«The Hateful Eight» ist sicherlich ein Unikat, gerade im bisherigen Schaffenswerk Tarantinos, aber mir persönlich war er nicht kurzweilig genug. Die Dialoge haben nicht immer standhalten können und die verhaltensbasierte Logik einiger Charaktere muss zumindest hinterfragt werden. Und doch war ich überrascht, dass sich die knappen drei Stunden nicht wie knappe drei Stunden angefühlt haben. Der Gedanke «wann ist es endlich vorbei?» kam nie auf – eigentlich ein gutes Zeichen. Und doch fehlen die ganz positiven Dinge. Bis auf vielleicht Jackson konnte mich keiner der Darsteller wirklich überzeugen.
Allesamt haben sie gut gespielt, keine Frage, aber richtig grosse Schauspielkunst war nicht zu sehen. Hinzu kommt, dass ich die Oscar-Nominierung von Jennifer Jason Leigh als beste Nebendarstellerin nicht nachvollziehen kann. Ihr Charakter ist deutlich hinter meinen Erwartungen zurück geblieben und die Darstellung war sicherlich solide bis gut, aber keine Nominierung würdig – ohne, dass ich jetzt die komplette Konkurrenz in der Kategorie einschätzen könnte. Auch bei Tim Roth hatte ich mir mehr erwartet. Er übernimmt die mittlerweile obligatorische «Christoph Waltz-Rolle». Der noble und redegewandte Brite, der mit Wortakrobatik und Charme für Unterhaltungswert sorgt. Leider nur im Ansatz. Und ein mit schlechten Zähnen versehener Channing Tatum passt leider so gut wie gar nicht in das Setting…

Am Ende kommt man mit gemischten Gefühlen aus dem Kinosaal. Zunächst sitzt der Gedanke «das. war. lang.» im Kopf. Dann sucht man nach den richtig guten Sachen. Dann sucht man nach den richtig schlechten Sachen. Fündig wird man bei beiden nicht wirklich. Und am Ende steht ein Stück Enttäuschung einem Stück Freude gegenüber. Freude über die kleinen Dinge, wie der (etwas zu prominent eingebaute) Red Apple-Tabak. Aber das reicht für mich nicht aus, dieses Monument an Film in den kommenden Wochen noch einmal sehen zu wollen. Dafür war dann doch zu viel weilig. Tja, so gibt es 5 von 10 Sternen. Gerne hätte ich mehr gegeben, aber mir fehlen die grossen Szenen, die besonderen Momente, die auf Jahre im Gedächtnis bleiben. Gerne hätte ich weniger gegeben, aber der Abstand zu tatsächlichen Enttäuschungen muss gewahrt werden. So bleibt die Mitte…

«Dravens Tales from the Crypt» bezaubert seit über 15 Jahren mit einer geschmacklosen Mischung aus Humor, seriösem Journalismus – aus aktuellem Anlass und unausgewogener Berichterstattung der Presse Politik – und Zombies, garniert mit jeder Menge Kunst, Entertainment und Punkrock. Draven hat aus seinem Hobby eine beliebte Marke gemacht, welche sich nicht einordnen lässt.








