In der Schweiz läuft es nach bekanntem Muster: Wenn ein Problem zu gross, zu heikel oder schlicht zu unbequem ist, dann wird nicht an der Wurzel gesägt – man pinselt lieber die Blätter an, damit sie in der Abendsonne schön glänzen. Begrenzung der Zuwanderung? Zu viel Streit mit Brüssel. Schluss mit Open Borders für Migranten? Klingt nach Rassismus, das kann keiner riskieren. Abriss von günstigem Wohnraum stoppen, damit Renditejäger nicht noch mehr auspressen? Um Himmels willen, da würde man ja die Baulobby verärgern – und die finanziert schliesslich den einen oder anderen Wahlkampf.
Symptombekämpfung im Hochglanzformat
Also macht man, was in der Politik seit Jahrzehnten am besten funktioniert: Symptombekämpfung und Ablenkung. Das Ganze wird natürlich in die hübsche Verpackung „verantwortungsvolle Politik“ gesteckt, um dann medial auf allen Kanälen durch die Republik geblasen zu werden. Denn die Medien sind inzwischen nicht mehr der berühmte „vierte Pfeiler der Demokratie“, sondern das Lautsprecherhorn für den gerade gültigen Auftrag. „Framing“ heisst das Zauberwort – früher nannte man es Propaganda, heute klingt es hipper.
Neue Feindbilder braucht das Land
Anstatt über die wirklichen Ursachen zu sprechen, wird die Bevölkerung darauf getrimmt, die falschen Feindbilder zu hassen. Rentner in ihren schuldenfreien Häuschen – was für ein Skandal! Da sitzen die Alten gemütlich im Eigenheim, während die Jugend in der Mietfalle darbt. Double Income, No Kids-Paare mit grosszügigen Wohnungen – auch verdächtig. Die haben Platz und Ruhe, während der brave Mittelstand mit Kindern zwischen IKEA-Schränken zusammengepfercht lebt. Voilà, die neuen Hassobjekte für die Schlagzeilen.
Ablenkung ist billiger als Konfrontation
So einfach lässt sich die Wut kanalisieren. Denn wenn die breite Masse irgendwann merkt, dass sie systematisch ausgenommen wird – steigende Lebenshaltungskosten, sinkende Reallöhne, explodierende Wohnpreise –, dann könnte sie auf die ungemütliche Idee kommen, die wirklichen Profiteure zu benennen: die Asylindustrie, die von jedem Antrag lebt wie der Wirt von der Stammkundschaft; die EU, die Grenzen am liebsten nur noch im Atlas kennt; die Bau- und Finanzlobby, die günstigen Wohnraum lieber abreisst, um Luxusbunker für Besserverdienende hinzustellen.
Karriere zuerst, Wahrheit zuletzt
Doch genau diese Konfrontation ist Gift für jede Politkarriere. Also lieber ein paar einfache Geschichten erzählen, die man dem Volk mit Schlagzeilen einhämmern kann. Das hat Tradition: Wenn es wirtschaftlich bergab geht, wenn Druck auf den Mittelstand wächst, dann braucht die Menschheit ihre Sündenböcke. Und weil das direkte Anklagen der wahren Machtzentren gefährlich ist, werden eben harmlose Zielgruppen zum Abschuss freigegeben.
Teile und herrsche – die ewige Erfolgsformel
Das Drehbuch ist altbekannt: Teile und herrsche. Hetze Jung gegen Alt, Mieter gegen Eigentümer, Familien gegen Kinderlose – Veganer gegen Fleischesser, «Klimalügner gegen «Klimaretter», «Putinversteher» gegen Kriegsbefürworter, Ungeimpfte gegen Geimpfte, Rechts gegen Links die Liste kann endlos weitergeführt werden. Während die Leute sich gegenseitig zerfleischen, lachen sich die wahren Profiteure ins Fäustchen – und zählen weiter ihre Rendite.
Schweiz 2025: Symptome statt Lösungen
Die Pointe? Wir alle wissen es. Aber wir spielen brav mit. Denn es ist einfacher, über den Nachbarn zu schimpfen, der „zu viel Platz“ hat, als jene zu hinterfragen, die uns systematisch den Boden unter den Füssen wegziehen. Willkommen in der Schweiz 2025: die Alpenrepublik der Symptombekämpfer – mit Sündenbockgarantie.


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