Das isländische Kino hat schon mehrfach bewiesen, dass sein Land ein wunderbares Setting für düstere Filme abgibt. Mit «I Remember You» will uns Óskar Thór Axelsson das Fürchten lehren. Der auf dem Roman von Yrsa Sigurðardóttir basierende Streifen wirft jegliche Rationalität über Bord und nutzt gekonnt die Kulisse der isländischen Abgeschiedenheit, um daraus düstere Unterhaltung mit Anspruch zu machen. Freunde von Geistergeschichten finden in «I Remember You» durchaus ansehnlichen Stoff.
«I Remember You» beansprucht gleich zu Beginn die volle Aufmerksamkeit des Zuschauers. Hier werden nämlich zwei Geschichten erzählt, die offenbar miteinander verbunden sind. Der Film gibt sehr schön die Isländische Grundstimmung wieder, auch oder gerade weil diese etwas depressiv daherkommt. Die verschachtelte Geschichte isz gleichzeitig auch die Quintessenz dieses etwas anderen Geisterfilms. Spuk ist hier zwar vorhanden, spielt aber eine untergeordnete Rolle. Im Mittelpunkt stehen seltsame Todesfälle, die gelöst werden müssen. Passender Stoff also für Hobby-Detektive und leidenschaftliche Krimifans, denn «I Remember You» ist bei genauerer Betrachtung eher ein spannender Kriminalfall, welcher an skandinavische TV-Thriller erinnert und sich erst am Ende im Geisterfach verirrt, um etwas Gänsehaut bescheren zu können. Dabei nimmt sich Regisseur Óskar Thór Axelsson besonders viel Zeit beim Erzählen seiner Geschichte und analysiert dabei auch die Sorgen seiner authentischen Hauptdarsteller, die ohnehin schon von Schicksalsschlägen gebeutelt sind. Das macht «I Remember You» auch auf emotionaler Ebene glaubhaft, was vor allem Schauspieler Jóhannes Haukur Jóhannesson zu verdanken ist, der hier als Psychologe wegen des verschwundenen Sohns durch die Höhle geht. Berührend – auch wenn erst nach und nach viele Puzzleteile ein plausibles Ganzes ergeben.
Der langsam und bedacht inszenierte Film beweist einmal mehr, dass es kein Blut oder reisserischer Spezialeffekte bedarf, um spannende Geschichten zu erzählen. Hier wird unheimliche Stimmung auf anderem Wege hervorgerufen. Der Film bewirkt gespenstiges Unbehagen durch einfache Mittel, wie sporadische Belichtung, trostlose Kulissen und grummelnden Sound. Was hier wie eine Folge CSI:Rejkjavik beginnt, mausert sich ganz schnell zu einem fesselnden Mysterythriller, der vor allem wegen seiner verworrenen Handlung und der für Gruselfilme eher ungewöhnlichen Kulisse auf ganzer Linie überzeugt. Karge Landschaften treffen auf nicht minder karg eingerichtete Häuser und von Sorgen geplagte Figuren, die Teil eines ungewöhnlichen Genre-Mixes sind, der auf einem bekannten Bestseller beruht. Die Verfilmung ist nicht ohne und fesselt mit mehreren Erzählebenen bis zum Schluss. Schnell ist man mittendrin und kann sich dem Mysterium nicht mehr entziehen, das sich im Film wie eine Schlaufe um alle Beteiligten zieht. «I Remember You» besitzt zwar einen unterkühlten Look, ist aber zutiefst emotional und atmosphärisch stimmig. Geheimtipp für anspruchsvolle Cineasten!



«Dravens Tales from the Crypt» bezaubert seit über 15 Jahren mit einer geschmacklosen Mischung aus Humor, seriösem Journalismus – aus aktuellem Anlass und unausgewogener Berichterstattung der Presse Politik – und Zombies, garniert mit jeder Menge Kunst, Entertainment und Punkrock. Draven hat aus seinem Hobby eine beliebte Marke gemacht, welche sich nicht einordnen lässt.








