der Quadratmeile, die sie auf dem Papier regieren. Die Demokratie endet an der Temple Bar! Wer mitten in seiner Hauptstadt eine Geldwaschanlage mit eigener Polizei duldet, betreibt keinen Finanzplatz, er betreibt Hehlerei – und nennt dies «Tradition»! Und solange alle Welt empört auf Westminster zeigt, lacht sich die älteste Firma der Welt hinter ihrem Drachenwappen ins Fäustchen!

Die City of London ist nicht London: Hehlerei mit Drachenwappen und die Waschmaschine der Welt

NASURE: Das BAG baut offiziell das totale Überwachungssystem

Es gibt Wörter, die eine Behörde besser niemals auf ein Papier schreibt, weil sie sonst genau das verraten, was sie gerade tut. «Nationale Überwachungssysteme» ist ein solches Wort. Und der Bund schreibt es nicht nur hin, er wirbt ganz offen Architekten an, die es bauen sollen. Kostenpunkt der ersten Etappe: 45,3 Millionen Franken, freigegeben vom Bundesrat am 12. Juni 2026.

Willkommen bei NASURE, «National Surveillance and Response», zu Deutsch: Nationale Überwachung und Reaktion. Der Name ist kein Versehen eines übermüdeten Kommunikationsbeamten, sondern die ehrlichste Selbstbeschreibung, die aus diesem Amt seit Jahren gekommen ist. Denn während man dir bei jedem Kameramast erklärt, das Wort «Überwachung» sei böswillige Zuspitzung, verkauft dir das Bundesamt für Gesundheit dasselbe Wort als Fortschritt für deine Gesundheit.

NASURE: Das BAG baut offiziell das totale Überwachungssystem

Alles fliesst zu einem
Die Idee ist so simpel wie ambitioniert: Sämtliche Melde- und Überwachungssysteme für übertragbare Krankheiten werden in eine einzige nationale Plattform überführt, die alle in der Schweiz überwachten Erreger umfasst. Spitäler, Arztpraxen und Labore liefern ihre Daten nach dem sogenannten Once-Only-Prinzip direkt und automatisiert ans BAG, das sie analysiert, aufbereitet und weiterreicht. Once-Only klingt nach Bürokratieabbau. Es bedeutet in Wahrheit: Einmal erfasst, für immer zentral. Die Zettelwirtschaft, die während Corona angeblich alles lahmlegte, wird durch eine Maschine ersetzt, die nichts mehr vergisst.

Finanziert wird der Spass aus dem grossen Topf namens DigiSanté, für den das Parlament 392 Millionen Franken gesprochen hat, bei veranschlagten Gesamtkosten von 624 Millionen. NASURE selbst trägt einen Verpflichtungskredit von 50,3 Millionen Franken. Ein digitaler Käfig kommt eben nicht zum Nulltarif und bezahlen darfst du ihn selbst.

Corona als Generalschlüssel
Die Begründung ist immer dieselbe und sie ist mittlerweile so abgegriffen wie eine Türklinke im Bundeshaus: Die Pandemie. Damals hätten Meldungen mühsam von Hand übermittelt werden müssen, die Systeme seien nicht verbunden gewesen. Aus diesem Chaos zieht der Bund nun die einzig denkbare Lehre, nämlich mehr Zentralisierung, mehr Automatisierung, mehr permanenter Zugriff. Dass eine Krise, die vorbei ist, dauerhafte Infrastruktur rechtfertigt, hat System. Wie geschickt aus Ausnahmezustand Dauerrecht wird, habe ich an anderer Stelle ausführlich seziert.

NASURE: Das BAG baut offiziell das totale Überwachungssystem

Der Bauplan ist gestaffelt. Bis Ende 2028 stehen die Basisfunktionen für das obligatorische Meldewesen. Bis Ende 2034 folgt die zweite Phase, in der bestehende Altsysteme geschluckt werden: Das Sentinella-Meldesystem der Haus- und Kinderärzte, das Meldesystem für seltene Krankheitsbilder bei Kindern und schliesslich die Krönung der Bevölkerungsweiten Beobachtung.

