Mit dem Sci-Fi-Thriller «Titan – Evolve or Die» gelingt Lennart Ruff bei weitgehendem Verzicht auf teure visuelle Effekte über lange Strecken ein ebenso stimmungsvolles wie originelles Regiedebüt. Allerdings geht ihm erzählerisch mit zunehmender Filmdauer leider die Luft aus.
Meist kennen Wissenschaftler und Science-Fiction-Autoren wenn es um die menschliche Besiedlung fremder Planeten geht nur eine Lösung: Terraforming. Dabei wird das Ökosystem des jeweiligen Himmelskörpers so verändert, dass es genug Sauerstoff zum Atmen bietet, Landwirtschaft ermöglicht und generell das Überleben des Menschen erlaubt. In Lennart Ruffs «Titan – Evolve or Die» wird nun von einer Alternative zu diesem langwierigen Prozess erzählt und die Prämisse gleichsam umgedreht: Hier will sich der Mensch den Lebensbedingungen seiner neuen Heimat angleichen und nicht umgekehrt. Der SciFi-Thriller punktet mit einer originellen Ausgangsidee und einer stimmigen Atmosphäre, im letzten Drittel geht ihm aber erzählerisch allerdings die Luft aus.
Nachdem sich der deutsche Regisseur in seinem Langfilmdebüt zunächst viel Zeit nimmt, die Ausgangssituation darzulegen, konzentriert er sich auf die wissenschaftlichen Experimente zur gentechnischen Erschaffung einer Art von Supermensch. Dabei nimmt die körperliche Verwandlung von Rick immer krassere Formen an, die alsbald an David Cronenbergs Body-Horror erinnert. Wenn dem Protagonisten Haare ausfallen, er sich häutet und aus den Augen blutet, ist das nicht zuletzt deshalb schockierend, weil die Maskenarbeit und die Effekte trotz des bescheidenen Budgets absolut überzeugen. Regisseur Ruff macht insgesamt viel aus den beschränkten Mitteln, die ihm zur Verfügung stehen. Er verzichtete beim Dreh auf Gran Canaria auf aufwändig in Szene gesetzte Ausflüge in den Weltraum und beschränkte sich diesbezüglich weitgehend auf einige bedeutungsvolle Blicke in den Sternenhimmel. Die eher bodenständige Inszenierung mit ihren in nüchterne blaugraue oder hellblaue Töne getauchten Bildern von unpersönlichen Wohnkomplexen und Forschungseinrichtungen schafft eine faszinierende Atmosphäre und trägt dazu bei, dass der Film über lange Zeit eine suggestive Spannung in sich trägt. Nachdem der körperliche Transformationsprozess abgeschlossen ist, werden die bis dahin sorgsam geschürten Erwartungen allerdings recht herbe enttäuscht.
Drehbuchautor Max Hurwitz (er schrieb einige Folgen der Western-Serie «Hell on Wheels») verfällt im halbgaren Finale auf einen allzu gewollten Konflikt und spielt mit dem Vorschlaghammer Ethik und Menschlichkeit gegen rationale Wissenschaft und Pflichtbewusstsein aus. Auch bei der Figurenzeichnung fehlt letztlich insgesamt ein wenig die Raffinesse. Am ehesten überzeugt Taylor Schilling (Orange Is The New Black), ihre komplex angelegte Abigail kommt dem zwielichtigen Collingwood mit Mut, Cleverness und wissenschaftlichem Sachverstand auf die Schliche. Sam Worthingtons Auftritt wirkt dagegen eher dröge. Er macht nach seinen Parts in «Terminator: Die Erlösung» und «Avatar – Aufbruch nach Pandora» zwar abermals eine körperliche Wandlung durch, die kann aber über die Eindimensionalität der Rolle nicht hinwegtäuschen. Der Film ist kein Meisterwerk, vermag aber über weite Strecken zu fesseln und regt zum nachdenken an.




«Dravens Tales from the Crypt» bezaubert seit über 15 Jahren mit einer geschmacklosen Mischung aus Humor, seriösem Journalismus – aus aktuellem Anlass und unausgewogener Berichterstattung der Presse Politik – und Zombies, garniert mit jeder Menge Kunst, Entertainment und Punkrock. Draven hat aus seinem Hobby eine beliebte Marke gemacht, welche sich nicht einordnen lässt.








