Am 9. Mai 2026 marschieren rund 800 Anti-EU-Demonstranten von Mass-Voll an der Luzerner Seepromenade gegen den Brüsseler «Knechtschaftsvertrag», während vor dem KKL rund 1500 Antifaschisten der «Allianz Luzern Nazifrei» «Nazis raus» und «bildet Banden, macht sie platt» brüllen. Mittendrin filmt Stefan Theiler von Transition TV und holt sich an Christi Himmelfahrt den Schweizer Journalisten des Jahres 2014, Kurt Pelda, ans Mikrofon, damit dieser höchstpersönlich erklärt, wo in dieser Mathematik die eigentliche Gefahr lauert. Bei den rund 50 Neonazis im Hinterfeld der Mass-Voll-Demo, nicht bei den 1500 vor dem KKL, die mit dem Megafon zum Verprügeln aufrufen.
Die Pelda-Mathematik
Rechnet man Pelda nach, kommen auf rund 800 Demonstranten geschätzte 50 echte Rechtsextreme, davon eine Handvoll Personen, die der Nachrichtendienst des Bundes (NDB) als gefährlich einstuft. Damit sind statistisch betrachtet rund sechs Prozent der bewilligten Anti-EU-Kundgebung das eigentliche Problem – und nicht die 1500 auf der Gegenseite, die per Megafon im Sprechchor zur Bandenbildung aufrufen. Es ist die Sorte Stenografie, die seit der Tamedia-Videoreportage «Das geheime rechtsextreme Netzwerk der Schweiz» vom März 2022 zum redaktionellen Standardrepertoire gehört. Pelda war damals federführend dabei. Rund 400 gewaltbereite Rechtsextreme schweizweit, ein verdeckt gefilmtes «unheimliches Netzwerk» – und daraus folgt, dass der eigentliche Gefährder am Bahnhofplatz Luzern jener mit dem Schweizer Kreuz auf dem Pullover war.
Befund: Selbstwiderspruch in 30 Sekunden
Pelda räumt vor laufender Kamera ein, dass der Terrorismus in der Schweiz islamistisch ist und Gewalt auf der Strasse linksextrem – um wenige Sätze später die 50 mutmasslichen Neonazis hinter Mass-Voll als das eigentliche Drama der Demonstration zu inszenieren. Die Inversion ist die Methode: Wo die Faktenlage nicht trägt, trägt der Frame. Bandenbildung am Megafon wird zur «berechtigten Sorge der Mirjam Hostetmann», schwarze Kapuzen mit Schweizer Kreuz zum «geheimen Netzwerk». Wer es wagt, «die Linke» mit ihrer eigenen Sprechchor-Aufforderung «macht sie platt» zu konfrontieren, kassiert das pelda’sche Achselzucken: «Klar undemokratisch, aber das sind ja Linke, die nehmen sich selbst nicht ernst.»
Die Höhlenbewohnerli
Auf der Bühne vor dem KKL singt eine Sprecherin mit Megafon «Wir sind die Höhlenbewohnerli». Das ist nicht Kabarett auf eigene Kosten, das ist die Selbstinszenierung der Allianz Luzern Nazifrei, choreografiert von Juso, SP, Grünen und dem Antifa-Block. Aus demselben Megafon kommt der Aufruf «Nazis gibt’s in jeder Stadt – bildet Banden, macht sie platt», drei Minuten später das Motto «Faschismus beginnt nicht mit Gewalt, er beginnt mit Entmenschlichung, Hetze, Hass und Einschüchterung». Pelda, der investigative Profi, nennt die Aufforderung zur Bandenbildung «klar undemokratisch» – und schwenkt im selben Atemzug auf die Junge Tat. Die Frage, ob ein vor 1500 Demonstranten gebrülltes «platt machen» gegen Schweizer mit Fahne eventuell mehr ist als nur «kindisch», stellt der Schweizer Journalist des Jahres 2014 nicht.