Dein Abwasser lügt nicht
Denn in der zweiten Etappe wird das Abwassermonitoring integriert. Das ist die eleganteste Form der Überwachung, die je erfunden wurde, weil sie dich nicht mal fragt. Kein Test, keine Einwilligung, keine Meldung: Man liest einfach mit, was die Bevölkerung in die Kanalisation gibt. Aktuell werden so SARS-CoV-2, Influenza und RSV beobachtet, unabhängig von individuellen Tests. Es ist ein Abbild der Bevölkerung, das niemand freiwillig liefert und das trotzdem lückenlos entsteht. Wer glaubt, es bleibe bei drei Erregern, hat die Logik solcher Systeme nicht verstanden: Was messbar ist, wird irgendwann gemessen.

Das Gesetz kommt hinterher
Die rechtliche Grundlage? Läuft parallel und in die passende Richtung. Der Aufbau geschieht vorerst im Rahmen des geltenden Epidemiengesetzes, doch die Revision ist längst unterwegs, die Botschaft ging am 20. August 2025 ans Parlament. Sie verstärkt, digitalisiert und vernetzt die Überwachung, treibt die Genomsequenzierung voran und schafft die Grundlage für ein nationales Informationssystem, in das genetische Daten von Erregern aus Mensch, Tier und Umwelt einfliessen. Der Bund erhält dabei zusätzliche Kompetenzen bei nationaler Analyse und Überwachung. Erst baut man das System, dann schreibt man das Gesetz, das es erlaubt. Reihenfolge beachtet.

NASURE: Das BAG baut offiziell das totale Überwachungssystem

Nach oben durchgereicht
Und das Ganze endet natürlich nicht an der Landesgrenze. NASURE ist ausdrücklich auf Schnittstellen ausgelegt, die den Datenaustausch nicht nur kantonal und national, sondern auch international abwickeln. Passend dazu hat die Schweiz die revidierten Internationalen Gesundheitsvorschriften der WHO übernommen, in Kraft seit dem 19. September 2025, gestärkt in Prävention, Überwachung und Reaktion. Die nationale Datenmaschine ist also die Schweizer Zulieferung an ein globales Frühwarnsystem. Deine Grippe wird erfasst, ausgewertet und weitergereicht. Am Ende dieser sauberen digitalen Kette steht kein Hausarzt mehr, sondern eine Organisation in Genf, die dir noch nie in die Augen geschaut hat.

Das Bemerkenswerteste an der ganzen Sache ist, wie freimütig sie kommuniziert wird. Kein Leak, kein Whistleblower, keine geheime Akte. Der Staat sagt dir ins Gesicht, dass er ein nationales Überwachungssystem baut, nennt es beim Namen, beziffert die Kosten und lädt dich ein, die Stellen dafür zu besetzen. Wer sich über heimliche Datenkraken empört, während die offenkundige mit Bundesbudget und Pressemitteilung aufgebaut wird, hat schlicht nicht hingeschaut. Dass Überwachung nicht der Preis der Freiheit ist, sondern ihr Grab, ändert daran nichts.

Fast schon komisch wird es beim Blick aufs Konto. Ausgerechnet DigiSanté, aus dessen Topf NASURE gespeist wird, muss laut internen Notizen kräftig sparen, für 2027 sind rund 28 Millionen weniger vorgesehen. Fürs Zusammenlegen deiner Krankheitsdaten reicht das Geld also, für alles andere wird priorisiert. So sehen Prioritäten aus, wenn man ehrlich ist.

Der Staat baut dir eine Maschine, die alles über deine Krankheiten weiss und nennt das Fürsorge. Er liest dein Abwasser aus und nennt das Prävention. Er zentralisiert deine intimsten Daten und nennt das Effizienz. Und wenn du fragst, wo denn hier die Überwachung sei, zeigt er dir freundlich das Schild, auf dem «National Surveillance» steht und wundert sich, dass du dich wunderst!

NASURE: Das BAG baut offiziell das totale Überwachungssystem

Wie 33 Morde begannen: Wenn Antifaschisten Journalisten jagen und es Demokratie nennen

Die Galionsfigur der Bewegung war einmal Journalistin. Ulrike Meinhof schrieb Kolumnen, sass in Fernsehrunden und dozierte einem ganzen Land, wer die echten Faschisten seien – ehe sie zur Waffe griff und aus dem Antifaschismus eine Mordlizenz machte. Fünfundfünfzig Jahre später jagt dieselbe Gattung Gesinnungsrichter in Erfurt Reporter über den Asphalt, tritt einem am Boden liegenden Mann gegen den Hinterkopf und erklärt danach vor laufenden Kameras, das sei keine Gewalt gegen Journalisten, sondern gegen Faschisten. Der Kreis schliesst sich. Und keiner im Saal begreift, dass er gerade die Grabrede auf seine eigene Demokratie hält.

