Für mich ist das Original «Elliott, das Schmunzelmonster» eine der schönsten Disneyfilmklassiker überhaupt und eine meiner liebsten Kindheitserinnerungen. Umso skeptischer war ich, als ich von dem Remake hörte, welches Kritiker weltweit einhellig als «schönsten» oder «besten» Film des Jahres feierten und als bislang gelungenstes Remake eines Disneyfilms lobten. Obwohl Remake und Original im Englischen beide den Titel «Pete’s Dragon» tragen, ist es sinnvoll das David Lowerys Neuverfilmung in unseren Breiten nicht auch wieder «Elliot – Das Schmunzelmonster» heisst, sondern ganz nüchtern «Elliot, der Drache». Denn während sich der Disney-Klassiker von 1977 noch als ausgelassen-märchenhaftes Musical im Zeichentrick-Realfilm-Mix präsentierte, ist die 2016er-Version eine echte Neuerfindung des Stoffes, die nur den Originaltitel sowie einige ganz wenige Story-Details mit der Vorlage gemein hat. Ganz ohne Gesang und ohne buntgezeichnetes Fabeltier erinnert der Film viel eher an 80er Jahre Familien-Klassiker wie «E.T. – Der Ausserirdische» oder «Die Goonies».

Elliot, der Drache

Trotz der Lobeshymnen erwartete ich wirklich nicht viel, als mir diesen Film anschaute. Und diese Neuverfilmung ist tatsächlich ganz anders, als das fröhlichere, ausgelassenere, humorvollere Original und hatte mit diesem auch nur noch die Grundidee gemein. Beim Schauen des Films fühlte ich mich mit meinen 44 Jahren aufs angenehmste in die Zeit der grossen Disneyrealfilmklassiker zurückversetzt und wurde selbst für anderthalb Stunden wieder zum Kind. Dieser Film bietet eine mitreissende, zuweilen traurige, mitunter spannende und auch heitere Geschichte, welche den Zuschauer durch ein Wechselbad der Gefühle schickt, ein schöner Soundtrack, tolle Aufnahmen, ein jungen Regisseur mit einer offensichtlichen Gabe fürs Geschichtenerzählen und nicht zuletzt ein hervorragend besetzter Cast, aus dem der junge Oakes Fegley als Pete ganz besonders hervorsticht. Der ungemein sympathische Junge spielt absolut natürlich und glaubhaft, ihm nimmt man zu jeder Zeit das «wilde Kind» ab, man fiebert jederzeit mit ihm – wenn er sich freut, dann freut man sich mit, wenn er leidet dann ist es buchstäblich herzzerreissend.

Elliot, der Drache

Wenn Pete ziemlich zu Beginn des Films mit Elliot durch den Wald tobt und in Bächen plantscht, lässt die neuseeländische Effektschmiede Weta Digital (Der Herr der Ringe, Der Hobbit) kurz die CGI-Muskeln spielen. Der flauschige Drache schüttelt nach der nassen Abkühlung wie ein Hund sein Fell aus – jeder informierte Zuschauer weiss, was für eine unglaubliche Rechenleistung in diese nur wenige Sekunden lange, ungeheuer plastisch und lebendig wirkende Szene geflossen sein muss. Aber hier wird abgesehen vom etwas actionlastigeren Showdown nicht einfach nur ein weiteres Computereffekt-Feuerwerk abgebrannt – von denen gibt es wahrlich schon genug. Stattdessen ist der Film so bodenständig, wie ein Film über einen Jungen und seinen magischen Drachen nur sein kann. Endlich taugen in einem Film mit Blockbuster-Budget auch mal wieder selbst die kleinen Dinge zum grossen Abenteuer – etwa das Herumklettern von Pete in seinem eindrucksvollen, mit der Hilfe von Elliot errichteten Baumhaus. Nur als Elliot sich nach Verlassen des Waldes plötzlich in der Welt der Menschen zurechtfinden muss, ergeben sich einige Längen, auch weil von hier an exakt die Handlungspfade eingeschlagen werden, die man in dieser Geschichte erwartet.

Elliot, der Drache

Um diese nicht ganz taufrische Story aufzupeppen, hätte man etwa den klassischen Erzählton auf die heutige Lebenswirklichkeit der Kids prallen lassen können. So wirkt der in einer unbestimmten Zeit, die eher wie die 80er Jahre wirkt als wie die Gegenwart, angesiedelte Film mitunter wie eine nostalgische Erinnerung an eine unschuldigere, naivere Vergangenheit, die wohl eher die erwachsenen Begleiter als das kindliche Zielpublikum anspricht. Dabei dürfte Elliott der wohl liebenswerteste, knuffigste und treuherzigste Drachen seit dem Glücksdrachen Fuchur aus der «Unendlichen Geschichte» (1984) sein und ist somit der absolute Kinderliebling. In weiteren Rollen sind übrigens Karl Urban (Herr der Ringe, Star Trek) und Hollywood-Urgestein Robert Redford zu sehen, der zwar nicht all zuviel zu tun hat, in seiner Darstellung als sympathischer Grossvater aber voll überzeugt und auch nicht störend wirkt. Die Idee der Disneystudios ihre alten Klassiker in (Realfilm-) Neuauflagen rauszubringen zeugt zwar nicht gerade von überbordender Originalität, doch muss ich zugeben, dass sie sich zunehmend als überraschend gut erweist. Ich bin daher schon sehr gespannt auf die geplanten kommenden Realfilmversionen der Disneyklassiker «Die Schöne und das Biest», «König der Löwen», «Peter Pan» und «Aladdin». Im Moment scheint Disney jedenfalls ein gutes Händchen für diese Art Realfilme zu haben, die etwas bieten, was ich in dieser Form sehr lange im Kino vermisste: Tolle Unterhaltung für die ganze Familie und die Rückkehr der längst erloschen geglaubten Disney-Magie.


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