Drei Worte, und schon klappt im kollektiven Gedächtnis wieder die Staubschutzklappe herunter. Kliniken bitten erneut Patienten, Besucher und Mitarbeiter, Masken zu tragen. Bitten. Dieses sanfte Wort, das früher bedeutete: «Wenn es Ihnen nichts ausmacht.» Heute bedeutet es: «Diskutieren zwecklos, wir haben Erfahrung im Durchregieren.»
Natürlich geschieht das alles wieder «um sich und andere zu schützen». Dieser Satz ist inzwischen kein Argument mehr, sondern ein Zauberspruch. Er ersetzt Begründungen, Evidenz, Abwägung und Verantwortung. Einmal ausgesprochen, gilt jede Massnahme als moralisch unangreifbar. Wer widerspricht, hat offenbar etwas gegen andere. Oder gegen Schutz. Oder gegen das Gute an sich.
Dieselben Kliniken, die jede Corona-Massnahme widerspruchslos exekutierten, dieselben Häuser, in denen Personal unter Druck gesetzt, aussortiert oder öffentlich diffamiert wurde, dieselben Flure, in denen Menschen einsam starben, weil Nähe plötzlich als Risiko galt. Alles alternativlos. Alles fürsorglich. Alles im Namen des Schutzes.
Pflegenotstand? Kollateralschaden.
Isolation alter Menschen? Bedauerlich, aber notwendig.
Überlastete Stationen bei gleichzeitigem Personalabbau? Komplexe Lage.
Nebenwirkungen, Fehlentscheidungen, Versorgungslücken? Darüber spricht man später. Vielleicht. Wenn Gras über die Sache gewachsen ist und niemand mehr genau fragt.
Jetzt also wieder Masken. Wieder Appelle. Wieder moralischer Druck. Als hätte es keine Geschichte gegeben, keine Verantwortung, keine offenen Fragen. Als müsste man nur den richtigen Tonfall treffen, dann sei alles vergeben und vergessen.
Kliniken tragen Verantwortung. Nicht nur für medizinische Versorgung, sondern auch für ihr Handeln in Krisenzeiten. Für das Mitmachen. Für das Schweigen. Für das Wegsehen. Für den Eifer, mit dem Anweisungen umgesetzt wurden, während Kritik als Gefahr galt. Diese Verantwortung ist nicht erledigt, nur weil das nächste Formular freundlich formuliert ist.
Solange Klinikleitungen ihre Rolle nicht ehrlich aufarbeiten, solange sie keine Fehler benennen, keine Schäden anerkennen und keine Konsequenzen ziehen, fehlt ihnen vor allem eines: Glaubwürdigkeit. Wer jahrelang Gehorsam organisiert hat, sollte vorsichtig sein mit Bitten.
Denn «wie man sich und andere schützt», haben diese Institutionen nicht neu gelernt. Sie haben lediglich perfektioniert, wie man Regeln durchsetzt – und erwartet, dass alle wieder brav mitmachen.







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