Wie 33 Morde begannen: Wenn Antifaschisten Journalisten jagen und es Demokratie nennen

So hat es schon einmal begonnen
Wer heute unter dreissig ist, kennt die Rote Armee Fraktion (RAF) bestenfalls aus einem Streaming-Dreiteiler mit gutem Soundtrack. Also zur Auffrischung: Gegründet 1970, die etablierte Journalistin Meinhof mittendrin, das Selbstverständnis antiimperialistisch, antikapitalistisch und – festhalten – ausdrücklich antifaschistisch. Die Bundesrepublik galt diesen Leuten als faschistoides System, jeder Amtsträger als legitimes Ziel, weil er die nicht aufgearbeitete NS-Vergangenheit angeblich weitertrug. Am Ende der Rechnung standen 33 Morde an Politikern, Staatsanwälten, deren Fahrern und ein paar Zufallsopfern, die halt im Weg standen. Angefangen hat das nicht mit Sprengsätzen. Angefangen hat es mit exakt jener Rhetorik, die du dieser Tage wieder in Dauerschleife hörst: Wir bestimmen, wer Faschist ist und gegen Faschisten ist jedes Mittel recht.

Das Beweisstück Erfurt
Am vergangenen Samstag tagte die AfD in Erfurt. Draussen sammelten sich rund 30’000 Menschen, mobilisiert hatte man das Doppelte. Der Parteitag begann trotzdem pünktlich, was den harten Kern derart erzürnte, dass er sich flugs ein Ersatzziel suchte: Drei Reporter, die eine Absprache von Demonstranten filmen wollten. Ein Ruf «Kamera» genügte als Startschuss. Danach wurden die drei durch die Innenstadt gehetzt, mit Flaschen, Steinen und Farbbeuteln beworfen, einer von ihnen am Boden liegend gegen den Kopf getreten. Die Polizei ermittelt wegen schwerer Körperverletzung. So weit die Sorte Bilder, bei der es einem kalt den Rücken hinunterläuft. Das ZDF nennt sowas ein «Fest der Demokratie«.

Wie 33 Morde begannen: Wenn Antifaschisten Journalisten jagen und es Demokratie nennen

Richtig übel wird es dort, wo aus dem Fusstritt Programm wird. Auf der Abschluss-Pressekonferenz weigerte sich das Bündnis «Widersetzen», die Angriffe auch nur zu verurteilen. Ein Sprecher fasste die Gesinnung in einen Satz, der als Grabstein taugt: Faschisten mit einem Presseausweis seien immer noch Faschisten und auf ihren Aktionen nicht willkommen. Übersetzt heisst das: Wer das falsche Etikett verpasst bekommt, ist vogelfrei. Prügel sind dann kein Verbrechen mehr, sondern Vollstreckung.

Wer die Grundrechte verteilt
Nachgelegt hat das Zentrum für Politische Schönheit, jene staatlich mitalimentierte Aktionskünstlertruppe, die sich selbst zur «einzigen von Björn Höcke anerkannten Terrororganisation» stilisiert. Deren Urteil: Die betroffenen Medien fielen «mit Sicherheit nicht unter die Pressefreiheit». Ein Grundrecht als Bonusprogramm, ausgeschüttet nach bestandener Gesinnungsprüfung. Wer so tickt, hat die Pressefreiheit nicht missverstanden – er hat sie abgeschafft und bloss den schönen Namen behalten. Auf der eigenen Startseite fragt dieselbe Truppe derweil öffentlich, wann man «eine AfD-Regierung stürzen» müsse und nennt die Lage die «Vorstufe eines Bürgerkriegs». Man muss ihnen lassen: Sie verraten wenigstens, was sie planen.

Dass ausgerechnet Reporter ohne Grenzen daran erinnern muss, die Pressefreiheit sei kein Gesinnungsprivileg und gelte auch für Medien, deren Haltung einem nicht in den Kram passt, sagt alles über den Zustand der selbsternannten Guten. Es ist derselbe Reflex, den ich schon an jener SPD-Vorsitzenden festgemacht habe, die Meinungsfreiheit predigt und im selben Atemzug die Marketingabteilungen abtelefoniert: Die Antifa von einst kämpfte gegen Berufsverbote, die Antifa von heute organisiert sie.

