Jede Generation hat die «Unendliche Geschichte», die sie verdient. «Das Zeiträtsel» ist eine bonbonbunte Effektorgie mit anstrengenden Figuren und billigen Glückskeks-Lebensweisheiten. Angestrengt wird hier versucht, eine disneytaugliche Lebensweisheit der Marke «Glaub an Dich selbst, dann kannst Du alles erreichen!» an die nächste zu reihen – und dies dermassen penetrant, dass es mit der Zeit so richtig nervt. Alles wirkt konstruiert und ohne Seele. Das einzige was mir von dem Film in Erinnerung bleiben wird, ist der im Minutentakt gerufene Name des Adoptivbruders: Charles Wallace!

Ein guter Wille macht noch keinen guten Film. Dieser Flop aus dem Maus-Haus ist ein nach Magie strebendes Fantasykino ohne Filmmagie und Rätsel. In faden CGI-Wolken der Familienfreundlichkeit schwebend, ohne erzählerischen Groove und arg platt mit den Themen Tod und Verlust umgehend, ersäuft Ava DuVernays Adaption eines Kinderbuchklassikers in matschige Selbstbejahung, die zu keinem Zeitpunkt sich emotional authentisch anfühlt. Plump-kitschig, mit marktorientierter Diversität geglättet, predigt der Streifen seine Weltverbesserungs-Glückskeks-Botschaften. Die Handlung ist ganz, ganz weit vom Buch von Madeleine L’Engle entfernt. Klar sind Buchverfilmungen meist eine Enttäuschung, aber bei «Das Zeiträtsel» kommt so rein nichts rüber. Weit über 100 Mio $ Budget für ein Drehbuch, das Disney schon gut und gerne 50 mal als Zeichentrick-, Animations- oder Marvelfilm verfilmt hat. Die Moral von der Geschicht‘ mag gut gemeint sein, aber dass Hass mit Liebe besiegt werden kann, ist dann letztlich doch ein wenig dünn, wenn man zuvor derart bedeutungsschwanger mit diversen Scheinmetaphern daherkommt.

Die prominenten und ambitionierten Darsteller wie Chris Pine, Reese Witherspoon, Michael Peña, Oprah Winfrey, Zach Galifianakis und Gugu Mbatha-Raw werden eigentlich kaum gefordert. Anscheinend hat man nur ihre Namen zur Vermarktung gebraucht. Die afroamerikanische Regisseurin Ava DuVernay hat bislang zumeist betont afroamerikanisch-politische Werke. In «Selma» erzählte sie von Martin Luther King sowie einer entscheidenden Phase der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung, während die Regisseurin in der Netflix-Dokumentation «Der 13.» die Geschichte von Sklaverei und Rassismus in Amerika von den historischen Anfängen aus aufrollte und einen Bogen bis hin zur Gegenwart spannte. Ungewöhnlich schien daher der nächste Schritt, für den eine Filmemacherin wie DuVernay, die sich vor allem in der Wahl ihrer Motive eine so klare Handschrift erarbeitete, von Disney ein gewaltiges Budget von 100 Millionen Dollar erhielt und einen familienfreundlichen Fantasy-Film drehen sollte.

Entstanden ist ein Film, der gerade erzählerisch von einigen Holprigkeiten geprägt ist und für den sich die Drehbuchautoren Catherine Hand und Jim Whitaker scheinbar nicht so richtig entscheiden konnten, an welche Zielgruppe die Geschichte letztendlich gerichtet sein sollte. Im Gegensatz zu Dr. Alex Murrys anfänglicher Aussage ist die Liebe zu dem Stoff, mit dem DuVernay ihre buchstäblich überdimensionierte Romanverfilmung aufgeladen hat, aber unentwegt sichtbar. «Das Zeiträtsel» führt den Zuschauer gemeinsam mit den Figuren in fremde Welten, welche beeindruckende Schauwerte, ungeahnte Möglichkeiten, bei denen die Grenzen der Physik ausser Kraft gesetzt sind, und düstere Gefahren beherbergen. Dabei findet die recht überstürzt voranpreschende Geschichte, in der die Tonalität regelmässig zwischen kindgerechter Seichtigkeit, geradezu drogentripartigen Visualisierungen und dramatischer Ernsthaftigkeit pendelt, aber immer wieder zu ihrem ungemein intimen Kern zurück. «Das Zeiträtsel» bleibt allen phantastischen Elementen zum Trotz eine familiäre, fast schon kleine Geschichte im denkbar grossen Rahmen.

Selten so einen schicken, aber leider aufgeblasenen und unspannenden leeren Film gesehen, der im Finale dann auch noch dreimal kurz hintereinander so gewollt auf die Tränendrüse drückt, aber das Gesehene fast keine Emotionen weckt. «Das Zeiträtsel», der im Original den wesentlich schöneren Titel «A Wrinkle in Time» trägt, dürfte bei kitschresistenten Zuschauern kaum einen Zugang finden und stattdessen als esoterisches Heile-Welt-Debakel dastehen. Ein extrem unausgegorenes Drehbuch, immer wieder äusserst künstlich wirkende Bilder und eine langweilige, sich über 109 Minuten schleppende Handlung sorgen dafür, dass einen das Geschehen auf der Leinwand nach spätestens 30 Minuten vollkommen kalt lässt. Immer wieder sieht man auf der Leinwand die Gesichter staunender Menschen, aber wenn dann der Schnitt hin zu dem kommt, worüber da gerade gestaunt wird, ist es für den Zuschauer in den meisten Fällen einfach nur eine ziemliche Enttäuschung. «Das Zeiträtsel» schmeckt wie eine verkochte und mit Wasser verdünnte Suppe vom Vortag, die in einer schönen Schüssel serviert wird, da helfen auch die handverlesenen Zutaten nicht mehr viel. «Das Zeiträtsel» ist ganz einfach todlangweilig und schlecht – und damit eine der ganz grossen Enttäuschungen dieses Kinojahres. Hollywood lässt sich von dem eingeschlagenen Kurs übrigens durch diesen einmaligen Rückschlag nicht abhalten, Ava DuVernay wurde von Warner Bros. als Regisseurin für den DC-Comic-Blockbuster «The New Gods» engagiert – und da dürfte das Budget kaum geringer, sondern wohl eher sogar noch höher ausfallen.


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