Über ein Land, das als rückständig gilt, während es die mächtigste Militärmaschine der Welt in die Defensive zwingt.

Es gibt eine Geschichte über den Iran, die in westlichen Medien nicht erzählt wird. Nicht weil sie nicht existiert – sondern weil sie das Bild zerstört, auf das man sich geeinigt hat. Das offizielle Narrativ kennt jeder: Religiöse Fanatiker, rückständiges Land, Bedrohung der freien Welt, Atomwaffen in Vorbereitung, böse. Fertig. Bitte keine weiteren Fragen.
Das Problem mit diesem Narrativ: Es stimmt nicht mehr – wenn es jemals gestimmt hat. Journalist und Analyst Ernst Wolff formuliert es mit einer Direktheit, die man im öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht mehr hört: Inzwischen stellt sich die Frage, welches Land wirklich rückständig ist und wer wirklich religiöse Fanatiker an der Spitze hat. Der Vergleich mit den USA im Jahr 2026 fällt nicht zugunsten Washingtons aus.

Was der Iran wirklich ist
Der Iran hat sich vorbereitet. Nicht in den vergangenen Wochen. In den letzten zwei Jahrzehnten. Seit dem Irakkrieg 2003, seit dem libyschen Desaster 2011, seit dem syrischen Chaos – der Iran hat beobachtet, gelernt und investiert. Das Ergebnis: Drohnen, die Carrier-Gruppen bedrohen. Raketen, die Tel Aviv treffen. Eine Abwehrlogik, die auf asymmetrische Kriegsführung ausgelegt ist – nicht auf die Schönwetterszenarien der NATO-Generalstäbe. Eine Gesellschaft, die Jahrzehnte unter Sanktionen gelernt hat, ohne westliche Lieferketten zu existieren.
Und jetzt, in Woche vier des Krieges, passiert das, was kein Pentagon-Stratege in seinen Powerpoint-Präsentationen vorhergesagt hat: Die Raketen gehen durch den Iron Dome. Hunderttausende verlassen Israel. Der schnelle Sieg, den Netanyahus Kabinett versprochen hatte, ist ausgeblieben. Man hat den Iran unterschätzt. Das ist keine Verschwörungstheorie. Das ist die aktuelle Frontlage.

Die Strasse von Hormus als Waffe
Was in der Berichterstattung systematisch fehlt: Die Düngemittel. Durch die Strasse von Hormus fliessen nicht nur 20 bis 30 Prozent des weltweiten Öls und Gases – sondern mehr als ein Drittel der globalen Düngemittellieferungen. Ausgerechnet jetzt, im Frühjahr, in der Pflanzsaison. Wenn diese Lieferkette nicht wiederhergestellt wird, folgt im Herbst ein globaler Lebensmittelpreisschock. Und für Teile Afrikas – das keine Reserven, keine Puffer, keine politischen Schutzmechanismen hat – folgt Hungersnot. Nicht als Metapher. Als reale Konsequenz einer Entscheidung, die in Washington und Tel Aviv getroffen wurde.
Die USA sind Selbstversorger. Sie spüren das anders. Europa wird es an der Zapfsäule und im Supermarktregal merken. Afrika wird es an den Todesraten merken. Das ist die geopolitische Ökonomie des Krieges – und sie wird in den Abendnachrichten nicht erklärt, weil sie unbequeme Fragen aufwirft: Wer hat von dieser Blockade gewusst? War sie beabsichtigt? Und wem nützt ein Ölpreisschock, von dem die USA als Selbstversorger weitgehend ausgenommen sind?

Die Bilder, die niemand sieht
Es ist der erste globale Krieg, bei dem niemand weiss, was wirklich passiert. In Israel und den Emiraten ist es bei Strafe verboten, Bilder nach aussen zu senden. Die Aufnahmen, die wir sehen, sind gefiltert, verzögert oder – im zunehmenden Masse – KI-generiert. Deepfakes des Krieges. Authentizität als Konzept ist verschwunden.
Was man weiss: Eine Schule wurde bombardiert. Zwei Bomben. Die erste zerstörte das Dach. Die zweite war eine Brandmunition, die die Kinder bei lebendigem Leib verbrannte. Trump sagte dazu: Er wisse nichts davon. Das ist die moralische Koordinate dieser Regierung. Nicht Böswilligkeit – etwas Schlimmeres: Vollständige Gleichgültigkeit kombiniert mit vollständiger Ignoranz. Ein 79-jähriger Mann, der in einem NBC-Interview en passant erwähnt, man könnte die Insel Kisch noch mal bombardieren – aus Spass.

Das Schweigen Deutschlands
Friedrich Merz flog nach Washington, um Trump die deutsche Solidarität zu versichern. Spanien kritisiert den Krieg. Slowenien kritisiert ihn. Selbst Meloni in Italien hat Vorbehalte geäussert. Deutschland: nicht. Die Erklärung dafür ist älter als der aktuelle Kanzler. Deutschland ist seit 1945 finanzielle Kolonie der USA – strukturell, nicht symbolisch. Und der Schuldkomplex gegenüber dem jüdischen Volk wird systematisch als Hebel benutzt, um jede Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu ersticken.
Das ist eine Perversion der historischen Verantwortung. Kein Mensch, der heute in Deutschland lebt, ist verantwortlich für das, was Vorfahren getan haben. Dieser Satz ist keine Relativierung – er ist Rechtslogik und moralische Klarheit. Und er bedeutet: Die historische Schuld berechtigt nicht dazu, Kriegsverbrechen der gegenwärtigen israelischen Regierung zu decken, zu finanzieren und schweigend zu begleiten.

Was bleibt, wenn der Staub sich legt
Der Iran kämpft. Er wird nicht in drei Tagen besiegt. Die Versuche, ihn zu isolieren, haben ihn widerstandsfähig gemacht. Die Sanktionen haben ihn autark gemacht. Der Krieg hat ihn entschlossen gemacht. Und während westliche Medien noch dabei sind, das Narrativ des rückständigen Schurkenstaats zu pflegen, stellt sich die Weltöffentlichkeit dieselbe Frage, die Wolf stellt: Wer ist hier eigentlich rückständig?

Das schlimmste kommt noch - Ernst Wolff im Gespräch bei Meet your Mentor
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Es fällt mir schwer zu beschreiben, was ich hier eigentlich tue, DravensTales wurde im Laufe der Jahre Kulturblog, Musikblog, Schockblog, Techblog, Horrorblog, Funblog, ein Blog über Netzfundstücke, über Internet-Skurrilitäten, Trashblog, Kunstblog, Durchlauferhitzer, Zeitgeist-Blog, Schrottblog und Wundertütenblog genannt. Was alles etwas stimmt… – und doch nicht. Der Schwerpunkt des Blogs ist zeitgenössische Kunst, im weitesten Sinne des Wortes.

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