Wie 33 Morde begannen: Wenn Antifaschisten Journalisten jagen und es Demokratie nennen

Der Zeigefinger in die falsche Richtung
Zur Redlichkeit gehört der Stachel gegen die eigene Pointe: Die grosse Mehrheit der 30’000 stand einfach da, hielt Schilder hoch und schlug niemanden. Die Polizei rechnete mit gegen 2500 mutmasslich Gewaltbereiten, zählte am Ende 65 Straftaten. Das ist eine Minderheit. Nur eine, die den Ton angibt und der in den eigenen Reihen keiner in die Parade fährt. Und wo eine Distanzierung fällig gewesen wäre, kam die Rolle rückwärts: Eine ARD-Börsenmoderatorin warf im Fernsehen nicht den Schlägern etwas vor, sondern der AfD, die sich nicht distanziert habe – obwohl deren Vorsitzende die Attacken längst öffentlich verurteilt hatte. Übrig bleibt die eiserne Grundregel des Milieus: Geschieht etwas Schlechtes, muss die AfD schuld sein. Selbst der öffentlich-rechtliche Faktencheck kommt am Ende zum Schluss, dass weder «Apollo News» noch die «Junge Freiheit» als extremistisch eingestuft sind und die «Faschisten»-Vorwürfe schlicht nicht belegt sind. Nur interessiert das den Mob so wenig wie den Richter das Alibi.

Die Redner auf jener Bühne halten sich für das Bollwerk gegen den Faschismus und merken nicht, dass sie längst dessen Handwerk gelernt haben – die «Nie wieder»-Generation, die exakt die Mechanismen exerziert, gegen die sich das «Nie wieder» einmal gerichtet hat. Die RAF begann mit Worten wie diesen und endete mit Särgen. Wer heute entscheidet, welcher Journalist ein Mensch ist und welcher Freiwild, hat den ersten Schritt auf demselben Weg bereits getan. Wer Grundrechte nach Gesinnung verteilt, ist kein Demokrat, sondern ein Richter ohne Gericht – und nennt dies «Antifaschismus»! Und wenn sie dir das nächste Mal erklären, sie verteidigten die Demokratie, dann frag sie, gegen wen sie den nächsten Presseausweis für ungültig erklären!

Wie 33 Morde begannen: Wenn Antifaschisten Journalisten jagen und es Demokratie nennen

Seit ich Feminist wurde, kann ich übers Wasser gehen – und im Sitzen pinkeln

Es gibt Männer, die entdecken den Feminismus und ab diesem Tag funktioniert ihr Leben wie ein Werbespot für Nahrungsergänzungsmittel. Vorher: Kurzsichtiger Kümmerling mit Bierbauch und schütterem Haar. Nachher: Wassergänger, Regenwaldretter, Vierlingsvater ohne Frau, sechsstelliges Sekundeneinkommen und die reinste Haut diesseits der Photoshop-Grenze.

Seit ich Feminist wurde, kann ich übers Wasser gehen – und im Sitzen pinkeln

Man muss es einmal in seiner ganzen Wucht auf sich wirken lassen. Seit der Erleuchtung stemmt unser Held mit der Linken einen Autobus und strickt mit der Rechten zwei Pullover. Er singt sämtliche Taylor-Swift-Texte rückwärts, zieht die Quadratwurzel aus 798 in einer Sekunde und hält nebenbei den Klimawandel auf, während er seinem Schatz beide Füsse massiert. Er befreit Tibet, erlöst die Weltwirtschaft und rettet zwölf Quadratmeter Regenwald, bevor der Kaffee durchgelaufen ist. Vierzig Kilo Muskelmasse rauf, zweihundert Kilo Fett runter, Kurzsichtigkeit weg, Haar füllig, Frau will ihn täglich neu heiraten. Und das Beste: Er hat es nicht sich selbst zu verdanken. Nein. Beigebracht haben ihm das die Power-Frauen auf TikTok.

Man kennt diesen Typ. Er lackiert die Fingernägel, trägt ein Septum-Piercing, hat sich einen Buddha auf den Rücken tätowieren lassen und färbt sich demnächst das Haar himmelblau. Er zahlt alle Rechnungen, mault nie zurück und überweist sogar Unterhalt für die Kinder seiner Nachbarin, weil das irgendwie solidarisch ist. Er ist der lebende Beweis, dass man einem Mann jede Selbstachtung austreiben kann, solange man ihm dabei versichert, er sei jetzt endlich einer der Guten. Der männliche Feminist ist kein Verbündeter. Er ist ein dressierter Pudel, der bellt, wenn die App es verlangt und sich für die Leine bedankt.