Vokabular als Waffe
Die linksextreme Sprechchor-Pyramide gilt als «unreif». Der rechte Sammelaufmarsch heisst «rechtsextremes Netzwerk». Wer mit Pete Seegers Hammer winkt, ist Sorge. Wer mit dem Megafon zum Verprügeln aufruft, ist die «vielfältige, offene und solidarische Stadt». Die Vokabel-Asymmetrie ist die eigentliche Pointe der Doppelveranstaltung: Identische Handlung links wird zum Ausdruck demokratischer Werte gerahmt, identische Handlung rechts wird zur «Bedrohung der Verfassungsordnung». Pelda liefert die Schablone, Tagesschau und SRF kopieren sie. Und die EUdSSR-Brüsseler dürfen sich auf die Schulter klopfen, weil die eigentliche Inhalts-Debatte über das Vertragspaket – Demokratie, Föderalismus, Volkssouveränität – gar nicht stattfindet.
Der Mann mit dem Geheimnetzwerk
Wer ist eigentlich dieser Kurt Pelda, der das Mass an demokratischer Würdigkeit verteilt? Schweizer Journalist des Jahres 2014, Tamedia-Recherchedesk, Kriegsreporter aus 17 Konflikten – die Visitenkarte sitzt. Pelda hat 2019 allerdings für 3500 Franken Recherchen an Alp Services geliefert, einen privaten Genfer Geheimdienst, dessen Auftraggeber – wie 2023 publik wurde – der Geheimdienst der Vereinigten Arabischen Emirate war. In den Pelda-Berichten landeten Namen angeblicher Muslimbrüder in der Schweiz. Beim VAE-Geheimdienst. Pelda erklärte später gegenüber Mediapart, er habe nichts gewusst. Diesen Mann holt Theiler nun an die Luzerner Seepromenade, damit er erklärt, wo in der Schweizer Demokratie die Grenzen verlaufen.
Bilanz: Vom Vertrag keine Spur
Das Theater am Luzerner See heisst offiziell Anti-EU-Demonstration gegen den Knechtschaftsvertrag. Nur: Den Vertrag will im 25-minütigen Pelda-Interview niemand diskutieren. Auf die Frage «Soll das Volk darüber abstimmen?» gibt der investigative Profi keine Antwort. Auf die Frage zur Brüsseler Machtdelegation: Keine Antwort. Stattdessen Hitlergruss-Telegram-Flyer-Schweizer-Nationalisten-Junge-Tat-Analyse. Genau das ist die Funktion des ganzen Inszenierungs-Frames. 50 mutmassliche Neonazis dienen als Rauchgranate, damit die eigentliche Frage – ob die Schweiz noch ihre eigenen Gesetze schreibt oder ob das künftig in der EUdSSR-Bürokratie geschieht – vom Tisch fliegt. Und der Schweizer Journalist des Jahres 2014 spielt das Spiel mit, weil er es seit der Tamedia-Doku von 2022 so gelernt hat.
Pelda ist nicht der Experte für Extremismus, Pelda ist der Lieferant der Vokabular-Schablone, die Bandenbildung in demokratische Werte ummünzt und Schweizer Fahnen in geheime Netzwerke! Was lernen wir? Dass eine Allianz aus SP, Juso, Grünen und Antifa öffentlich zum Verprügeln von Anti-EU-Demonstranten aufrufen darf und sich dabei «Höhlenbewohnerli» nennt, ohne dass die Tagesschau auch nur einmal das Wort «linksextrem» in den Mund nimmt. Dass die eigentliche Debatte um das Brüsseler Vertragspaket unter einem 50-Mann-Neonazi-Block beerdigt wird, obwohl die 1500 Antifa-Bandenbildner ohnehin in der Mehrheit waren. Und dass die EUdSSR-Bürokratie in dieser Aufstellung ihren besten Türsteher gefunden hat – den Schweizer Journalisten des Jahres 2014 mit verdeckter Kamera, einem Telegram-Spickzettel und einem privaten Geheimdienst-Auftrag aus Abu Dhabi – und nennt dies «investigative Berichterstattung»!
Quellen
20 Minuten – Liveticker Demo-Samstag Luzern
Luzerner Zeitung – Liveticker
SRF – Wie aus Mass-Voll ein Akteur der rechtsextremen Szene wurde
Tages-Anzeiger – Das geheime rechtsextreme Netzwerk der Schweiz (Pelda u.a., März 2022)
Wikipedia – Kurt Pelda (Alp Services / VAE)
Watson – Rechtsextreme aus Ungarn und Bulgarien an Mass-Voll-Demo
Infosperber – Mass-Voll erhält Bewilligung für Demo









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