Das Patriarchat war zu nichts gut – ausser zu allem
Die schönste Pointe liefert er selbst, ganz ohne es zu merken. Feminismus, verkündet er, sei die Lösung für sämtliche Probleme der Menschheit. Endlich habe man begriffen, dass das Patriarchat nur für eine einzige Sache gut gewesen sei: Für jeden technologischen, wirtschaftlichen, kulturellen, philosophischen und medizinischen Fortschritt der Weltgeschichte. Also für praktisch alles, was ihm erlaubt, seine TikTok-Weisheiten auf einem Gerät zu tippen, das Männer erfunden, gebaut und verkabelt haben. Aber gut. Widerspruch ist toxisch und toxisch will er ja gerade nicht mehr sein.

Seit ich Feminist wurde, kann ich übers Wasser gehen – und im Sitzen pinkeln

Also arbeitet er an sich. Als frisch entdeckte Transfrau verdient er jetzt rund zwanzig Prozent weniger als Männer, was er tapfer als strukturelle Diskriminierung verbucht, statt zu bemerken, dass er zwölf Stunden pro Woche weniger arbeitet und die Schwer- und Drecksarbeit den bösen Hodenträgern überlässt. Dafür besucht er einen Selbstverteidigungskurs, nach dessen dritter Stunde er weiss, dass er stärker ist als jeder Mann. Zumindest gleich stark. Genau genommen brauche er Männer ohnehin nicht, denn gezeugt wurde er nicht von einem Vater, sondern aus einer Spende, die seine Mutter im Krankenhaus bezog. Veganes Sperma, versteht sich.

Franz, Tom, Ali und Bert – die Männer, die es nicht gibt
Er benötigt wirklich keine Männer. Nur schnell zum Ölwechsel, mit dem Twingo, zu Franz. Franz ist super. Und am Nachmittag kommt Tom, der die Klospülung repariert. Blöd nur, dass auf dem Weg zur Werkstatt so viele Baustellen sind, weil Ali und Bert bei sengender Hitze die Strasse aufgerissen haben, um den Wasserrohrbruch zu beheben. Peter und Fritz von der Müllabfuhr sollten auch mal wieder die Container leeren. Die Welt, in der die neue Frau so herrlich unabhängig lebt, wird zu hundert Prozent von schwitzenden Männern zusammengehalten, deren Namen sie kennt, ohne den Zusammenhang je zu bemerken. Es ist die grösste ungewollte Komödie unserer Zeit: Der Feminismus predigt die Überflüssigkeit des Mannes aus einer Wohnung, deren Rohre, Strom, Strassen und Müllabfuhr ohne ihn binnen einer Woche kollabieren würden.

Seit ich Feminist wurde, kann ich übers Wasser gehen – und im Sitzen pinkeln

Und dann ist da noch die dünne Stelle, an der die Ironie kurz nachgibt. Er ist froh, sagt er, dass kein Krieg herrscht, sonst müssten seine Brüder Achim und Paul im Schützengraben liegen, mit heraushängenden Gedärmen und nach der Mutter schreien, während sie sein Leben und das seiner Kinder verteidigen. Genau hier wird die Gleichberechtigung wieder ziemlich biologisch. Denn wer Gleichheit predigt, kann sich beim Wehrdienst schlecht aufs Schlupfloch berufen, dass Sterben irgendwie Männersache sei. Wie diese Rechnung real aufgeht, steht ohnehin längst fest: Wer den Krieg bestellt, schickt fremde Kinder – und selten die eigenen.

Am Abend trifft er Susanne, um über ihre Freiheit zu reden, die sie beide so wunderbar ohne Männer geniessen. Susanne hat sich einen neuen Dildo gekauft, der aussieht wie ein echter Penis, sich so anfühlt und mit dem sie heftig kommt. Nur wenn es dunkel wird, weint sie manchmal, weil sie sich emotionalen Rückhalt wünscht. Aber das ist bestimmt auch nur ein Konstrukt des Patriarchats. Wie schon das ZDF wusste: Du bist krank, weil Du ein Mann bist – und Heilung gibt es nur gegen Abgabe sämtlicher Rückgratreste.

Der männliche Feminist hat alles verstanden. Er hat begriffen, dass Selbstverachtung sich wie Tugend anfühlt, wenn man sie nur oft genug applaudiert bekommt. Er ist glücklich, blau im Haar und leer im Blick. Und wenn ihn nachts doch einmal der Verdacht streift, dass er sich nicht befreit, sondern kastriert hat, dann pinkelt er einfach im Sitzen und lässt den Gedanken vorüberziehen. Denn eines weiss er ganz sicher: Ohne den Feminismus wäre sein Leben echt im Arsch!

Seit ich Feminist wurde, kann ich übers Wasser gehen – und im Sitzen pinkeln

Ich muss gar nichts

Der Mensch kommt frei zur Welt und bekommt noch im Wochenbett die erste Rechnung präsentiert: Er soll werden. Er soll wachsen, sich finden, sich heilen, sich übertreffen, ein besseres Exemplar seiner selbst herauspressen, als hätte das nackte Dasein einen Konstruktionsfehler. Und während er ein ganzes Leben damit zubringt, dieses Soll abzustottern, vergisst er die eine Wahrheit, die ihm keine Behörde, keine Ahnenreihe und kein Heilsverkäufer je zugestehen wird: Ich muss gar nichts!

ich muss gar nichts 02

Der Fluch, der wie Freiheit klingt
Es gab eine Zeit, da kam der Zwang von aussen, sichtbar, mit Peitsche und Gebot. Du sollst. Heute trägt die Fessel ein freundlicheres Gesicht und flüstert: Du kannst. Der Philosoph Byung-Chul Han hat diesen Tausch in seiner Müdigkeitsgesellschaft seziert und seine Diagnose liest sich wie ein altes Beschwörungsprotokoll: Das Leistungssubjekt beutet sich selbst aus, freiwillig, ohne dass jemand mit dem Stock danebenstehen müsste. Der Aufseher ist nach innen gewandert. Das ist der eigentliche Zauber dieser Zeit, kein Tyrann hält dich gefangen, du tust es selbst und nennst es Selbstverwirklichung. Der älteste Trick jeder dunklen Magie besteht darin, dem Opfer einzureden, die Kette sei sein eigener Schmuck. Eine elegantere Form der Besessenheit hat die Geschichte selten hervorgebracht.

Der Weg führt nach unten, nicht nach vorn
Alle wollen weiter. Weiter wohin, fragt sich, wer einmal innehält. Die Antwort ist immer dieselbe Richtung: Nach aussen, nach oben, fort von sich. Niemand will zurück, hinab, dorthin, wo das Leiden begann und wo die Seele ihre erste Maske angelegt hat. Dabei kennen die alten Mysterien nur einen einzigen ernsthaften Weg und der zeigt nach unten. Die Mystiker nannten es den Abstieg, die Alchemisten die Schwärze vor dem Gold, die nordischen Sänger das Hängen am Baum, neun Nächte lang, bis das Wissen aus der Tiefe steigt.

Ich muss gar nichts

Keiner dieser Wege fügt etwas hinzu. Sie nehmen weg. Wer das Selbst sucht, sucht keine Ware, die noch fehlt, sondern eine Gestalt, die längst da ist und nur unter Schichten liegt. Das wahre Selbst wird nicht erschaffen wie ein Möbelstück, es wird erinnert. Es liegt nicht am Ende einer Weiterbildung, es liegt unter ihr, verschüttet von lauter Hüllen, die man sich überstreift, um nicht erkannt zu werden, am wenigsten von sich selbst. Erleuchtung ist kein Aufstieg ins Licht, sondern das Ablegen dessen, was es verdeckt.

Das Heiligtum der Selbstverbesserung
Dass aus dieser Sehnsucht ein Geschäft wurde, ist keine Verschwörung, sondern Liturgie. Der weltweite Markt für Selbstverbesserung war 2024 rund 48 Milliarden Dollar schwer und wächst der Erlösung entgegen wie eine Kathedrale ihren Türmen. Es ist ein Tempel mit Ablasshandel: Dieselbe Hand, die dir einredet, du seist nicht genug, verkauft dir das Seminar, das dich vermeintlich genug macht. Du zahlst für die Wunde und gleich danach für den Verband. Es ist die perfekte geschlossene Schleife, eine Schlange, die sich am eigenen Schwanz nährt und das Wachstum nennt. Wer einmal begriffen hat, dass die Krankheit und das Heilmittel aus derselben Werkstatt stammen, sieht das ganze fromme Theater mit anderen Augen. Ich habe das andernorts schon nüchterner ausbuchstabiert, in Glücklichsein um jeden Preis, denn das Glück ist die teuerste Pflicht von allen.

Ich muss gar nichts

Der Inquisitor wohnt jetzt innen
Han schreibt, das Leistungssubjekt befinde sich mit sich selbst im Krieg, der Depressive sei der Invalide dieses inneren Gemetzels. Man muss kein Mystiker sein, um den Blutzoll zu sehen. In der Schweiz fühlt sich nach den Zahlen des Job-Stress-Index fast ein Drittel der Erwerbstätigen emotional erschöpft, der Stress kostet die Wirtschaft rund 7,6 Milliarden Franken im Jahr und ausgerechnet die Jüngsten, die Generation des grenzenlosen Du-kannst-alles-werden, stehen mit über 40 Prozent am tiefsten im roten Bereich. So sieht es aus, wenn ein Volk seinen eigenen Aufseher verinnerlicht hat. Der Egregor des Müssens benötigt keine Gefängnisse mehr, er nährt sich am Feuer der Seele selbst und lässt sie glauben, sie verbrenne aus eigenem Antrieb. Diesen inneren Scharfrichter habe ich an anderer Stelle vermessen, im inneren Richter, der jeden Tag aufs Neue ein Urteil spricht, das niemand verlangt hat.

Der Tod stellt keine Bedingungen
Am Ende kommt ohnehin der grosse Entwirrer und er liest keinen Lebenslauf. Der Tod fragt nicht, ob du dich optimiert, deine Träume verwirklicht oder dein bestes Selbst freigelegt hast. Die letzte Stunde kommt, gleichgültig, wie viele Seminare du besucht hast, um sie hinauszuzögern. Er ist der einzige Lehrmeister, der nicht schmeichelt und nichts verkauft. Genau darin liegt das einzige echte Einweihungswissen, das diese Zeit noch zu vergeben hat: Dass das Sein keine Prüfung ist, die man besteht, sondern ein Zustand, den man zulässt. Der Tod ist hier kein Feind, sondern Wegbereiter, denn er stellt die Frage, vor der jedes Müssen zerfällt: Was von alldem nimmst du mit hinunter? Wer darauf ehrlich antwortet, hört auf, sich selbst zu bekriegen. Er legt die Hüllen ab, solange er noch atmet, statt zu warten, bis der Tod ihm diese Arbeit grob und endgültig abnimmt. Das ist kein Trost, das ist eine Drohung mit umgekehrtem Vorzeichen.

Am Ende löst der Tod jede Maske, die du dir mühsam angeschnallt hast, in einer einzigen Nacht auf, gratis, gründlich und ohne dein Zutun. Wer das Müssen erst am Grab ablegt, hat ein ganzes Leben an einer Schuld getragen, die nie die seine war…

Ich muss gar nichts

Die Kunst, ein Mann mit Seele zu sein

Ein erwachter Mann ist ein Krieger des Herzens.
Er hat den tieferen Ruf vernommen.
Er ist sich seiner Gefühle bewusst und spricht die Sprache der Liebe.
Er sieht die Schönheit der Welt um sich herum, lebt im Hier und Jetzt und kennt die Wege des Göttlichen.
Er ist mitfühlend, kümmert sich aufrichtig um Menschen und hat höchsten Respekt vor dem Weiblichen.
Er verehrt die Frau, die seine Seele anspricht, weiss, wie er ihr zuhören und mit ihrem Herzen kommunizieren kann, und versteht es, ihre tiefsten Wünsche zu erfüllen.
Er fühlt sich wohl damit, verletzlich zu sein, sucht die Antworten in seinem Inneren und hat keine Angst davor, sich der Wahrheit hinzugeben.
Er lernt aus dem Schmerz, den ihm jede Lektion des Lebens bereitet, gibt zu, wenn er Unrecht hat, und übernimmt stets Verantwortung für seine Handlungen.
Er setzt sein Schwert aktiv für einen doppelten Zweck ein – um sein eigenes Ego abzulegen, damit das Licht hereinströmen kann, und um gleichzeitig diejenigen zu schützen, die er liebt.
Er ist ein Verfechter derer, die keine Stimme haben, eine Stärke für diejenigen, die Ermutigung brauchen, und ein Licht für diejenigen, die ihren Weg verloren haben.
Er ist selbstbewusst und stark, aber er ist auch ein Förderer des Friedens, ein Verfechter der Demut und ein Vorbild für Anmut und Vergebung.
Er ruft andere bewusste Männer dazu auf, sich der Revolution anzuschliessen, ihr Ego abzulegen und mit wahrer männlicher Energie zu zeigen, was es bedeutet, ein Mann zu sein, der mit seinem Herzen verbunden ist.

Die Kunst, ein Mann mit Seele zu sein

Erkenne Dich selbst – und werde unregierbar

Das Gute trägt keine Fackel vor sich her. Es benötigt keine Zeugen, keine Bühne, keinen Applaus. Es wirkt im Verborgenen, still, unsichtbar. Und genau daran erkennst Du es: Was schreien muss, um gesehen zu werden, ist niemals das Gute gewesen.

Erkenne Dich selbst - und der Blender verliert seine Macht

Die Kabbalisten sprachen vom Or ha-Ganuz, dem verborgenen Licht der ersten Schöpfung. Es war zu rein für diese Welt, also wurde es weggeschlossen, aufbewahrt für jene, die es zu erkennen vermögen. Nicht ausgelöscht. Verborgen. Das ist kein Rückzug aus Schwäche, sondern das Wesen der Sache selbst. Das Gute drängt sich nicht auf, weil es sich seiner sicher ist. Es weiss um sich. Und Wissen benötigt keine Bestätigung von aussen.

Das Böse hingegen bauscht sich auf. Es leuchtet grell, es fordert Blicke, es will bestätigt werden, immer und immer wieder. Nicht ohne Grund heisst der Gefallene Luzifer, der Lichtträger: Ein Glanz, der gesehen werden muss, weil er sonst nichts ist. Was aufblendet, um zu blenden, verrät sich in genau dieser Geste. Das Böse lärmt, weil es hier, auf dieser Erde, in Wahrheit keinen Ort hat. Es ist ein Gast, der so tut, als gehöre ihm das Haus.

Wo denn das Gute sei, fragen sich alle in dieser aus den Fugen geratenen Welt. Es operiert im Stillen. So war es immer. Täte es das nicht, wäre es nicht das Gute. Wer es nicht zu sehen vermag, dem fehlt nicht das Gute, ihm fehlt der Blick dafür. Er hat sich so lange vom Grellen faszinieren lassen, dass das Feine, das Leise, das im Verborgenen Wirkende unter seiner Wahrnehmungsschwelle verschwindet. Der Schleier liegt nicht über der Welt. Er liegt über den Augen.

Erkenne Dich selbst - und der Blender verliert seine Macht

Und hier kommt der älteste Trick von allen, der Kunstgriff, mit dem der Widersacher seit jeher arbeitet: Die Behauptung, es sei bereits verloren, die Menschheit dem Untergang geweiht, jeder Widerstand vergeblich. Diese Einflüsterung ist die eigentliche Waffe. Sie tötet nicht den Leib, sie tötet die Zuversicht. Und mit der Zuversicht stirbt die Mitwirkung. Wer glaubt, alles sei verloren, legt die Hände in den Schoss und wird so selbst zum Vollstrecker der Prophezeiung.

Also glaube es nicht. Sei Dir absolut gewiss, dass das Gute siegt. Und Du wirst an jeder Ecke die Bestätigung dieser Gewissheit finden. Mehr noch: Du wirst, ohne es zu bemerken, an seiner Erfüllung mitwirken. Denn Gewissheit ist keine Meinung, sie ist eine Kraft. Sie zieht an, was ihr entspricht.

Das Gute war, ist und wird immer sein. Aber es will erst erkannt werden, in einer bestimmten Reihenfolge: Zuerst in Dir selbst, dann in allen anderen. Wer es in sich trägt und weiss, sieht es plötzlich überall. Wer es in sich verleugnet, wird es nirgends finden – und läge es direkt vor ihm.

Über dem Tor zu Delphi stand ein einziger Satz, älter als jede Kirche: Erkenne Dich selbst. Darin liegt alles. Erkenne Dich selbst. Sei voller Zuversicht. Und werdet unregierbar!

Erkenne Dich selbst - und der Blender verliert seine Macht

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